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Wirtschaft
04/15/2019

Ausgetrunken: Bittere Pleite einer Cocktail-Bar

Vorfälle mit 35 Asylwerbern auf dem Betriebsgelände sollen zu deutlichen Umsatzrückgängen geführt haben, wird behauptet.

„Eine Bar mit kubanischem Flair und einem gut sortierten Rum-, Vodka- und Whiskyangebot. Havana's ist auch für geschlossene Gesellschaften zu mieten“, beschreibt der Gastrounternehmer Markus Wunder seinen Betrieb. Dazu kam noch die mobile Eventbar, also „eine fahrbare Bar speziell für Firmenevents, Geburtstagsfeiern, Familienfeste etc.“

Alles begann im Jahre 2010, damals eröffnete der Gastronom Markus Wunder „den ersten Teil des Gastrobetriebes, nämlich das „s'Wunders“. Es waren entsprechende Investitionen erforderlich.

„Im Mai 2016 wurde der weitere Teilbetrieb 'Havanas' eröffnet, was wiederum Investitionen erforderte“, heißt es weiter. „Als die Heizperiode im Oktober 2016 begann, funktionierte die Heizung im Havanas nicht und kam es zu einem fünfmonatigen Stillstand“, wird weiter behauptet. „Genau zu dieser Zeit zogen am Betriebsgelände 35 Asylanten ein, was durch verschiedene Vorfälle zu deutlichen Umsatzrückgängen geführt hat.“

Bank spielte nicht mit

Der Gastronom mit Sitz in Enns, Oberösterreich, soll dann „durch diverse Maßnahmen versucht haben, wiedurch spezielle Angebote wie Outdoor-Veranstaltungen und Cocktail-Catering, die Umsätze entsprechend zu steigern, um damit neben den laufenden Kosten die Rückzahlungen samt Zinsendienst aus den Bankverbindlichkeiten nachhaltig bedienen zu können“. Doch die Gespräche mit der Bank verliefen im Sand, eine Anpassung der Zahlungsvereinbarung konnte nicht erreicht werden.

Letztendlich war Wunder laut den Gläubigerschutzverbänden KSV1870 und Creditreform nicht mehr in der Lage, die fälligen Verbindlichkeiten zu bedienen. Der Betrieb ist pleite. Zuletzt wurden vier Mitarbeiter beschäftigt.

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten werden mit 162.000 Euro beziffert, davon sind 143.000 Euro unbesichert. Das freie Vermögen beträgt 20.000 Euro.

 

Die Zukunft

„Die angebotene Sanierungsplanquote in Höhe von 20 Prozent wird aus dem freien Masseguthaben, dem Fortbetrieb des Unternehmens in den nächsten zwei Jahren erwirtschaftet werden“, teilt der renommierten Firmenanwalt und Sanierungsexperte Wilhelm Deutschmann dem Gericht mit. „Aus Sicht des Betriebes ist die Geschäftslage gut, sodass die Quote erwirtschaftet werden kann. Dass zeigt auch die aktuell erstellte Fortführungsplanung der nächsten sechs Monate. Hinzu kommen noch weitere nicht berücksichtigte Einnahmen des Antragstellers aus Verwaltungstätigkeiten.“

Für Markus Wunder scheint laut Firmenbuchgericht früher auch die Markus Wunder KG in Enns auf. Die Firma wurde 1994 gegründet und im Juli 2016 gelöscht. Die Gastro-KG dürfte aber von seinem Vater betrieben worden sein. Laut Firmencompass soll die Markus Wunder KG Gewerbeberechtigungen für neun Standorte in Enns, Asten, St. Florian und Kronsdorf gehabt haben. Markus Wunder scheint als gewerberechtlicher Geschäftsführer auf.