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Wirtschaft
02/07/2019

Bei uns heißt das Nachbarschaftshilfe, bei den Deutschen Pfusch

Schwarzarbeit: Was im Inland als Nachbarschaftshilfe gilt, ist im Ausland schon illegal. Gut für die heimische Statistik.

von Christine Klafl

Beim Pfuschen ist Nachbarschaft relativ. Wohnt der Helfer, der die Ziegelmauer fürs Eigenheim aufzieht, ums Eck, geht das in Österreich als Nachbarschaftshilfe durch. Nach dem Motto „Heut’ bau’ ich, nächstes Jahr baust du“ würden nur die Arbeitsstunden aufgeschrieben und dann gegengerechnet, weiß der Linzer Ökonom Friedrich Schneider, der sich schon seit vielen Jahren mit Schwarzarbeit beschäftigt. Was in Deutschland als Pfusch gelte, falle in Österreich unter Nachbarschaftshilfe – ohne die viele Häuser gar nicht stehen würden.

Blütenweiße Weste

Die unterschiedliche Betrachtungsweise ist mit ein Grund, warum Österreich in Sachen Schwarzarbeit eine beinahe blütenweiße Weste hat. Laut Schneiders Prognose wird das Volumen der Schwarzarbeit heuer um 5,1 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro sinken und damit 6,2 Prozent der heimischen Wirtschaftsleistung erreichen. Das ist der mit Abstand niedrigste Wert in der EU. Tiefe Werte erreichen auch die Niederlande und Luxemburg mit 7,0 bzw. 7,4 Prozent. Ganz lange Schatten wirft der Pfusch dagegen in Bulgarien, Rumänien und Kroatien mit Werten von 26 bis gut 30 Prozent.

Verlierer

Als größter Verlierer der Schwarzarbeit gilt der Staat. Da geht es nicht so sehr um den Steuerentgang, sagt Schneider. Denn das an der Steuer vorbei verdiente Geld werde sofort wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben. Den Sozialversicherungen entgehen aber Einnahmen. Und die Krankenversicherungen müssten die erhöhten Kosten von Unfällen und Arbeitsunfähigkeit der Schwarzarbeiter tragen.

Wachstum und Jobs

Den Pfusch-Berechnungen zugrunde gelegt sind die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS. Sie sagen für heuer ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um rund 15.000 Personen voraus. Durch diese beiden Faktoren würde das Volumens an Schwarzarbeit heuer um 980 Millionen Euro sinken. Die Einführung des Familienbonus bewirke weitere 320 Millionen. Wäre die kalte Progression schon mit Jahreswechsel abgeschafft worden, würde der Pfusch nicht um 1,3 Milliarden, sondern um fast 1,8 Milliarden Euro schrumpfen, betont Schneider.

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