Bio-Lebensmittel: Nachfrage steigt, doch das Angebot wird knapp
Zusammenfassung
- Bio-Lebensmittel erreichen 2025 in Österreich mit fast 12 Prozent Marktanteil und steigenden Ausgaben einen Höchststand.
- Trotz wachsender Nachfrage ist das Angebot rückläufig, da in drei Jahren rund 1.000 Bauern aus der Bio-Landwirtschaft ausgestiegen sind.
- Der Umstieg auf Bio wird für konventionelle Landwirte erschwert, da neue Betriebe seit Ende 2024 keine finanzielle Förderung mehr erhalten.
Aus Nürnberg
Während bei Lebensmitteln in den vergangenen Monaten hauptsächlich über den Preis diskutiert wurde, setzten auch die meist höherpreisigen Bio-Lebensmittel ihren Wachstumskurs fort. Der Marktanteil in den heimischen Supermärkten lag 2025 bei fast 12 Prozent und damit so hoch wie nie zuvor. "Bio ist im Alltag der Österreicher angekommen", freut sich AMA-Marketing-Chefin Christina Mutenthaler-Sipek bei einer Pressekonferenz auf der „Biofach“-Messe in Nürnberg.
Die Ausgaben für Bio-Produkte sind 2025 gestiegen
Knapp 360 Euro gab jeder Haushalt durchschnittlich im Jahr 2025 für Bio-Produkte aus, so die Zahlen der RollAMA-Analyse der AMA-Marketing. 2024 waren es noch 17 Euro weniger. Die verkaufte Menge stieg um 2,3 Prozent. Der Wert legte im Vergleich zum Vorjahr aufgrund von Preissteigerungen sogar um 6,5 Prozent zu.
Zuwächse gab es bei fast allen untersuchten Produktgruppen. Bei Mehl war das Plus mit vier Prozentpunkten besonders hoch. Rückläufig war der Bioanteil etwa bei Gebäck, Puten- und Schweinefleisch. Vor allem Letzteres sei "sehr preissensibel", erklärt Mutenthaler-Sipek das Minus von fast einem Prozentpunkt. Hier würden sich Bio-Artikel wegen des höheren Preises schwerer tun.
Insgesamt scheint Bio ein urbanes Thema zu sein. In größeren Städten wird laut Analyse mehr Bio gekauft als in ländlichen Regionen. Die meisten Kunden greifen wegen dem geringeren Einsatz von Chemie und Pestiziden zu Bio-Lebensmitteln. Auch artgerechte Tierhaltung und regionale Herkunft sind Kaufmotive.
In drei Jahren sind 1.000 Bauern aus Bio ausgestiegen
Während die Nachfrage steigt, sieht es auf der Angebotsseite ganz anders aus. So hätten innerhalb von drei Jahren rund 1.000 Bauern mit der Bio-Landwirtschaft aufgehört. 2025 hätten sich die Ausstiegszahlen langsam wieder stabilisiert. Trotzdem werde das Angebot knapper.
"Wir brauchen viel mehr als wir in Österreich zur Verfügung haben", sagt Barbara Riegler, Obfrau von Bio Austria. Die heimische Landwirtschaft würde Gefahr laufen, Marktchancen zu verpassen. Außerdem könnten Lücken entstehen, die dann durch Importware gefüllt werden müssten, warnt Riegler. "Das kann nicht unser Anspruch sein als Bio-Musterschüler."
Denn Österreich ist Öko-Europameister. Der Bio-Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche liegt bei 27 Prozent. Damit ist das Alpenland der einzige EU-Mitgliedsstaat, der bereits jetzt das Unionsziel von mindestens 25 Prozent Bio-Fläche bis zum Jahr 2030 erfüllt.
Umstieg auf Bio-Landwirtschaft wird aktuell nicht finanziell abgegolten
Wegen der steigenden Nachfrage seien mehr Öko-Flächen notwendig, sagt Riegler. Aktuell würde der Umstieg für konventionelle Landwirte aber erschwert. Seit Ende 2024 können diese nämlich nicht neu in die Bio-Maßnahme des Österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) einsteigen.
Dieses Agrarprogramm entschädigt Landwirte finanziell für umweltschonende und nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Flächen. Es steht aktuell nur bestehenden Bio-Betrieben zur Verfügung, die ihre Flächen ausweiten. "Betriebe, die jetzt auf Bio umstellen wollen, stehen vor verschlossenen Türen", sagt Riegler. "Ihre Leistungen werden nicht angemessen honoriert."
Redaktioneller Hinweis: Die Einladung zur Pressereise nach Nürnberg erfolgte auf Einladung der AMA-Marketing und von Bio Austria.
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