Wirtschaft
09.10.2018

Baustoff-Konzern Wietersdorfer steigt ins Papiergeschäft ein

Das Kärntner Familienunternehmen liefert künftig Kalzit an die Verpackungsindustrie.

Der Kärntner Industrie-Mischkonzern Wietersdorfer, der sein Geschäft mit Zement, Beton, Kalk, Rohren und Industriemineralien macht, stellt sich breiter auf. Mit Kalzit (fein geriebener Kalkstein) will das Unternehmen neue Geschäftsfelder öffnen, um als Spätzykliker von der Abhängigkeit der Bauindustrie loszukommen. „Kalzit wird in der Papierindustrie verwendet, die Verpackungsindustrie entwickelt sich derzeit enorm“, sagt Wietersdorfer-Miteigentümerin Christina Fromme-Knoch. Aber auch für den Einsatz bei der Farben- und Kunststoffherstellung sieht sie Potenzial.

Der Schritt sei nötig, da sich die einzelnen Wietersdorfer-Bereiche unterschiedlich entwickeln und dadurch der eine den anderen mittragen könne. Das Unternehmen wandle dabei sogar auf bekannten Pfaden, da Kalzit ein Bestandteil von Beton sei, so Fromme-Knoch.

Über die Geschäftsentwicklung konnte sich das Kärntner Unternehmen, das zu den fünf größten des Bundeslandes gehört und heuer sein 125-jähriges Jubiläum feiert, in den vergangenen Jahren aber auch ohne Kalzit nicht beschweren. „Alle Bereiche wachsen, wir spüren den Rückenwind der guten Konjunktur“, sagt Michael Junghans, Sprecher der Geschäftsführung der Wietersdorfer Holding. Der Umsatz soll 2018 im einstelligen Prozentbereich auf rund 600 Millionen Euro steigen. Wachstum müsse es auch weiterhin geben, denn nur ein wachsendes Unternehmen sei attraktiv – etwa für Arbeitnehmer.

Digitales Zementwerk

Die Gruppe beschäftigt 2700 Mitarbeiter, deren Arbeitsbedingungen sich derzeit fundamental verändern, da auch in der Beton- und Zementbranche die Digitalisierung Einzug hält. „An der Digitalisierung kommt keiner mehr vorbei“, sagt Fromme-Knoch. Bei Wietersdorfer stehe diese von den Labor- bis hin zu den Produktionsprozessen derzeit im Fokus. Dadurch sollen in der Gruppe Produktions- und Effizienzsteigerungen zwischen zehn und 20 Prozent möglich sein.

„Dadurch ändert sich auch für unsere Mitarbeiter das Berufsbild“, sagt Junghans. Ein Zementwerk würde heute nicht mehr von hunderten Personen in Betrieb gehalten, sondern von einigen wenigen hinter Bildschirmen in einem Kontrollraum gesteuert werden. Die Qualifikation der Leute werde wichtiger, die Arbeit entwickle sich auch in dieser Branche von manueller Tätigkeit hin zu Kopfarbeit.

In die Zukunft blickt Junghans trotz aller Sorgen – wie Strafzölle, Brexit oder Wirtschaftslage in der Türkei – mit einem „Grundoptimismus“. Derzeit würden Staaten wieder vermehrt in Infrastruktur investieren, was sich in den kommenden Jahren fortsetzen werde. In Deutschland betreffe das unter anderem Brücken, in Österreich den Wohnbau und in Italien die Bauwirtschaft insgesamt.

Beton sieht er als zukunftsfähigen Werkstoff, der sich zu fast 100 Prozent recyceln lasse, Wärme speichern könne und an dem man im Tunnel-, Brücken- oder Hochbau nicht vorbeikomme. Man forsche daran, die Herstellung von Zement energiesparender zu machen und den -Abdruck zu verkleinern.

Wietersdorfer ist ein Familienunternehmen in fünfter Generation und soll laut Fromme-Knoch auch weiterhin ein solches bleiben.