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Rekordrallye an den Börsen: ATX durchbricht Schallmauer von 6.000 Punkten

Gründe sind Fortschritte in den Gesprächen mit dem Iran und Besonderheitem des Wiener Marktes: Osteuropa, hohe Dividenden, niedrige Bewertungen.
Ein Mann betritt die Wiener Börse.

Eine Einigung über ein Ende des Kriegs mit dem Iran ist nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump in den kommenden Tagen möglich. Laut seinen Aussagen ist Teheran mittlerweile bereit, auf sein Atomprogramm zu verzichten. Ob das stimmt, bleibt offen.

Den Anlegern ist das scheinbar egal, die Kurse an den Börsen kennen derzeit oft nur eine Richtung. Schon am Mittwoch hatten Hoffnungen auf eine herannahende Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran für eine sehr gute Stimmung an den Finanzmärkten gesorgt.

Am Donnerstag war es dann auch in Wien soweit: Der Leitindex ATX übersprang schon relativ bald nach Handelsstart die magische Grenze von 6.000 Punkten. Unter den größten Kursgewinnern fand sich zunächst einmal mehr der steirische Leitenplattenhersteller AT&S, dessen Aktie seit Jahresbeginn bereits 215 Prozent zugelegt hat oder die Raiffeisen Bank International (RBI). Im weiteren Tagesverlauf drehten AT&S allerdings ins Minus - wahrscheinlich wegen Gewinnmitnahmen.

Weil mit der Rekord-Rallye an den Börsen auch ein Rückgang der Ölpreise einher geht, standen im Handelsverlauf auch die Aktien von Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO) sowie OMV auf der Verliererseite im ATX.

Nicht von langer Dauer

Auch das insgesamte Kursplus im ATX schmolz dahin. Aus dem Handel verabschiedete sich der ATX letztlich mit minus 0,44 Prozent bei 5.941,42 Einheiten.

Für den ATX spricht aus Sicht von Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, die höhere Dividendenrendite der heimischen Titel, die nach wie vor relativ günstige Bewertung der Wiener Aktien etwa im Vergleich zum Frankfurter DAX und vor allem die Nähe zu Osteuropa. Mostböck sagte zum KURIER: "Diese Region ist der Wachstumsmotor der EU mit einem riesigen Aufholpotenzial von den Löhnen bis zur Infrastruktur. Wien profitiert davon überproportional."

Mostböck verweist auch auf den Umstand, dass der ATX inklusive der ausgezahlten Dividenden (ATX Total Return) besonders attraktiv gestiegen sei, und zwar um 14 Prozent seit Jahresbeginn. 

Der ATX Total Return schlug vor fünf Jahren sein damaliges Allzeithoch und stellt seit Jahren neue Rekorde auf. Darauf verweist auch Börsenchef Christoph Boschan: "Der österreichische Aktienmarkt schreibt inklusive Dividenden seit Jahren neue Rekordstände. Wer nur auf die Kursentwicklung schaut, greift zu kurz.  Gerade in Österreich machen Dividenden einen großen Teil vom Rendite-Kuchen aus."

Wie es weiter geht, ist offen und dürfte stark von der Stimung an den US-Börsen beeinflusst werden. Zunächst ging es ja auch an den europäischen Leitbörsen  am Donnerstag mit den Aktienkursen mehrheitlich nach oben, bevor beispielsweise auch der DAX ins Minus drehte.

Karin Kunrath, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management, sagt, dass es ungeachtet der geopolitischen Entwicklungen rund um die Iran-Krise branchenseitig einen klaren Gewinner gibt, nämlich den Technologiesektor. Kunrath sagt: "Die globale Begeisterung für Künstliche Intelligenz ist auch im ATX angekommen und trägt dort einen Namen: AT&S. Der Hersteller von High-End-Leiterplatten und IC-Substraten legte über 200 Prozent zu und stellte damit alle anderen Unternehmen in den Schatten."

Der Nahost-Konflikt bleibt laut Helaba-Analysten weiterhin das dominierende Thema an den Finanzmärkten. 

Auch Finanzmarktexpertin Monika Rosen sagte zum KURIER: "Die Hoffnung auf Frieden im Iran hat den Brent Preis unter 100 Dollar gedrückt,  damit tritt eine gewisse Entspannung bei den Anleiherenditen ein. Das wiederum beflügelt die Aktienmärkte,  die auch von den sehr guten Quartal-Ergebnissen in den USA profitieren. Das Gewinn-Wachstum im S&P 500 ist auf dem höchsten Stand seit 4 Jahren."

Für die Expertin bleibt als zentrale Frage, ob und wann die Straße von Hormus für den globalen Ölhandel geöffnet wird. Rosen: "Der Druck,  zu einem Abschluss zu kommen,  steigt auch auf Grund der Tatsache,  dass Trump nächste Woche zu Xi nach Peking reisen soll."

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