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Wirtschaft
12/05/2011

Benko zieht reichen Reeder an Land

Griechenlands reichster Reeder ist als Hälfte-Eigentümer und Partner beim jungen Hausherrn der Wiener City vor Anker gegangen.

von Andrea Hodoschek

Was haben ein Tankerkönig und ein Immobilien-Tycoon gemeinsam? Beide investieren enorme Summen in Assets; der eine in Schiffe, der andere in Immobilien. Beide vermieten; der eine seine Schiffe, der andere seine Immobilien. Beide brauchen Banken für die Finanzierung. Wenn auch noch die persönliche Wellenlänge stimmt, kann sich eine lukrative Freundschaft ergeben.

Die Liaison begann im Sommer 2008. Der junge Immobilien-Investor René Benko war Kunde der Hamburger HSH-Nordbank. Die ist nicht nur stark in der Immobilienfinanzierung engagiert, sondern auch einer der weltweit größten Schifffahrts-Finanzierer.

Das Immobiliengeschäft boomte ebenso wie das Tanker-Business. Die großen griechischen Reeder, seit Aristoteles Onassis in der Heimat von der Steuer befreit, suchten neue Häfen für ihr Geld und wollten in Grund und Boden investieren. Also brachte die HSH beide Branchen zum Dinner in Athen an einen Tisch. Von der Immo-Seite waren nur drei Kunden eingeladen: Die Hamburger Unternehmerfamilie Otto, Europas Nummer eins als Betreiber von Einkaufszentren, die US-Familie Hines, weltweit größter Entwickler von Immo-Projekten, und der damals 31-jährige Benko.

Der muss den um 24 Jahre älteren George Economou auf Anhieb beeindruckt haben. Während die Konkurrenz komplizierte Modelle und Charts präsentierte, erklärte der Tiroler sein Konzept "so überzeugend, dass es auch Nicht-Immobilien-Experten verstanden", erzählte Economou später. "Wir haben an diesem Abend lange geredet und eine Woche darauf hat er mich schon in Wien besucht", erinnert sich Benko. Ihm gehörten bereits die ehemalige Bawag-Zentrale in der Tuchlauben und das vormalige Headquarter der Bank Austria, Am Hof 2. Griechenlands größter Reeder kaufte sich in beide Projekte ein, 2009 stieg Economou zu 50 Prozent in Benkos Kaufhaus Tyrol ein.

Dann zog sich der langjähriger Partner Karl Kovarik, Erbe der Stroh-Tankstellenkette, aus Gesundheitsgründen aus der 1999 von Benko im Alleingang gegründeten Signa-Holding zurück. Und Economou übernahm, von der Öffentlichkeit unbemerkt, über seine in Zypern domizilierte Globalbasis Limited, 50 Prozent der Holding, unter deren Dach Benkos gesamtes Immobilien-Geschäft gesammelt ist.

Den aktuellen Vermögenswert der Signa-Gruppe beziffert Benko mit vier Milliarden Euro, ein Viertel davon in der Wiener Innenstadt: Im Bawag-Komplex entstehen Büros, Luxuswohnungen und ein Shopping-Tempel, im Sommer 2012 wird Louis Vuitton einziehen.

Am Hof 2 wird zum Nobelhotel umgebaut, das die Hyatt-Gruppe betreiben wird. Zur Signa-Prime-Selection gehören noch die Kärntner Straße 11, das Meinl-Haus am Graben und das Kunstforum auf der Freyung. Die Verlängerung der Fußgängerzone von Kohlmarkt/Graben bis zur Bogner- und der Seitzergasse "bauen wir uns derzeit gerade selbst" (Benko).

Im Vorjahr zogen Benko&Economou den zweitgrößten Immobilien-Deal in Deutschland durch und erstanden die Zentrale der Deutschen Börse. Heuer verleibte sich das Duo um 500 Millionen Euro drei deutsche Immobilien ein, darunter das Münchner Traditionskaufhaus Oberpollinger.

In Deutschland hat die Signa-Gruppe noch 13 Immo-Fonds für vermögende Privatkundschaft mit einem Projektvolumen von 1,6 Milliarden Euro aufgelegt, sowie drei Fonds für institutionelle Anleger mit einem Investitionsvolumen von 1,76 Milliarden. Die Signa Development ist mit 1,5 Milliarden Euro im Projektgeschäft in Österreich, Deutschland und Italien. "Asien wäre mittelfristig auch noch recht interessant", überlegt Benko.

Wie konnte der Sohn einer Kindergärtnerin und eines Gemeindebediensteten, der an der Innsbrucker Handelsakademie wegen hoher Fehlstunden nicht zur Matura zugelassen wurde und mit dem Ausbau von Dachböden begann, derart kometenhaft aufsteigen? "Eine starke Eigenkapitalbasis, hohe Reputation bei den Banken und Assets in besten, krisenresistenten Lagen. Als Manager habe ich mir immer Top-Leute samt ihren Teams geholt, weil mir als junger Unternehmer die Berufserfahrung und die Netzwerke fehlten," skizziert Benko sein Erfolgsrezept. Der begeisterte Bergsportler und in zweiter Ehe Vater eines einjährigen Sohnes spricht viel über Nachhaltigkeit, attestiert sich wiederholt "Handschlag-Qualität" und, recht selbstbewusst, "extremes Talent zum Unternehmer".

"Hat wohl mit der Zeit zu tun, als er bei den Banken wegen seiner Jugend ständig gegen einen Misstrauensvorschuss kämpfen musste", meint ein heimischer Spitzenbanker. Der Benko "enorme Überzeugungskraft" bestätigt, "er ist immer bestens vorbereitet und alles, was er präsentiert, hat Hand und Fuß. Die Eigenkapital-Quoten sind vernünftig".

Qualitäten beweist Benko auch als Netzwerker. In seinem Beirat sitzen neben einem deutschen Banker und einem Versicherer Ex-Bank-Austria-Chef Karl Samstag , SP, Ex-SP-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer , Casinos-Chef Karl Stoss (VP) und Susanne Riess-Passer , ehemalige blaue Vizekanzlerin. "Waren vorher schon alle Freunde", beteuert Benko. Der vormalige VP-Innenminister Ernst Strasser findet sich mittlerweile nicht mehr im Beirat.
Mit der Seitenblicke-Gesellschaft dagegen hat Österreichs erfolgreichster Jung-Unternehmer wenig am Hut. "Ich habe schon als Jugendlicher Partys nicht gemocht. Während die anderen feierten, habe ich lieber in der Baufirma eines Freundes gearbeitet", sodass Freunde meinen, er habe seine Jugend verpasst. Dafür umgibt er sich heute gerne mit Status-Symbolen. Der Signa-Sitz im Palais Harrach gehört zu den beeindruckendsten Firmenzentralen der Stadt, geflogen wird im eigenen Jet, er sammelt Warhol und Liechtenstein, und 2012 übersiedelt er in die 800 Quadratmeter große ehemalige Luxusherberge des früheren Bawag-Chefs Walter Flöttl am Fleischmarkt. Noch wird dort mit viel Glas und Geld umgebaut.

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