Ärger über teure Bose-Lautsprecher: Smarte Speaker werden dumm

Ärger über teure Bose-Lautsprecher: Smarte Speaker werden dumm
Der Hersteller schaltete Dienste für ältere Hifi-Geräte ab. Sie können nur noch eingeschränkt genutzt werden. Viele Käufer sind verärgert.

"Es ist ein Schlag ins Gesicht", schreibt ein verärgerter Nutzer im Online-Forum Reddit. Er habe Tausende für sein Bose-Soundsystem ausgegeben, bald sei es nur noch als Türstopper zu gebrauchen. Der US-Lautsprecherhersteller hatte im Herbst angekündigt, den Cloud-Support für seine Soundtouch-Lautsprecher und Soundbars einzustellen. 

Die 2013 erstmals auf den Markt gekommenen Geräte und nachfolgende Generationen, die zwischen 200 und mehr als 1.000 Euro gekostet haben, verlieren damit zentrale Funktionen, etwa die Wiedergabe in mehreren Räumen über die Cloud oder die Integration von Streamingdiensten wie Spotify. Auch über die zugehörige Soundtouch-App kann dann keine Musik mehr abgespielt werden. Sicherheitsupdates wird es auch keine mehr geben. 

Bose begründete den Schritt damit, dass man sich nicht mehr in der Lage sehe, die Entwicklung und den Support für die überholte Gerätegeneration aufrechtzuerhalten. Zwar verlängerte das US-Unternehmen nach Kritik von Nutzern die Frist bis Ende Mai. Davor bekommt die App noch einmal ein Update und soll mit geringerem Funktionsumfang weiter funktionieren. Zudem gab Bose Schnittstellen und Code frei, damit Drittanbieter Apps mit entsprechenden Funktionen programmieren können. Am Ärger der betroffenen Kunden ändert das wenig. Sie haben viel Geld bezahlt und können die Geräte jetzt nur noch eingeschränkt nutzen.

Kein Einzelfall

Bose ist bei weitem nicht das einzige Unternehmen, das seine Kunden vor den Kopf stößt, weil Produkte Funktionen verlieren oder nutzlos werden. 

  • Der auf Smart-Home-Lösungen spezialisierte US-Hersteller Belkin stellt im Februar ebenfalls den Cloud-Support für eine Produktserie ein. Dann werden Lichtschalter und Sensoren zu Elektroschrott.
  • Apple musste vor fünf Jahren in Frankreich eine Strafe von 25 Millionen Euro zahlen, weil es ältere iPhone-Modelle durch Updates heimlich gedrosselt hatte.
  • Auch Drucker, die nur mit Originaltinte laufen, fallen in diese Kategorie. Die Liste könnte noch lange fortgesetzt werden. 

Geplante Obsoleszenz 

Viele Hersteller bauen auch bewusst Sollbruchstellen ein, um Kunden zu neuen Produktgenerationen zu drängen. Die Idee hinter der sogenannten geplanten Obsoleszenz ist über hundert Jahre alt. Erstmals beschlossen im Jänner 1925 führende Glühbirnenhersteller, die Lebensdauer ihrer Leuchtmittel mit baulichen Tricks und minderwertigen Materialien auf 1.000 Betriebsstunden zu beschränken, wie in einem geschichtlichen Abriss der vom VKI herausgegebenen Zeitschrift Konsument nachgelesen werden kann. 

Das Auslaufen von Diensten ist eine Spielart davon. Konsumentenschützer sprechen von Software- oder Funktions-Obsoleszenz und fordern seit Längerem strengere gesetzliche Regeln.   

EU-Richtlinie vor Umsetzung

Eine davon ist die EU-Richtlinie zur "Stärkung der Verbraucher:innen für den ökologischen Wandel", kurz "EmpCo-Richtlinie". Sie muss in Österreich noch heuer umgesetzt werden und sieht unter anderem vor, dass Kunden vor dem Kauf verpflichtend darüber informiert werden müssen, wie lange kostenfreie Software-Aktualisierungen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden. Der Gesetzesentwurf wird derzeit in der Koalition abgestimmt, teilt das Wirtschaftsministerium mit. Es setzt die Richtlinie gemeinsam mit dem Justizministerium in österreichisches Recht um.

Das Problem werde durch die Richtlinie nicht komplett gelöst, sagt Miriam Forster, Rechtsexpertin der AK Wien, zum KURIER. Denn dazu braucht es eine Pflicht zu Updates über einen ausreichend langen Zeitraum.

Für Smartphone und Tablets sieht seit dem vergangenen Jahr die Ökodesign-Verordnung der EU  verpflichtende Updates für fünf Jahre vor. Für vernetzte Lautsprecher gibt es eine solche Vorgabe (noch) nicht. AK-Rechtsexpertin Forster hält fünf Jahre aber für zu kurz. Das deutsche Umweltbundesamt empfiehlt etwa einen Mindestzeitraum von zehn Jahren für sicherheitsrelevante Updates und Dienstleistungen zur Aufrechterhaltung der Funktionen. 

Käuferinnen und Käufer der Soundtouch-Geräte von Bose hätten aber auch davon wenig gehabt. Viele ihrer Geräte sind älter als zehn Jahre. Ihnen bleibt jetzt nur noch ihren Unmut zu äußern. "Ich werde mir wahrscheinlich keine Bose-Geräte mehr kaufen", schreibt ein anderer Nutzer in dem Reddit-Forum. 

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