© EPA/DANIEL KOPATSCH

Bosch
05/13/2021

„Verbrenner zu stoppen, wäre ein Fehler“

Helmut Weinwurm hält E-Motoren nicht für die alleinige Zukunft. Er wünscht sich von der Politik Technologieoffenheit. Auch, weil Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

von Robert Kleedorfer

Die deutsche Regierung hat am Mittwoch auf Druck des Verfassungsgerichts und angesichts neuer EU-Vorgaben schärfere Klimaziele beschlossen. Sie sehen bis 2030 eine Kürzung des Treibhausgas-Ausstoßes um mindestens 65 statt bisher 55 Prozent im Vergleich zu 1990 vor. Außerdem muss Deutschland schon 2045 statt 2050 klimaneutral sein, also de facto überhaupt kein Co2 mehr verursachen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte schon im Vorfeld scharfe Kritik an dem nationalen Alleingang und den möglichen Folgen für die Wirtschaft geübt. Ein gewichtiges Mitglied im VDA ist Bosch. Österreich-Chef Helmut Weinwurm sieht das im KURIER-Gespräch ähnlich. „Es wäre ein Fehler, Verbrenner zu stoppen. Man muss sich alle Wege offenhalten.“

Verbote seien der falsche Weg. „Es ist wichtig, dass in alle Richtungen weiter entwickelt wird, weil wir heute noch nicht wissen, was die beste Lösung im Jahr 2050 ist“, so Weinwurm. „Dieselmotoren sind mittlerweile sehr sauber, man darf die Technologie nicht schlecht reden.“ Wichtiger wären alternative Treibstoffe wie etwa regenerative E-Fuels. „Das ist -neutral.“

Die Technologie der Zukunft könnte aber auch Wasserstoff, Ethanol oder die Brennstoffzelle sein. In die Elektromobilität habe Bosch in den vergangenen zehn Jahren fünf Mrd. Euro investiert.

Große Herausforderungen

E-Mobilität alleine sei jedenfalls nicht die Lösung, so Weinwurm. Zu groß seien noch die Herausforderungen hinsichtlich Reichweite, Batterie, Rohstoffe und grünem Strom zum Antrieb. „Atomstrom will niemand.“

Von der Politik wünscht er sich, dass sie den technologieoffenen Ansatz unterstützt. „Wir brauchen Zeit, den Wandel zu gestalten. Das kann nicht disruptiv über Verbote funktionieren.“ Ohne ehrgeizige Klimaziele werde es nicht gehen, gibt er zu, aber es müsse machbar bleiben.

Weniger Teile

Zudem gehe es auch um Arbeitsplätze. Für einen Elektromotor etwa benötigt Bosch 10 Mal weniger Mitarbeiter als für einen Dieselantrieb (für Benzin drei), da in E-Motoren sowohl die Komplexität als auch die Anzahl der verbauten Teile wesentlich geringer ist.

Am Ende des Tages sollte aus Weinwurms Sicht ohnehin der Konsument entscheiden können, welche Technologie er möchte. „Jeder hat andere Bedürfnisse und ein anderes Budget.“

Offen für alles

Für Bosch selbst sind alle Richtungen offen. „Wir können alle bedienen, wir haben auch bei elektrifizierten Antrieben eine gute Marktposition.“ In Österreich etwa finde sehr viel Entwicklungsarbeit dazu (und zu Wasserstoff) statt. An den Standorten Wien und Pasching etwa würden sogar bereits Zubehörteile für Wasserstofftankstellen entwickelt und gebaut, und in Bischofshofen der erste Kessel gefertigt, der mit 100 Prozent Wasserstoff laufen wird.

In Wien wiederum ist es gelungen, ein Entwicklungsprojekt im Bereich Cross Domain Computing anzusiedeln. Konkret gehe es darum, bestehenden und neuen Kunden künftig Fahrzeugelektronik und Software aus einer Hand zu bieten, da die Komplexität im Innenleben moderner Fahrzeuge stark zunimmt. Hier ist auch weiteres Wachstum am Standort geplant.

Heizverbote

Weinwurm, der im Vorjahr zum Alleinvorstand in Österreich wurde, ist weiterhin Leiter der Bosch Thermotechnik Österreich. Auch dieser Bereich ist von den verschärften Umweltauflagen betroffen. „Das Verbot von Ölheizungen trifft uns. Da sind wir Marktführer.“ Aber auch hier relativiert Weinwurm. „Bis auf Biomasse haben wir bezüglich Heizen alles im Programm.“

Und ebenso spricht er sich in diesem Bereich gegen weitere Verbote aus. „Ein Verbot von Gasheizungen ist nicht richtig und wird auch kurzfristig nicht funktionieren.“ Die richtige Frage sei, wie Thermen künftig betrieben werden – aus seiner Sicht mit grünem Gas oder Wasserstoff. Der Einbau von Wärmepumpen im Stadtgebiet Wien ist technisch schwer realisierbar. Und Fernwärme sei auch nicht für alle Haushalte möglich. „Und sie wird auch teilweise mit fossilem Gas betrieben“, hält Weinwurm fest.

Umsatz
Im Geschäftsjahr 2020 gab es einen Umsatzrückgang von 12 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro. Die ersten drei Monate 2021 verliefen laut Bosch-Chef Helmut Weinwurm gut

Mitarbeiter
2.940 Vollzeitäquivalente waren hierzulande für Bosch tätig. Im Jahr zuvor waren es 3.064. Die Reduktion erfolgte laut  Weinwurm großteils über natürliche Abgänge

Kurzarbeit
Für rund die Hälfte der Mitarbeiter wurde die Corona-Kurzarbeit in Anspruch genommen, „um die Leute an Bord zu halten“, so Weinwurm. Die Kurzarbeit lief erst im Februar aus, da sie in der Produktion erst ab August begonnen hatte

 

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