Wirtschaft
25.10.2018

Bahn-KV: Arbeitgeber empfehlen plus 3 Prozent

Aus Sicht der Gewerkschaft handelt es sich allerdings nur ein "Alibi-Angebot".

Die siebte Runde der Eisenbahner-Kollektivvertragsverhandlungen hat in der Nacht auf Donnerstag kein Ergebnis gebracht. Die Arbeitgeberseite hat nun den Unternehmen eine "freiwillige" Lohnerhöhung um 3 Prozent empfohlen - aus Sicht der Gewerkschaft ist das allerdings nur ein "Alibi-Angebot".

Der Fachverband der Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) verweist heute in einer Aussendung darauf, dass die KV-Verhandlungen bereits seit dem Frühjahr andauerten. Die Gewerkschaft habe die Verhandlungen wegen der Arbeitsgesetz-Novelle unterbrochen, obwohl diese Novelle für die Bahn-Branche in den Kollektivverträgen keine Auswirkungen habe. Nun nutze die Gewerkschaft die Verhandlungen vermehrt für politische Statements, kritisiert Thomas Scheiber, Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite.

Erstmals Empfehlung

Daher gebe der Fachverband "erstmals" in der KV-Verhandlungsgeschichte eine Empfehlung an die Mitgliedsunternehmen ab, "auf freiwilliger Basis und auf Anrechnung künftiger KV-Erhöhungen, die Mindest- und Ist-Löhne/-Gehälter und Zulagen vorab mit 1. Oktober 2018 befristet auf 12 Monate um 3 Prozent zu erhöhen". Unabhängig von dieser Empfehlung wolle man weiter verhandeln und einen baldigen und für beide Seiten fairen KV-Abschluss anstreben, so der Fachverband.

Für die Gewerkschaftsseite handelt es sich bei dieser Empfehlung um ein "Alibi-Angebot": Es sei eine "Unverschämtheit", wie die Arbeitgeber versuchten, die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner "mit Almosen abzuspeisen", weist Günter Blumthaler, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida, das Angebot der Arbeitgeberseite heute Donnerstag in einer Aussendung zurück.

"Bahnland Nummer eins"

Dass Österreich das "Bahnland Nummer eins" in der EU sei, sei dem enormen Einsatz und der sehr hohen Produktivität der Mitarbeiter zu verdanken. Für ihre Leistungen haben sich die Beschäftigten eine entsprechende Gehaltserhöhung verdient, die sich aus der Inflationsabgeltung, aus dem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sowie aus den Produktivitätszuwächsen der Mitarbeiter zusammensetzen muss, fordert Blumthaler.

Die Sozialpartner verhandeln die Kollektivverträge für rund 45.000 Beschäftigte bei den über 65 österreichischen Eisenbahnunternehmen. Größtes Unternehmen ist die staatliche ÖBB.