Wirtschaft
27.06.2012

Banken leihen sich 500 Mrd. bei EZB

523 Banken haben sich bei der Europäischen Zentralbank mit deutlich mehr frischem, billigem Geld eingedeckt, als im Vorfeld erwartet.

Es war ein Angebot, das die Banken kaum ausschlagen konnten: Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte den Geldinstituten im Rahmen ihres ersten von zwei Refinanzierungsgeschäften Liquidität zur Verfügung: Geld so viel die Banken wollen und das zum Zinssatz von einem Prozent über eine Laufzeit von drei Jahren. Wie bei Krediten so üblich müssen die Geldhäuser dafür Sicherheiten hinterlegen, doch können sie dafür Papiere nehmen, die sonst keinen Abnehmer am Markt finden würden: Staatsanleihen. Die Banken können den Kredit auch nach einem Jahr schon ablösen. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass sie das tun, wenn dann der Zins nicht unter einem Prozent liegt. Die zweite Runde des Refinanzierungsgeschäfts ist für den 29. Februar 2012 geplant.

Das verlockende Angebot der EZB kam gut an: 523 Banken des Euroraums haben sich am Mittwoch mit der Rekordsumme von 489,2 Milliarden Euro eingedeckt. Das war deutlich mehr als erwartet: Im Schnitt hatten Volkswirte mit rund 300 Milliarden Euro gerechnet. An den Börsen und beim Eurokurs schlug sich die Nachricht allerdings nur kurzfristig in Kursaufschlägen nieder.

"Geld zirkuliert einfach nicht"

Die EZB hatte die Kreditvergabe in unbegrenzter Höhe parallel zu ihrer letzten Zinssenkung angekündigt, um eine Verschärfung der Krise im Bankensektor und in der Realwirtschaft zu verhindern. Als EZB-Präsident Mario Draghi die ungewöhnliche Maßnahme im Dezember ankündigte, betonte er, dass die EZB damit das Hauptproblem der Krise lösen wolle. Draghi hoffe, dass die Banken danach so viel Geld zur Verfügung haben, dass sie die niedrigen Zinsen endlich an die Unternehmen und die 330 Millionen Verbraucher in der Eurozone weitergeben. "Das Geld zirkuliert einfach nicht", sagte Draghi.

Tatsächlich leihen sich Geldinstitute gegenseitig derzeit aus Angst vor Risiken in den Bilanzen nur ungern Geld. Zudem ist der Markt für neue Bankanleihen, mit denen die Häuser Fremdkapital aufnehmen könnten, fast ausgetrocknet. Experten befürchteten daher, dass die Banken die Kreditversorgung der Unternehmen drastisch einschränken. Außerdem könnten einzelne Banken in existenzbedrohende Schieflagen geraten.

Indirekte Staatsfinanzierung

Einige Ökonomen sehen in dem Kreditprogramm der EZB eine indirekte Staatsfinanzierung. Denn mit den günstig verzinsten Krediten könnten die Banken Staatsanleihen von Euro-Sorgenkindern kaufen und damit einen respektablen Gewinn einstreichen. Auf diese Weise würde die EZB auch den an den Märkten unter Druck geratenen Krisenländern helfen. Allerdings bestreitet die Notenbank solche Absichten - ebenso wie sie sich gegen Druck aus der Politik zur Wehr setzt, selbst unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen.

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