© Barilla

Wirtschaft
06/16/2019

Barilla: Die Gebrüder Pasta aus Parma

Der Teigwaren-Riese nimmt Bauern unter Vertrag und testet Penne aus dem 3-D-Drucker

Paolo Barilla ist der Pasta-König aus Parma. Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern besitzt er die größte Teigwaren-Fabrik der Welt und 27 weitere Produktionsstätten rund um den Globus. Niemand verkauft mehr Pasta als das italienische Familienunternehmen Barilla. Der Weltmarktanteil liegt laut Firmenangaben bei rund neun Prozent.

Zeit zum Zurücklehnen bleibt den Spaghetti-Brüdern dennoch nicht. Gerade am Heimmarkt Italien war der Verkauf von Maccaroni und Penne schon einmal leichter. Damals, als noch nicht so viele Leute meinten, eine Gluten-Unverträglichkeit zu haben, als die asiatische Küche noch nicht so angesagt und Low-Carb-Ernährungspläne noch kein Thema waren. All diese Trends führen in Summe dazu, dass Spaghetti Napoletana nicht mehr zum selbstverständlichen Standardmenü der Italiener gehören. Der Teigwarenabsatz sinkt neuerdings ausgerechnet am Heimmarkt der Pasta – wenn auch von einem extrem hohen Niveau ausgehend.

Wachstumsmarkt USA

Paolo Barilla bringt so etwas nicht aus der Ruhe. „Ich esse selbst quasi täglich Pasta“, sagt der Urenkel des Firmengründers. Und fügt mit verschmitztem Lächeln hinzu: „Um den italienischen Pasta-Markt zu retten.“ Für sein Geschäft ist der Heimmarkt zwar wichtig, verkauft werden die Teigwaren aber auch in rund hundert Ländern außerhalb des Stiefels. Der Umsatz ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um drei Prozent auf 3,483 Milliarden Euro gestiegen. Das Plus kam vor allem aus den USA, teils aber auch aus europäischen Ländern.

Dennoch findet selbst Barilla, dass es der Pasta an Innovation fehlt. „Sie hat sich in den vergangenen hundert Jahren im Wesentlichen nicht geändert“, sagt der 58-Jährige zum KURIER. Geht es nach seinen Vorstellungen, soll sich das jetzt ändern.

Kichererbsen-Spaghetti

Barilla bringt nicht nur glutenfreie Sorten auf den Markt, sondern auch Nudeln aus Kichererbsen und Linsen. Wer Spezialwünsche abseits des Massengeschmacks und herkömmlicher Pasta-Formen hat, dem eröffnet der 3-D-Druck ganz neue Möglichkeiten. „Früher haben wir alle dasselbe gegessen, aber heute hat jeder andere Bedürfnisse“, erläutert Barilla. Ein Gericht auf den Tisch zu stellen, das allen Anwesenden passt, wird damit zur Herkulesaufgabe. Davon können nicht nur italienische Mamas ein Lied singen. So entstand im Hause Barilla die Idee, mit Teigwaren aus dem 3-D-Drucker zu experimentieren. Zunächst in den hauseigenen Restaurants, die Barilla in den USA eröffnet hat. „Wir haben die Restaurants vor vier, fünf Jahren eröffnet, um näher am Kunden zu sein, zu sehen, was er will. Und auch, weil der Außer-Haus-Konsum steigt.“

Nicht massentauglich

Wie es mit den Restaurants weitergeht und ob sie auch in Europa eröffnet werden, entscheidet der Familienrat dieses Jahr. Eine Portion maßgeschneiderte Pasta kann man sich unabhängig davon bereits im Internet bestellen. Experimentiert wurde etwa mit Nudeln in Form grüner Tannenbäumchen. Massentauglich ist die 3-D-Pasta freilich noch nicht. Wann die individualisierte Produktion richtig in die Gänge kommt, könne er nicht sagen. Fix sei nur, dass die Stückkosten schnell in den Keller rasseln werden, wenn die Produktion richtig anläuft, so Barilla. Derzeit würden die Kosten abhängig vom Design bei ein bis zwei Euro pro Stück liegen.

Der ehemalige Autorennfahrer, der 1985 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen hat, redet derzeit lieber über die Öko-Bilanz seines Unternehmens und den Wert von Lebensmitteln. Rund 1,2 Millionen Tonnen Weizen verarbeitet Barilla im Jahr, eingekauft wird dieser nicht mehr über Börsen. „Vor etwa 15 Jahren haben wir begonnen, mit Vertragsbauern zusammenzuarbeiten, zahlen höhere Prämien für höhere Qualitäten. In Italien haben wir 5.000 Bauern unter Vertrag“, sagt Barilla. Wenn es um die Herkunft der Rohstoffe geht, wird er redselig. Die Rohstoffbeschaffung und die Anbaumethoden könnte im Konkurrenzkampf zum Ass im Ärmel werden.

