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Wirtschaft
12/05/2011

Bewag: Die Rechnungen des Detektivs

Die Ex-Vorstände haben immer mehr Erklärungsbedarf. Nicht nur bei den Aufträgen an Hochegger, auch bei den Honoraren für einen Privatdetektiv.

von Andrea Hodoschek

Der Privatdetektiv Roland G. Young umgibt sich gerne mit der Aura des Geheimnisvollen. So geheim, dass der Mitarbeiter, der im Büro in der Wiener Mahlerstraße das Telefon abhebt, nicht einmal seinen Namen preisgeben will und nur darauf verweist, dass der Herr Young ohnehin nicht mit Medien spricht.

Rätselhaft sind auch die Rechnungen, die jetzt die Sonderprüfer des burgenländischen Energieversorgers Bewag zutage beförderten. Ab 19. Mai 2009 wurden häppchenweise insgesamt 202.460 Euro an Herrn Young überwiesen. Der Großteil davon für "Projektrecherchen in CEE-Ländern" (siehe Faksimile unten). Anfangs wurde noch dokumentiert. So schulte der Young-Subunternehmer Joachim Weichselbaumer als "wirtschaftsphilosophischer Berater" drei Tage lang die Mitarbeiter der kroatischen Bewag-Tochter in Sachen Ethik. Für die weiteren Rechnungen über in Summe 176.355 Euro fanden die Prüfer jedoch weder Vorstandsbeschlüsse noch eine Dokumentation der Leistungen.

Was Herr Young so eifrig in Polen, Tschechien, Kroatien und der Slowakei recherchierte, wissen nur er sowie die beiden geschassten Ex-Vorstände Hans Lukits (SP) und Josef Münzenrieder (VP).

Die Verträge der Bewag-Chefs wurden vom Aufsichtsrat mit Ende 2010 aufgelöst, zunächst einvernehmlich. Als der neue Bewag-Vorstand Anwälte und Wirtschaftsprüfer die Vergangenheit aufarbeiten ließ, schickte der Aufsichtsrat dem Duo die fristlose Entlassung nach. Worauf die beiden Ansprüche von 900.000 Euro einklagten.

Inzwischen werden sie von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigte geführt. Die Firmengruppe von Ex-Lobbyist Peter Hochegger, bekannt von den Skandalen um BUWOG, Telekom & Co., kassierte von der Bewag und ihren Töchtern insgesamt rund 3,6 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines Auftrags über 1,2 Millionen in Ungarn, Verdacht auf Schmiergeldzahlungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Neben den Hochegger-Aufträgen und einem noch zu klärenden Marketing-Vertrag könnten die Rechnungen des "Sicherheitsberaters" vor allem für Lukits ein teures Nachspiel haben. Bis auf eine Faktura wurden alle Rechnungen von Lukits, über den SP-Landeshauptmann Hans Niessl lange seine schützende Hand hielt, alleine zur Überweisung freigegeben. Die letzte Rechnung zeichnete Lukits noch an seinem vorletzten Arbeitstag, am 30. Dezember 2010, ab. Die Frage ist, ob er dazu noch das Pouvoir des Aufsichtsrates hatte.

Lukits will gegenüber dem KURIER nur so viel verraten: "Es gibt Dinge, die kann man aus Vertraulichkeitsgründen in einem Unternehmen nicht dokumentieren. Darum erfolgte auch der Vorstandsbeschluss nur mündlich". Lukits, der sich als politisches Opfer sieht, will vor Gericht "alles aufklären". Er wisse viel mehr, "als ich heute sagen kann. Wenn die Zeit gekommen ist, werde ich reden". Gerüchte in Eisenstadt, er habe wiederholt erklärt, "wenn ich falle, fällt die burgenländische SPÖ und Niessl auch", tut Lukits als "bösartigen Tratsch" ab. Dass er von der Bewag praktisch nahtlos als Vorstandsvorsitzender in Hocheggers Sicon wechselte, hält er heute wenigstens für eine "hinterfragbare Optik".

Herrn Young kennt er "schon seit 20 Jahren, ich habe schließlich ein großes Netzwerk". Das haben Hochegger und der Detektiv auch. Sie spielten beim Dirty Campaigning (offiziell als Masterplan getarnt) des inzwischen ebenfalls geschassten Wiener Flughafenchefs Herbert Kaufmann (SP) und des schon früher gefeuerten Vorstands Kurt Waniek, VP, mit. Neben Lobbying für die Verlängerung der Vorstandsverträge sollte Rakesh Sardana, größter Shop-Betreiber am Airport, als "arglistiger Geschäftsmann" diskreditiert werden - alles auf Kosten der börsenotierten Flughafen AG. Die interne Revision fand, freilich erst nach zweimaligem Anlauf, heuer die entsprechenden Dokumente. Die Airport-Chefs wollten sich offenbar nicht selbst die Finger schmutzig machen und ließen die Sache über eine Anwaltskanzlei laufen. In der Honorar-Note von Lansky, Ganzger & Partner über den Gesamtbetrag von knapp 50.000 Euro ist auch Herr Young aufgelistet, der Sardana samt dessen Familie bespitzelt hatte. Bezahlt wurde über Hochegger.

Zurück zur Bewag: Während Lukits bei Hochegger versorgt ist, wird Münzenrieder wieder in seinen vorherigen Job als Steuerberater zurückkehren. Er hatte seinen Anteil an der Kanzlei während seiner Bewag-Zeit seinem Sohn überschrieben. Allerding erst, nachdem zuvor bekannt geworden war, dass die Kanzlei für die slowakische Bewag-Partnerin Pavkon tätig war. ("Es ging nur um 3000 oder 4000 Euro", Münzenrieder). Er habe als Bewag-Vorstand nie aktiv für die Kanzlei gearbeitet, beteuert er. In der Steuerberatungsgesellschaft wurden ihm aber Gewinnanteile zugeschrieben. Und um nicht seine Befugnis als Steuerberater zu verlieren, durfte und hat er als Bewag-Vorstand eine Zeit lang nebenbei selbstständig Klienten beraten. War wohl eine Art Rückversicherung.

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