Bestechungsverdacht: Krimi um Zusteller der Paketpost
Vor fast eineinhalb Jahren hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK) des Innenministeriums mit brisanten Ermittlungen beauftragt. Es geht um den Verdacht der Bestechlichkeit eines leitenden Postmitarbeiters und den Verdacht der Bestechung gegen vier externe Frächter der Paketpost. Letztere sollen dem Postler mehrere Zehntausend Euro gezahlt haben, um Zustellungstouren zu erhalten. Während sich drei Frächter selbst belasten, bestreiten der Frächter K., der die Gelder als Mittelsmann dem Postler übergeben haben soll, und der Postbeamte die Vorwürfe.
Tatverdacht erhärtet
„Insgesamt hat sich der Tatverdacht gegen sämtliche Beschuldigte erhärtet. Die Äußerungen des Frächters A. (Name geändert), wonach dieser 20.000 Euro an den Frächter K. zur Weiterleitung an den Postmitarbeiter übergeben habe, erscheinen durch die Auswertung der vorgefundenen Daten nunmehr ebenso glaubhaft wie die Übergabe der Cartier-Uhr an den Postmitarbeiter vor einer Kamera am Postgelände“, heißt es im BAK-Ermittlungsakt vom 18. Dezember 2025. „Allerdings besteht aufgrund von widersprüchlichen Angaben des Frächters K. der Verdacht, dass die vom Frächter A. erhaltenen Barmittel nicht an den Postbeamten weitergegeben wurden, sondern einbehalten wurden und der Frächter A. getäuscht wurde.“
Denn der Frächter K., der als Mittelsmann die Paket-Touren vermittelt haben soll, befand sich zum angeblichen Tatzeitraum im Privatkonkurs. „Dass erhebliche Summen an Bargeld geflossen sind, steht aufgrund der vorgefundenen Einzahlungsbestätigungen auf Konten, welche offenbar der Familie des Mittelsmanns K. zuzuordnen sind, fest“, heißt es im Ermittlungsakt weiters.
Anzeige der Post
Alles begann im Mai 2024, als ein externer Paket-Frächter sich über das Hinweisgebersystem an den Postchef wandte, mit der Information, dass er für die Vergabe von Zustelltouren 1,47 Cent pro Paket, sprich ein Prozent des Umsatzes, für einen bestimmten Zeitraum an einen Postmitarbeiter zahlte, heißt es in einer Anzeige der Post bei der WKStA.
Ein weiterer externer Frächter gab an, „an einen Mittelsmann, der als Frächter der Post tätig war, einen Geldbetrag von 80.000 Euro für die Übernahme von elf Touren übergeben zu haben, wobei die Hälfte an den besagten Postmitarbeiter weitergegeben worden seien“.
Vermittlung von Touren bezahlt
„Er habe daraufhin Touren als Frächter erhalten und so für die Post tätig werden können“, heißt es in der Anzeige. Der dritte Frächter, A., gab an, „20.000 Euro an den besagten Mittelsmann K. für die Vermittlung von Touren bezahlt zu haben“, heißt es weiters. Die Touren seien ihm später wieder entzogen worden. In weiterer Folge will er dem besagten Postmitarbeiter eine Cartier-Uhr im Wert von 5.800 Euro übergeben haben.
„Wir haben uns bei einem Post-Lager verabredet. Nach ca. einer halben Stunde habe ich ihm das Geschenk gegeben und mich für seine Hilfe bedankt“, sagte Frächter A. bei den Ermittlern aus. „Es war ein schwarzes Sackerl von Bucherer. Er hat das Sackerl genommen, sich bedankt und ich bin dann weggefahren.“ Danach konnte Frächter A. angeblich seine Touren wieder fahren.
Vorwürfe bestritten
„Die gegen mich vorgebrachten Vorwürfe weise ich entschieden zurück. Ich habe zu keinem Zeitpunkt Zuwendungen welcher Art auch immer angenommen, um Frächter oder sonstige Personen zu bevorteilen“, kontert der Postmitarbeiter bei seiner Beschuldigtenvernehmung. „Ich habe keine Uhr und keine sonstigen Zuwendungen von Frächter A. entgegengenommen.“
Vorwürfe aus Rache?
„Weshalb soll sich der Frächter A. selbst der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung wegen Bestechung aussetzen, wenn die Vorwürfe nicht stimmen?“, fragten die Ermittler den verdächtigen Postmitarbeiter.
„Ich sehe als möglichen Hintergrund den Auftragsverlust. Hintergrund war, dass es Mängelvorwürfe gegen die Firma gegeben hat“, so der Postler. „Ich sehe die gegen mich erhobenen Vorwürfe als Rache für aufgezeigte Qualitätsmängel bzw. für gekündigte Touren.“
„Die Ermittlungen werden fortgesetzt, wobei unter anderem beabsichtigt ist, sämtliche Beschuldigte nochmals zu vernehmen“, heißt es in einem Zwischenbericht der BAK-Ermittler. „Parallel dazu erfolgt weiterhin die Einsicht in die beschlagnahmten Daten.“
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