Öko-Messe: Warum die Bio-Branche immer internationaler wird

Beim weltweit größten Bio-Branchentreffen setzen heimische Hersteller auf neue Produkte, Export und Regionalität. Nachfrage und Preise steigen, trotzdem hörten in den vergangenen Jahren viele Bio-Bauern auf.
Ama Marketing Stand Biofach 2026

„Unsere Stimmung ist gut“, sagt Bio-Austria-Obfrau Barbara Riegler bei einem Besuch an ihrem Stand auf der „Biofach“-Messe. Daran würden auch der Regen in Nürnberg und der streikbedingte Ausfall des Nahverkehrs in der Stadt nichts ändern. 

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt. „Das Segment wächst aktuell in vielen Ländern“, so Riegler. Von Vietnam über Madagaskar bis Mexiko – Aussteller aus 94 Ländern werben mit ausgefallenen Innovationen um die Aufmerksamkeit des Fachpublikums.

Ein Frau steht lächelnd an einem Messe-Stand mit einem leuchtenden Schild im Hintergrund mit der Aufschrift "Bio Austria".

Barbara Riegler, Obfrau von Bio Austria

Oster-Tee, Eiergewürz und glutenfreier Haferbrei

Auch die rund 70 österreichischen Aussteller präsentieren hier ihre neuen Produkte. Sonnentor-Chef Johannes Gutmann geht mit einer Oster-Kollektion bestehend aus saisonalen Tees und Eier-Gewürzen an den Start. Die Messe ist für ihn seit 36 Jahren ein „Fixtermin“. „60 Prozent des Umsatzes habe ich hier auf der 'Biofach' aufgebaut.“ Vor allem das Exportgeschäft werde auf der Messe angetrieben. Mittlerweile macht Sonnentor 65 Prozent im Ausland.

Auch der Tiroler Müsli-Hersteller Verival verdient nur noch einen kleinen Teil des Umsatzes in Österreich. International setzt Geschäftsführer Wolfgang Foitl auf glutenfreien Haferbrei – oder Porridge, wie das Trendfrühstück heute genannt wird. „Wir exportieren in mehr als 35 Länder von Osteuropa über Jordanien bis nach Südkorea.“ 

In den vergangenen Jahren habe die gesamte Bio-Branche unter gestiegenen Produktionskosten gelitten. „Wir konnten die Kostensteigerungen von rund 25 Prozent in den letzten drei Jahren nicht weitergeben.“

Ein Mann sitzt an einem Tisch und hält eine Packung Protein-Porridge vor einer Wand mit Frühstücksprodukten von Verival.

Verival-Chef Wolfgang Fojtl

Hohe Preise bremsen das weitere Bio-Wachstum

Ein Problem, das auch Peter Stallberger, Geschäftsführer von Goodmills Österreich, beschäftigt. Sein Unternehmen, zu dem etwa die Mehlmarke „Finis Feinstes“ gehört, stellt bereits seit 30 Jahren Bio-Produkte her. Deren Anteil am Umsatz sei seither kontinuierlich gewachsen. „Die Kurve wird jetzt aber flacher. Die Inflationsdiskussion ist für den Biomarkt eine Bremse.“ 

Stallberger beschäftigen auch die starken Handelseigenmarken. „Ein Bio-Mehl einer Eigenmarke kostet heute weniger als ein konventionelles Markenmehl. Die Dachmarken der Supermarktketten haben ganz andere Möglichkeiten bei den Preisen und im Marketing.“

Auf seinem Stand präsentiert der Goodmills-Chef neue Produkte, mit denen er dagegenhalten will – und setzt dabei auf Convenience (auf Deutsch: Bequemlichkeit). Neben glutenfreien Backmischungen finden sich etwa Mehle mit nur einem einzigen Verwendungszweck. „Wir erklären seit Jahrzehnten den Unterschied zwischen glattem und griffigem Mehl. Mittlerweile haben wir ein eigenes Pizzamehl oder auch ein Spätzlemehl.“ Beides werde gut nachgefragt.

Österreichischen Äpfel sollen Exportschlager werden

Weniger innovativ gestalten sich die Produkte am Stand von Hannes Schaffler unter dem Dach der AMA-Marketing. Er ist Geschäftsführer des Obstbauern-Zusammenschlusses Obst.Partner und „will hier den klassischen österreichischen Apfel präsentieren“. Dabei will er vor allem den Export ankurbeln. 

Schon jetzt wird die Hälfte der 20.000 Tonnen Bio-Äpfel, die Obst.Partner produziert, ins Ausland verkauft, vor allem nach Deutschland. Trotz des hohen Exportanteils sei Österreich vollständig mit heimischen Bio-Äpfeln versorgt. Auch mit der Nachfrage sei Schaffler „sehr zufrieden“.

Doch nicht in allen Bereichen sieht es mit der Versorgung so rosig aus. Seit 2022 haben rund 1.000 Bauern mit der Bio-Landwirtschaft aufgehört. 2025 hätten sich die Ausstiegszahlen zwar stabilisiert. Trotzdem werde die Verfügbarkeit von Rohstoffen wie Eiern, Rind- oder Schweinefleisch häufig zum Problem.

Ein Mann in Tracht hält einen Apfel und steht hinter einer Kiste mit roten Äpfeln an einem Holzstand.

Hannes Schaffler, Chef von Obst.Partner

Lücken in der heimischen Landwirtschaft werden durch Importe gefüllt 

„Wir brauchen mehr, als wir in Österreich zur Verfügung haben“, so Riegler. Die heimische Landwirtschaft würde dadurch nicht nur Marktchancen verpassen. Lücken müssten zudem durch Importware gefüllt werden. 

Obwohl mehr Flächen benötigt werden, wird konventionellen Bauern der Umstieg zur Öko-Landwirtschaft erschwert, beklagt die Bio-Austria-Obfrau. Seit Ende 2024 können diese nämlich nicht neu in die Bio-Maßnahme des Österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) einsteigen, das umweltschonende Bewirtschaftung finanziell unterstützt.

Redaktioneller Hinweis: Die Einladung zur Pressereise nach Nürnberg erfolgte auf Einladung der AMA-Marketing und von Bio Austria.

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