Wolfgang Auer-Welsbach.

© APA/GERT EGGENBERGER

Anlagebetrug

AvW-Opfer warten seit vier Jahren auf ihr Geld

1,11 Milliarden Euro. Ball liegt nun beim Obersten Gerichtshof.

von Kid Möchel

09/02/2014, 06:12 PM

FĂŒnf Jahre nach dem Zusammenbruch des betrĂŒgerischen KĂ€rntner Finanzkarussells AvW wurde Ex-Prokurist Harald K. zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Untreue verurteilt. Er gestand, diverse WertpapiergeschĂ€fte zum Nachteil von AvW durchgezogen zu haben. Schaden: rund 1,3 Millionen Euro.

Indes sitzt Ex-AvW-Boss Wolfgang Auer-Welsbach schon vier Jahre wegen Betruges in Haft, er hat fĂŒr einen Schaden in Höhe von 450 Millionen Euro acht Jahre ausgefasst. Doch der gesamte Schaden des AvW-Bankrotts dĂŒrfte am Ende des Tages deutlich höher ausfallen. Denn: In den beiden Konkursverfahren der AvW Gruppe AG und AvW Invest AG wurden mittlerweile 19.000 Forderungen in Höhe von insgesamt 1,11 Milliarden Euro angemeldet. Das bestĂ€tigt Masseverwalter Gerhard Brandl dem KURIER. Viele geschĂ€digte Genussschein-Zeichner haben ihre SchadenersatzansprĂŒche doppelt, also in den beiden getrennt gefĂŒhrten Insolvenzverfahren angemeldet.

"Beide Gesellschaften haften solidarisch fĂŒr den Anlegerschaden, sie bildeten eine wirtschaftliche Einheit", erklĂ€rt Anlegeranwalt Erich Holzinger. "Ich habe daher die Forderungen meiner rund 2000 Mandanten in beiden Verfahren angemeldet, weil sie nur so aus beiden Konkursmassen Geld erhalten können." Im Massetopf der AvW Gruppe liegen derzeit 45,7 Millionen Euro und im Topf der AvW Invest rund 27,3 Millionen.

Obwohl das Konkursverfahren bereits im Mai 2010 eröffnet wurde, ist noch kein Cent an die Opfer geflossen. Der Grund: Die AnlegeranwÀlte und der Masseverwalter prozessieren seit Jahren. Der wichtigste Musterprozess liegt nun beim Obersten Gerichtshof. Dieser muss klÀren, ob die Anleger einen Forderungsanspruch in Höhe ihres investierten Geldes oder in Höhe des letzten veröffentlichten Kurses der AvW-Genussscheine (3275 Euro) im Oktober 2008 haben. Das Oberlandesgericht Graz vertritt die Letzt-Kurs-Variante.

"Wir sind aber der Ansicht, dass den Anlegern nur das Kapitel zusteht, das sie tatsÀchlich in die Genussscheine investiert haben, plus Ausgabeaufschlag und Zinsen", sagt Insolvenzverwalter Brandl. "Denn Auer-Welsbach hatte ja den Kurs der Genussscheine manipuliert."

Nach GestÀndnis: Ex-AvW-Prokurist verurteilt

Der Untreue-Prozess gegen den frĂŒheren AvW-Prokuristen Harald K. und einen ehemaligen Wertpapier-Broker endete am zweiten Tag abrupt - mit Verurteilungen. Denn: Beide Angeklagte hatten zuvor GestĂ€ndnisse abgelegt. Harald K., der sich mittlerweile zum Koch umschulen ließ, fasste zweieinhalb Jahre unbedingte Haft aus. Der Ex-Broker erhielt als BeitragstĂ€ter 14 Monate Haft auf BewĂ€hrung, muss aber 7200 Euro Strafe zahlen. Ihre Verteidiger gaben einen Rechtsmittelverzicht ab, das heißt sie werden keine Berufung gegen das Urteil einlegen. Aber Staatsanwalt Helmut Jamnig gab keine ErklĂ€rung ab. Damit sind die Urteile noch nicht rechtskrĂ€ftig.

Die VorwĂŒrfe

Der Ex-Prokurist Harald K. soll bei seinem frĂŒheren Arbeitgeber, dem KĂ€rntner Finanzkarussell AvW, mit Wertpapier- und DerivatgeschĂ€ften im Jahr 2008 rund 1,3 Millionen Euro Verlust bzw. Schaden verursacht haben. Verluste aus den WertpapiergeschĂ€ften gingen zulasten der AvW-Gruppe und konnten aufgrund des großen Handelsvolumens von 50 Millionen Euro versteckt werden. Harald K. haftet fĂŒr den Schaden in Höhe von 1,3 Millionen Euro, und gemeinsam mit dem frĂŒheren Broker fĂŒr weitere 117.000 Euro. Dem AvW-Masseverwalter wurde Schadenersatz zugesprochen.

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