Bernard Charles „Bernie“ Ecclestone: Der Formel-1-Zampano muss für 26 Prozesstage nach München.

© Reuters/POOL

Prozess
04/22/2014

Bernie Ecclestone droht ein jahrelanger Boxenstopp

Hat er bestochen oder wurde er erpresst? Der Unterschied sind bis zu zehn Jahre Haft. Ab Donnerstag steht der Formel-1-Boss vor Gericht.

von Christine Klafl

Uli Hoeneß kennt das Landgericht München nur zu gut. Dort hat der gefallene Präsident von Bayern München dreieinhalb Jahre Haft ausgefasst. Ab Donnerstag wird der nächste berühmte Sportmanager viel Zeit dort verbringen. Dann beginnt der Prozess gegen Formel-1-Geschäftsführer Bernard Charles "Bernie" Ecclestone. Dem 83-jährigen Briten werden Bestechung und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Im schlimmsten Fall drohen dafür bis zu zehn Jahre Haft. Auf einen Deal mit der Staatsanwaltschaft, um einer Haftstrafe zu entgehen, will sich Ecclestone trotzdem nicht einlassen. "Nein, auf keinen Fall. Ich gehe in diesen Prozess, um meine Unschuld in der Sache zu beweisen, für die ich angeklagt bin", wird er in der britischen Zeitung The Telegraph zitiert.

44 Millionen Dollar

Ecclestone soll in den Jahren 2006 und 2007 den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky mit rund 44 Millionen Dollar bestochen haben, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Der Hintergrund dafür: Die BayernLB wollte damals ihre Anteile an der Formel 1 verkaufen. Gribkowsky war der dafür zuständige Risikovorstand und hatte die Aufgabe, für die Bank so viel Geld wie möglich rauszuschlagen. Ecclestone wiederum soll befürchtet haben, Macht und Einfluss zu verlieren, wenn die Formel-1-Anteile bei einem Käufer landen, der ihm nicht gesonnen ist. Er soll daher Gribkowsky bestochen haben, damit dieser an Ecclestones Wunschkandidaten CVC verkauft. Der Banker sorgte schließlich auch dafür, dass die Formel-1-Anteile für 773 Millionen Dollar bei CVC landeten.

Seinen Richter kennt der kleine Brite, dessen Vermögen auf drei Milliarden Euro geschätzt wird, schon länger. Peter Noll war nämlich jener Richter, der den Banker Gribkowsky im Sommer 2012 wegen Bestechung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt hatte. Ecclestone hatte bei diesem Prozess als Zeuge ausgesagt. Bei der damaligen Urteilsverkündung hatte Noll gesagt, dass Ecclestone den Banker "ins Verbrechen geführt" habe. Eine Formulierung, die nahelegte, dass der Formel-1-Zampano nicht ohne Prozess davonkommen wird.

Dass Geld an Gribkowsky geflossen ist, hat Ecclestone zugegeben. Bestechung sei das aber nicht gewesen, lautet die Verteidigungslinie. Vielmehr sei Ecclestone vom BayernLB-Vorstand erpresst worden. Hätte der Brite nicht gezahlt, hätte ihn Gribkowsky bei der Finanz wegen Steuertricksereien angeschwärzt. Der Banker habe über gar keine Beweise über Ecclestones "Steuersparmodelle" verfügt und ihn daher gar nicht erpressen können, meint dagegen die Münchner Staatsanwaltschaft. Sie will durch Zeugen auch beweisen können, dass Ecclestone sehr wohl gewusst habe, dass Gribkowsky Vorstand einer Landesbank und damit ein Amtsträger war.

26 Prozesstage bis in den September hinein sind für den Prozess angesetzt. Als Angeklagter muss Ecclestone zu jedem Prozesstag nach München kommen. "Natürlich bin ich besorgt", sagte er kürzlich dem TV-Sender Sky Sports F1.

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