Birgit Kuras: Hat Änderung bei Wertpapiersteuer auf Wunschzettel.

© /Wiener Börse/Joachim Haslinger

Kapitalmarkt
12/18/2014

Börse-Chefin Kuras: "Aktien sind per se nichts Böses"

Börse-Vorstand Birgit Kuras wünscht sich mehr politische Unterstützung, zumindest rhetorisch.

von Christine Klafl

Österreichs Unternehmen brauchen Eigenkapital, der Kapitalmarkt ist wichtig und notwendig, sagt Birgit Kuras, eine der beiden Vorstände der Wiener Börse. Sie fordert Politiker dazu auf, ebenfalls zur Börse zu stehen und sich zum Kapitalmarkt zu bekennen. Heuer haben sich Unternehmen bereits mehr als vier Milliarden Euro über Kapitalerhöhungen besorgt – mehr als die vergangenen vier Jahre zusammen.

KURIER: Der Russland-Konflikt hält die Börsen in Atem, vor allem aber den Wiener Aktienmarkt. Warum kommt der Wiener Leitindex bei solchen Krisen immer so arg unter die Räder?

Birgit Kuras: Die Wiener Börse wird von Investoren oft als Ostspiel gesehen. Dabei wird immer wieder übertrieben, sowohl nach oben als auch, so wie jetzt, nach unten. Fakt ist, dass Russland und die Ukraine massive Probleme haben. Anderen Kernländern im Osten, wo viele heimische Unternehmen unterwegs sind, geht es ja gut.

Trotzdem haben aber einige Titel heuer massiv an Wert verloren ...

Das ist den geopolitischen Krisen und dem Ölpreisverfall zuzuschreiben. Das hat Titel wie RBI, OMV oder SBO getroffen. Ich glaube aber, dass da viele Ängste hineingepackt wurde. Es hat auch etliche Gewinner gegeben, wir haben ein paar sehr gute Äpfel im ATX-Korb. Seit Jahresbeginn hat Zumtobel am meisten dazugewonnen.

Abgesehen vom ATX, wie ist es der Börse heuer ergangen?

Ich sage das mit großer Demut: sehr gut. Über einen Börsengang (den Neuzugang FACC, Anm.) und über Kapitalerhöhungen haben Unternehmen über die Börse heuer mehr als vier Milliarden Euro an Eigenkapital aufgenommen. Das war besser als die vergangenen vier Jahre zusammen. Und bei Unternehmensanleihen gibt es heuer ein historisches Hoch mit einem Volumen von 7,2 Milliarden Euro. Bei den Handelsumsätzen liegen wir um 22 Prozent über jenen des Vorjahres.

Bei Unternehmensanleihen sagen Experten immer wieder, dass sie der Türöffner Richtung Börsengang sind. Werden bald viele Börsepremieren folgen?

Im Normalfall gehen Firmen an die Börse, wenn sie Wachstum finanzieren wollen. Das mach’ ich dann, wenn ich sicher bin, dass es mit der Konjunktur aufwärts geht. Was den Konjunkturdurchbruch betrifft, sind die Unternehmen aber extrem vorsichtig. Das sieht man an den schwachen Investitionen. Aufgrund der tiefen Zinsen wird es aber weiterhin viele Corporate Bonds geben. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit werden einige Kapitalerhöhungen kommen.

Wird durch die tiefen Zinsen Fremdkapital wieder wichtiger?

Nein, Eigenkapital wird immer wichtiger. Vor allem auch mit Blick auf die strengeren Kapitalvorschriften für Banken durch Basel III. Tiefe Zinsen allein machen es nicht aus, das sieht man ja bei den schwachen Unternehmensinvestitionen.

Mit welchen Argumenten können Sie Unternehmen an die Wiener Börse locken?

Besser ein großer Fisch in einem kleinen Teich als ein kleiner Fisch in einem großen Teich. Im S-DAX (der Frankfurter Index für kleinere Unternehmen, Anm.) wäre ich als österreichisches Unternehmen der 37. Zwerg von links. Internationale Investoren habe ich auch an der Wiener Börse. Wir als Börse sind natürlich selbst im Wettbewerb mit anderen Börseplätzen. Das hat man heuer bei der FACC gesehen. Da wurden auch andere Börseplätze in Nordamerika, Europa und Asien in Betracht gezogen.

Woher kommen die Investoren, die Wiener Aktien kaufen?

Die Amerikaner sind nach wie vor die größte Investorengruppe. Aber die Torte wird immer bunter, zum Beispiel durch Großanleger aus Polen oder aus Australien.

Wodurch könnte auch die Palette an notierten Unternehmen bunter werden?

Natürlich durch Privatisierungen, aber auch durch Börsengänge privater Unternehmen. Selbstlob stinkt immer, aber ich muss schon sagen, dass wir da viel machen. Etwa durch unsere IPO-Workshops, da ist großes Interesse da. Da können wir auch mit vielen Unklarheiten aufräumen. Wenn Firmen glauben, an der Wiener Börse nur an österreichische Investoren zu kommen, stimmt das einfach nicht.

Was erhoffen Sie sich vom neuen Finanzminister Hans Jörg Schelling?

Ich glaube, dass ihm Unternehmen und der Kapitalmarkt ein Anliegen sind. Natürlich haben wir eine Änderung der Steuer auf Kurserträge von Wertpapieren auf dem Wunschzettel. Wir schlagen eine Haltedauer von zehn Jahren vor, innerhalb der die Steuer anfällt. Danach sollten erzielte Gewinne steuerfrei sein.

Womit sollte die Politik den Kapitalmarkt unterstützen?

Wirklich, wirklich wünschenswert wäre es, wenn Politiker sagen: Unsere Unternehmen brauchen Eigenkapital-Finanzierung, der Kapitalmarkt ist notwendig. Aktien sind per se nichts Böses. Der Kapitalmarkt ist ja nicht der Schuhschrank von Paris Hilton – nett anzuschauen, aber nicht notwendig. Der Kapitalmarkt ist notwendig. Ganz wesentlich ist die rhetorische Unterstützung durch die Politik. Die müssen sagen: Wir stehen hinter diesem Kapitalmarkt, wir brauchen ihn.

In Österreich wird jetzt viel über Vermögenssteuern und Millionärsabgaben diskutiert. Wie wird das von internationalen Investoren gesehen?

Die schauen sich natürlich ganz genau an, welches Land kapitalmarktfreundliche Maßnahmen setzt. So wie Jim Rogers, der die Wiener Börse wachgeküsst hat. Der hat sich auch nicht jedes einzelne Unternehmen angeschaut, sondern reagiert, weil Vermögenssteuern abgeschafft (von SP-Finanzminister Lacina, Anm.) und junge Aktien gefördert wurden.

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