DO&CO-Gründer Attila Dogudan.

© Kurier/Franz Gruber

Wirtschaft von innen
01/01/2020

Bahn-Catering: Attila Dogudan klagt die ÖBB

Henry am Zug: Gourmetkonzern DO&CO fordert aus dem Bahn-Catering vier Millionen Euro nach.

von Andrea Hodoschek

Irgendwie stand die Geschäftsbeziehung zwischen DO&CO und den ÖBB von Beginn an unter keinem guten Stern. Jetzt endet sie vor Gericht. Der börsenotierte Gourmetkonzern hat beim Wiener Handelsgericht eine saftige Klage über vier Millionen Euro gegen die Bahn eingebracht. Es geht um eine Nachforderung aus dem Catering-Vertrag, als die Konzerntochter „Henry am Zug“ für die ÖBB-Passagiere aufkochte.

Kern wollte neues Catering

Der spätere SPÖ-Chef Christian Kern war noch ÖBB-Boss und wollte das Catering in den Zügen neu aufziehen. Ihm schwebte vor, die Zugreisenden sollten ähnlich den Passagieren von Top-Airlines an Bord mit Speis und Trank in bester Qualität verwöhnt werden. Das Catering wurde neu ausgeschrieben und DO&CO gewann gegen den Platzhirsch Donhauser. Der von Attila Dogudan gegründete und geleitete Konzern wagte sich 2012 allerdings auf Neuland. Dogudans Truppe war erfolgreich im Airline-Business, mit Events aller Art, von der Fußball-Europameisterschaft bis zur Formel 1, Lounges und Restaurants – hatte aber noch nie in Zügen serviert.

2018 endete das Abenteuer ÖBB ernüchternd: Außer Spesen war nicht viel gewesen. „Henry am Zug“ fuhr die meiste Zeit Verluste ein. Dogudans Zugfahrt war zudem überschattet von ständigen heftigen Attacken der Gewerkschaft.

Die rund 600 Mitarbeiter von Henry am Zug wurden nach österreichischem Gastronomie-Kollektivvertrag entlohnt, erklärt Dogudan. Ausgenommen jener kleine Teil der Belegschaft, der nach ungarischem KV bezahlt wurden – doch dazu später.

Neuer Kollektivvertrag

2017 schlossen Wirtschaftskammer und Gewerkschaft einen neuen Kollektivvertrag, die rollenden Köche und Kellner wurden zu Eisenbahnern. Mit längeren Arbeitszeiten, dafür stiegen die Gehälter um bis zu 25 Prozent.

„Die Ausgangssituation in der Ausschreibung war der Gastronomie-KV, danach bezahlten die ÖBB den Caterer. Verändert sich dieser KV, ist doch logisch, dass die ÖBB auch mehr bezahlt“, argumentiert Dogudan. Bei 45 Umsatzmillionen immerhin Mehrkosten von vier Millionen Euro.

"Extrem unkorrekt"

Doch die Bahn weigerte sich. Dogudan hält sich jetzt mit Kritik nicht mehr zurück: „Es ist extrem unkorrekt, wie die ÖBB mit Ausschreibungspartnern umgeht. Ein kleinerer Betreiber wäre pleite gegangen.“ Dogudan bestätigt gegenüber dem KURIER, dass er im Sommer die vier Millionen gegen die Staatsbahn als „Forderung aus dem Bewirtschaftungsvertrag“ eingeklagt hat.

Verlustgeschäft

„Henry am Zug“ bewarb sich 2018 wieder, verlor aber gegen gegen Donhauser, der wesentlich günstiger anbot.

Mitte Dezember stellten die ÖBB plötzlich in Garnituren mit Speisewagen den Trolley-Service mit Imbissen ein, der KURIER berichtete. „Ein Witz, dass der Trolley-Service jetzt einfach abgeschafft wurde. Das war ein wesentlicher Teil der Ausschreibung“, kritisiert Dogudan. Die Bahn habe immer darauf bestanden, „dass dieser defizitäre Service aufrecht bleibt, und jetzt plötzlich nicht mehr“.

ÖBB müssen zuschießen

Apropos Defizite. Bahn-Catering ist grundsätzlich nicht gewinnbringend zu betreiben und die ÖBB mussten immer zuschießen. In der Größenordnung von rund 50 Prozent des Umsatzes. Fragt sich aber, warum überhaupt die Steuerzahler die Verpflegung der ÖBB-Kunden subventionieren müssen. Die Westbahn leistet sich kein Catering.

Die ÖBB-Waggons seien für modernes Catering gar nicht geeignet, moniert Dogudan. „Die Infrastruktur ist aus der Steinzeit. Die Airlines schaffen das auf der Hälfte der Fläche. Aber die ÖBB hatten nie Interesse, dass wir diese Erfahrungen einbringen.“

EuGH-Urteil

Zurück zu den ungarischen Mitarbeitern. Die Gewerkschaft warf DO&CO jahrelang öffentlich vor, Lohndumping zu betreiben, da diese Beschäftigten nach dem ungarischen KV bezahlt wurden. Das Wiener Magistrat brummte dem ehemaligen Geschäftsführer von „Henry am Zug“ 1,3 Millionen Euro Strafe auf. Durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) fühlt sich Dogudan nun rehabilitiert. Das Höchstgericht stellte fest, dass die Vorgehensweise rechtens war.

Mitarbeiter aus Ungarn

15 Prozent aller Züge starteten und endeten in Ungarn, erklärt Dogudan. Neun Prozent der Mitarbeiter seien aus Ungarn gewesen, da die ÖBB in der Ausschreibung ungarische Sprachkenntnisse verlangt hätten. Diese Mitarbeiter hätten den doppelten ungarischen Kollektivvertrag erhalten. Was freilich immer noch weniger war als der österreichische KV. „Wir wurden jahrelang als Lohndumper diskreditiert, obwohl alles korrekt abgelaufen ist. Wir haben niemals ungarische Mitarbeiter auf rein österreichischen Strecken eingesetzt.“

Die Umsatzeinbußen durch den Verlust des Bahngeschäfts wurden übrigens bereits durch andere Aufträge kompensiert.