Wirtschaft
20.03.2018

Börsenkurse werden erst 2019 müde

Trotz langer Aufwärtsphase: Vieles spricht dafür, dass ein zehntes Gewinnjahr in Folge gelingen kann.

Können Sie sich noch an den 9. März 2009 erinnern? Damals, mitten in der Wirtschaftskrise, beendeten die Börsen ihre rasante Talfahrt und starteten eine Gewinnserie von nahezu "epischem Ausmaß", wie es Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International (RBI), beschreibt. Im heurigen März begann das bereits zehnte Jahr des Börsenaufschwungs. Eine längere Aufwärtsperiode hat es in den vergangenen Jahrzehnten erst einmal gegeben: In den Jahren 1990 bis 2000, bis die Dot.com-Blase platzte.

Sind weitere Kursgewinne überhaupt noch möglich? "Ja", sagt Brezinschek. Er hat einige Argumente dafür, dass auch heuer ein positives Börsenjahr wird:

Konjunktur

Praktisch in allen entwickelten Volkswirtschaften wird ein breiter Aufschwung registriert.

Gewinne

Die Unternehmen sehen optimistisch in die Zukunft, forcieren ihre Investitionen und können ihre Gewinne weiter steigern.

Fiskal- und Geldpolitik

Auch Staaten investieren, etwa in die Infrastruktur – aktuelle Pläne gibt es etwa in Deutschland und den USA. Von der Zinspolitik der großen Notenbanken kommt kein Gegenwind für die Konjunktur.

Statistik

Ein Blick auf Börsenentwicklung seit den 1950er-Jahren zeigt: Der US-Index S&P 500 hat durchschnittlich sieben Monate, bevor die US-Konjunktur in eine Rezession rutschte, einen Hochstand erreicht. Von Rezession ist aber weit und breit keine Spur, sagt Brezinschek. Erstmals im Jahr 2020 könnte die Wirtschaft schwächeln. Sprich: Bis mindestens Ende des Jahres spreche nichts gegen weiter steigende Kurse. "Der Jahreswechsel könnte eine Zäsur sein", so Brezinschek.

Es gibt aber auch etliche Risiken, die dieses optimistische Bild stören könnten: Die Protektionismus-Keule, die US-Präsident Trump schwingt, hält der RBI-Analyst dabei am gefährlichsten. Sie könnte sich negativ auf die Investitionslust der Unternehmen auswirken und damit die Wirtschaft einbremsen. Gefährlich auch: Wenn die US-Zinsen stärker steigen als bisher angenommen. Mit Spannung wird daher auch erwartet, wie der neue US-Notenbankchef Jerome Powell bei seiner ersten Zinssitzung morgen, Mittwoch, auftreten wird. Bei Störfeuern sind Kursrücksetzer um zehn Prozent und mehr jederzeit möglich.

Die Tabelle unten zeigt, dass Anleger, die vor der Krise, also Anfang 2008, in Aktien investiert haben, auf maue Erträge zurückblicken. Wer im Jahr darauf Geld in Aktien steckte, kann durchaus zufrieden sein. "Den richtigen Zeitpunkt erwischt man ohnehin nicht exakt", meint Brezinschek. Er rät daher zu einem regelmäßigen Ansparplan. Langfristig sollten Aktien, wie auch in der Vergangenheit, um die sieben Prozent Ertrag pro Jahr abwerfen können.