Bauherren sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund.

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Imtech-Insolvenz
08/28/2015

Berliner Flughafen: Debakel trifft Linzer Firma

Insolvente Schwester Imtech Deutschland werkt auf der Problem-Baustelle Flughafen Berlin weiter.

von Kid Möchel

Das Milliarden-Bauprojekt „Berliner Hauptflughafen BER“ steckt seit Langem in großen Schwierigkeiten. Anfang August 2015 hat das beauftragte Anlagenbau- und Gebäudetechnik-Unternehmen Imtech Deutschland Insolvenz angemeldet. Tage später musste auch der niederländische Mutterkonzern Royal Imtech seine Zahlungsunfähigkeit eingestehen.

Nun haben die Pleiten auch auf die Enkel- bzw. Tochterfirma Imtech Austria Anlagentechnik GmbH mit Sitz in Linz, Oberösterreich, durchgeschlagen. „Die Firma Imtech Austria hat am Landesgericht Linz die Eröffnung eines Konkursverfahrens beantragt", bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. "Die Höhe der Schulden und des etwaigen Vermögens ist uns derzeit noch nicht bekannt." 22 Mitarbeiter und 69 Gläubiger sind von der Pleite betroffen.

Imtech Austria wurde im Frühjahr 2009 gegründet, gehört laut Firmen-Homepage zu Imtech Deutschland, und unterhält eine Zweigniederlassung in Graz-Puntigam. Auch die Österreich-Tochter beschäftigt sich mit Anlagen-, und Brandschutztechnik, Gebäudeautomation und Gebäudemanagement, sowie Sanitär- und Sicherheitstechnik und Infrastruktur-Bauten.

Vom Geldfluss abgeschnitten

Durch die Pleiten der deutschen Mutter und der niederländischen Großmutterfirma wurde die Österreich-Tochter vom Zufluss finanzieller Mittel abgeschnitten. Die nötigen Zahlungen wurden in der Imtech-Gruppe über ein sogenanntes Cash-Pooling abgewickelt, heißt es im Insolvenzantrag. Die Imtech-Gruppe hat bei der deutschen Commerzbank eine Kredit-Rahmenvereinbarung abgeschlossen, der auch Imtech Austria beigetreten ist, wie es im Juristen-Deutsch heißt.

Haftungen übernommen

Zugleich übernahm die österreichische Firma Haftungen für die Schwester Imtech Deutschland. Mit der Pleite von Imtech Deutschland „war plötzlich die Liquidität der Imtech Austria gefährdet“, heißt es im Konkursantrag. „Die Geschäftsführung hat umgehend Maßnahmen getroffen und die fälligen Außenstände sind auf ein neues Geschäftskonto bei der Raiffeisenbank einbezahlt worden. Damit war die Liquidität wieder gesichert.“

Indes hatte die holländische Imtech I B.V. eine sogenannte harte Patronatserklärung für die Österreich-Tochter abgegeben. Darin verpflichten sich die Niederländer, der Imtech Austria finanzielle Mittel in Höhe von bis zu sieben Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Die Geschäftsführung der Linzer Tochter hat die Holländer aufgefordert, die Patronatserklärung zu erfüllen und die entsprechenden Gelder fließen zu lassen.

Interne Millionen-Forderungen

Am 13. August hat Royal Imtech dann den Linzer mitgeteilt. „dass sie sich nicht auf die Patronatserklärung verlassen sollen“. Etwas später teilten die Niederländer Imtech Austria dann unverblümt mit, „wonach grundsätzlich mit keiner Erfüllung der Patronatserklärung gerechnet werden kann“. Somit musste der Linzer Gebäudetechniker den Weg zum Konkursgericht antreten.

Laut Firmencompass betrug das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstärigkeite (EGT) der Imtech Austria minus 7,62 Millionen Euro, der Jahresverlust 7,44 Millionen Euro. Nur durch Auflösung von Kapitalrücklagen in Höhe von acht Millionen Euro und einem Gewinnvortrag (1,05 Millionen Euro) konnte ein Bilanzgewinn in Höhe von 1,6 Millionen Euro ausgewiesen werden. Die Verbindlichkeiten wurden mit 10,86 Millionen Euro beziffert, davon entfielen 9,25 Millionen Euro auf Forderungen von verbundenen Unternehmen. Diese standen im Geschäftsjahr 2013 hingegen mit 9,93 Millionen Euro bei der Linzer Firma in der Kreide.

Laut dem deutschen NachrichtenmagazinDer Spiegelsetzt die insolvente Imtech Deutschland ihre Arbeit auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens BER aber fort. "Der Flughafen habe mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters eine entsprechende Vereinbarung mit Imtech geschlossen", teilte die Flughafengesellschaft nach einer Sitzung des Projektausschusses im Aufsichtsrat mit.

22.000 Mitarbeiter

Der europaweit tätig Konzern Royal Imtech N.V. hat seinen Sitz in Gouda, Niederlande, und beschäftigt laut eigenen Angaben rund 22.000 Mitarbeiter. Roayl Imtech ist an der Börse NYSE Euronet in Amsterdam im Midkap-Index notiert.

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