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Wirtschaft
01/26/2020

Brandenburger Bauer: „Können die Stadt nicht mehr ernähren“

Warum Dirk Peters glaubt, dass kleine Höfe aussterben werden und er selbst lieber Energiepflanzen als Lebensmittel anbaut.

von Simone Hoepke

Im Messezentrum Berlin geht bis einschließlich morgen, Montag, die alljährliche Nabelschau der Landwirtschaft über die Bühne. 400.000 Besucher erwarten die Veranstalter in den Messehallen, Regierungsvertreter aus 70 Ländern geben sich bei der Agrarministerkonferenz die Klinke in die Hand und vor den Toren der Messehallen rollen die Traktoren.

Tausende Landwirte demonstrieren, weil sie sich von der Politik unverstanden und ungehört fühlen. Parallel dazu demonstrieren Umwelt- und Tierschützer für höhere Standards und Konsumenten wünschen sich die Eier legende Wollmilchsau: Bio aus der Region, das noch dazu nichts kostet.

„Resignation bis Hass“

20 Autominuten vom Messegelände Berlin entfernt liegt der Hof von Dirk Peters. Der 53-Jährige ist nicht nur Geschäftsführer eines Betriebs mit einer Agrarfläche von 2.400 Hektar und 20 Mitarbeitern, sondern auch Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Havelland. „Die Stimmung hier reicht von Resignation bis hin zu blankem Hass auf die Behörden“, meint Peters.

Es sei erschreckend, wie wenig Verständnis Politiker für die Landwirtschaft haben, sagt der konventionelle Landwirt, der also nicht unter dem Bio-Siegel produziert.

„Sie nehmen uns aber immer mehr Wirkstoffe weg. Wenn die neue Düngemittelverordnung kommt, bekommen wir keine Qualität mehr in den Weizen“, ist er überzeugt. Jene, die die Gesetze machen, seien oft Jungspunde, die aus NGOs kommen und keine Ahnung von der Realität am Feld haben, so seine Meinung.

Scheinheilige Konsumenten

Die „Scheinheiligkeit“ jener Konsumenten, die in Umfragen beteuern, für Bio gerne mehr zu bezahlen, könne er nicht mehr hören. „Alles Quatsch, am Ende entscheidet der Preis. Diese Geiz-ist-geil-Mentalität bricht uns Bauern noch das Genick.“

Der Bio-Markt ist aus seiner Sicht satt, das wüssten auch die Milchbauern, die ihre Bio-Ware längst als konventionelle Milch und damit zu schlechteren Preisen verkaufen müssen. Überhaupt liege einiges im Argen, auch in der Verarbeitungsbranche. Vor den Toren Berlins gibt es so gut wie keine Verarbeiter mehr, klagt der Agrarier. „Damit könnten wir die Stadt auch nicht mehr ernähren. Das Essen wird von sonst wo angekarrt.“Währenddessen halte sein Nachbar 500 Bio-Rinder und muss sie letztlich zum Schlachten bis zum nächstgelegenen Bio-Schlachthof karren. „Der ist in Bayreuth, also mehr als 300 Kilometer entfernt. Und dann karrt man das Bio-Fleisch wieder zurück nach Berlin. Das ist doch alles eine Augenauswischerei“, fasst sich Peters an den Kopf.

Er hätte überhaupt kein Interesse mehr daran, Tiere zu halten. Zu unsicher, sagt er. Dauernd würde die Politik neue Vorschriften machen, die Landwirte müssen die Ställe umbauen, haben die Investitionen noch nicht verdient, da kommen schon die nächsten neuen Vorschriften.

Ohne Fördergeld geht gar nix

Ohne Förderungen aus Brüssel geht aber auch bei den Großbauern in Brandenburg nichts. Die Agro Farm Nauen von Peters bekommt rund ein halbe Million Euro im Jahr. In Brandenburg bekommen Landwirte 175 Euro pro Hektar, bei Einhaltung bestimmter Auflagen bis zu 250 Euro, rechnet Peters vor. Ohne Förderungen könnten die meisten gleich zusperren. Economies of Scale hin oder her.

Kleinere Höfe, die es in Deutschland vor allem noch in Bayern und Baden-Württemberg gibt, sterben laut Peters aus. „Ob man sich jetzt als GmbH, Holding oder Genossenschaft zusammenschließt, man hat aufgrund der Betriebsgröße bessere Chancen. Die Zeiten, in denen ein Betrieb mit 20 Hektar noch eine ganze Familie ernähren konnte, sind einfach vorbei.“

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