Die Bauern bekommen für die Tonne Weizen 100 Euro weniger als vor vier Jahren

© APA/dpa/Thomas Warnack

Raiffeisen Ware Austria
01/03/2017

Bauern fehlt Investitionskraft

Es werden weniger Traktoren zugelassen, sagt RWA-Chef Rainhard Wolf.

von Andreas Anzenberger

Seit 2012 sind die Getreidepreise auf den internationalen Agrarbörsen im Sinkflug. Heute bekommen die Bauern für eine Tonne Weizen um bis zu 100 Euro weniger als noch vor vier Jahren. In Österreich werden jährlich etwa 3,5 Millionen Tonnen Getreide produziert. Man kann sich ausrechnen, um wie viel die Weizen-Bauern weniger verdienen. Wobei auch die Preise für Milch und Schweinefleisch unter Druck gekommen sind.

Das hat massive Auswirkungen auf die Investitionen. "Wegen der niedrigeren Einkommen fehlt die Investitionskraft", verweist Rainhard Wolf, Generaldirektor der Raiffeisen Ware Austria, auf weitere ökonomische Konsequenzen.

Nur 4500 neue Traktoren

Das merkt man etwa an den Zulassungszahlen für Traktoren. Früher gab es rund 8000 Neuzulassungen pro Jahr. Heuer werden es lediglich 4500 werden, schätzt Wolf. In den kommenden Jahren könnte es noch weitere Rückgänge bis auf jährlich 4000 Zulassungen geben. "Auch wenn größere und teurere Traktoren verkauft werden, das muss eine Branche erst einmal verdauen."

Der deutsche Landmaschinenhersteller Claas will wegen des Umsatzrückgangs 200 Jobs streichen. Europaweit wurden um mehr als 20 Prozent weniger Mähdrescher verkauft.

Wolf hat aber auch eine frohe Botschaft für die Bauern. "Niedrigere Preise führen dazu, dass die Intensität der Produktion sinkt. Wenn dann weniger produziert wird, steigen die Preise wieder." Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis weniger Anbauflächen und schlechtere Ernten die Getreidepreise wieder in die Höhe treiben.

Mehr Produktivität

Generell ist Agrarpolitik der Versuch der Quadratur des Kreises. Wegen der wachsenden Weltbevölkerung und sinkenden Anbauflächen in Europa soll die Produktivität steigen. "Gleichzeitig sollen aber auch die Standards und die Qualität der Lebensmittel besser werden", referiert Wolf die Wünsche der Konsumenten. Das alles nachhaltig und biologisch und natürlich auch zu möglichst niedrigen Preisen.

Wolf plädiert bei dieser Vielzahl von Wünschen und Wunschvorstellungen für einen pragmatischen Zugang. "Bio hat sicher seine Bedeutung, aber wir brauchen auch ein klares Bekenntnis zu einer Landwirtschaft mit einer guten Produktivität." Es gelte, die Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft wieder auf das wesentliche zurückführen. "Im Zentrum geht es um die langfristige Sicherung der Selbstversorgungsfähigkeit Österreichs und nicht um ein mögliches Milliardstel Gramm Rückstand eines Pflanzenschutzmittels auf einer Orangenschale."

Bio-Pflanzenschutz

Der Einsatz von alternativen Pflanzenschutzmitteln werde dennoch zunehmen, ist Wolf überzeugt: "Die Frage ist dabei nicht: für oder gegen Chemie. Es wird sich durchsetzen, was für eine bestimmte Anwendung am besten funktioniert." Der RWA-Chef glaubt, das es in Zukunft einen Mittelweg zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft geben wird. "Der Traubenwickler kann heute im Weinbau ohne den Einsatz von Insektiziden bekämpft werden. In diesem Fall reichen biologische Pflanzenschutzmittel aus." Deshalb hat die RWA auch Anteile der Firma Biohelp gekauft. Das Unternehmen hat sich auf biologischen Pflanzenschutz spezialisiert. So werden etwa Nützlinge produziert, die Schädlinge dezimieren.

Innovative Start-ups

Eine weitere Zukunftsperspektive sind innovative Start-ups im Agrarbereich. Beim Agro Innovation Lap der RWA haben 170 Bewerber Projekte eingereicht. Vier Jungunternehmen wurden ausgewählt. Sie können ihre Produkte bis zur Marktreife entwickeln. Es geht dabei beispielsweise um einen Pilz, der die Wasserspeicherung verbessert.

Dass sich im Agrarbereich schon allein wegen des Klimawandels die Anbaumethoden und die Sortenauswahl verändern werden, weiß Wolf aus eigener Erfahrung. "Ich habe meine Kindheit im Weinviertel verbracht. Damals gab es dort keinen Mais. Heute hat das Weinviertel attraktive Mais-Anbauflächen."

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