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Bestechungs-Verdacht
05/30/2013

Bernie Ecclestone: "Nenn mir eine Zahl"

Formel-1-Krimi. Ex-Banker Gribkowsky packte erst nach eigener Verurteilung gegen "Bernie" aus.

von Kid Möchel

Für Bernie Ecclestone, Geschäftsführer des Formel-1-Rennzirkus, könnte es eng werden. Der 82-jährige Brite steht in Deutschland im Verdacht der Bestechung und der schweren Untreue. Er soll den früheren Bayerischen Landesbanker Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar geschmiert haben, damit der das Formel-1-Paket seiner Bank an den Finanzinvestor CVC verscherbelt.

Doch die Anklage ist Ecclestone, der die Vorwürfe bestreitet, noch nicht zugestellt worden. „Herr Ecclestone ist der deutschen Sprache nicht mächtig und man muss die Anklage übersetzen. Das könnte grob geschätzt zwei Wochen dauern“, sagt Hans-Kurt Hertel vom Landgericht München I zum KURIER.

Dass Ecclestones Strafverteidiger Sven Thomas und Norbert Scharf die Anklage zerpflücken werden, liegt nahe. Denn ihr sollen vorwiegend die Aussagen des „Belastungszeugen“ Gribkowsky zugrunde liegen, der das mutmaßliche Schmiergeld via Österreich kassierte. Fakt ist: Der Ex-Banker hat erst nach seiner Verurteilung Ende Juni 2012 wegen Untreue zu achteinhalb Jahren Haft voll gegen „Big Bernie“ ausgepackt. Dem KURIER liegen diese brisanten Einvernahme-Protokolle vor. Demnach hielt Ecclestone von der BayernLB als Miteigentümer der Formel 1 nichts, stritt mit ihnen und wollte sie loswerden.

"Ecclestone sagte, wenn du mir hilfst, werde ich mich um dich kümmern"

„Herr Ecclestone sagte, ich erkläre dir jetzt einmal das Leben der Formel 1. Du kontrollierst nämlich tatsächlich nichts. Du hast keinen Zugang zur Vermarktungsfirma, keinen Zugriff auf Verträge und auf die Mitarbeiter und ohne mich keinen Zugang zum Gebäude“, schilderte Gribkowsky dem Staatsanwalt. Folglich sollte er Ecclestone bei der Suche nach einem Käufer für die Bayern-Anteile unterstützen.

Ecclestone sagte, wenn du mir hilfst, werde ich mich um dich kümmern“, behauptet Gribkowsky. „Ich habe das damals als Job-Angebot aufgefasst, als Berater in die Formel 1 zu wechseln.“ Und der Bayer entwarf einen Beratervertrag. Gribkowsky schwebten 50 bis 75 Millionen Dollar Honorar vor. Als der Deal mit dem Finanzinvestor CVC anstand, fragte der Formel-1-Boss dann Gribkowsky angeblich, ob der Banker beim Deal einen Bonus von der BayernLB einstreifen wird.

„Das habe ich verneint, was Herr Ecclestone mit Fucking Bank kommentiert“, erzählte Gribkowsky. „Er fordert mich auf, ihm eine Zahl zu nennen, woraufhin ich 50 gesagt habe. Für mich war klar, dass 50 Millionen Dollar gemeint waren.“ Schließlich sollen nur 44 Millionen Dollar Beratungshonorar an den Ex-Banker geflossen sein. Gribkowsky: „Auch wenn ich es damals nicht so wahrhaben wollte, war ich mir klar, dass das eine Belohnung für meine unterstützende Mitwirkung auch im Sinne von Herrn Ecclestone beim Verkauf der Bank-Anteile an der Formel 1 war.“ Trotz schriftlicher Anfrage erhielt der KURIER von Ecclestones Strafverteidigern keine Stellungnahme.

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