Grünes Knäckebrot

Pasta und dazu passende Sughi machen aber nur die Hälfte (53 Prozent) des Unternehmensumsatzes aus. Der Rest kommt von der Backwarensparte, also von Keksen und diversen Broten. So ist unter anderem die schwedische Knäckebrot-Marke Wasa seit 1999 Teil des Barilla-Konzerns. Aus Öko-Sicht ist das Tochterunternehmen, das heuer sein 100-jähriges Bestehen feiert, wohl Musterschüler. Seit diesem Jahr produziert der größte Knäckebrot-Hersteller der Welt klimaneutral. „Angesichts der Klimakrise muss eine neue Zeit des Wirtschaftens anbrechen, nicht nur in der Lebensmittelbranche. Rein profitorientiertes Handeln hat keine Zukunft“, sagt Paolo Barilla bei einer Nachhaltigkeitskonferenz.

"Sagen Sie niemals Nudel zu ihr"

Das Wort „Nudeln“ hören Barilla-Mitarbeiter nicht gern. Schon gar nicht, wenn es um ihre eigenen Produkte geht. Sie sprechen konsequent von  Pasta und wollen damit wohl eine Art italienisches Lebensgefühl rüberbringen. Barilla ist schließlich ein stolzes Familienunternehmen mit Sitz im norditalienischen Parma und nicht die x-te Marke eines Großkonzerns.
Seit Pietro Barilla 1877 mit der Eröffnung der Back- und Teigwarenhandlung den Grundstein für das heutige Unternehmen gelegt hat, war dieses – mit einer kurzen Ausnahme – immer in Händen der Gründerfamilie:  1971 haben die Barillas in Zeiten der Wirtschaftskrise an die US-Gruppe W. R. Grace verkauft. Acht Jahre später haben sie den Konzern allerdings mit finanzieller Unterstützung von Schweizer Freunden wieder zurückgekauft.
Dritte GenerationDerzeit ist mit den Brüdern Luca, Paolo und Guido die vierte Generation der Unternehmerfamilie am Ruder. Zum Konzern, der Back- und Teigwaren herstellt, gehören 16 Marken, darunter Wasa Knäckebrot, Gran Cereale, Filiz oder die neue Nutella-Konkurrenz Pan di Stelle. Das Unternehmen beschäftigt aktuell mehr als 8300 Mitarbeiter rund um den Globus und zählt 28 Produktionsstätten, die Hälfte davon in Italien.

Typischer Österreicher isst fünf Kilo Nudeln im Jahr

Gesättigt. Im Vergleich zu den Italienern haben die Österreicher relativ selten Nudeln am Speiseplan: Der typische Italiener isst 25 Kilo Pasta im Jahr, der Österreicher nur etwa ein Fünftel davon. Im Schnitt kauft jeder österreichische Haushalt jährlich knapp elf Kilo Teigwaren, rechnen  die Marktforscher von GfK vor.
Mengenmäßig war Barilla im Vorjahr mit einem Anteil von 18 Prozent zum ersten Mal Marktführer in Österreich, wertmäßig hat das Tiroler Familienunternehmen Recheis die Nase vorn.
 Das Wachstum spielt sich derzeit aber im Sugo- und Pesto-Regal ab, auch für Barilla. „90 Prozent der Österreicher kaufen Teigwaren, aber nur 27 Prozent ein Fertigsugo“, sieht Matthias Spiess, Barilla Geschäftsführer in Österreich, noch Potenzial. In den vergangenen Jahren war Barilla laut eigenen Angaben der Wachstumstreiber im Markt:  „Bei Sughi haben wir einen Marktanteil von 45 Prozent und eine sehr dynamische Entwicklung.“
 Auf eine große Verkaufsmannschaft kann Spiess nicht zurückgreifen. Barilla ist in Österreich eine reine Vertriebs- und Marketinggesellschaft mit acht Mitarbeitern und Sitz in Innsbruck. Ein eigenes Lager gibt es nicht, die Ware kommt direkt aus Italien.  Der Markt ist getrieben von Aktionen, ein Drittel der Pasta und Sughi wird mit Rabatten verkauft.