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Zuerst Zölle, jetzt Energiepreisschock: Milliarden-Defizit im Außenhandel

Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer ruft Europa zu „Kurswechsel“ auf: Es müsse wieder strategisch handeln, es muss Schluss sein mit Klein-Klein.
Kräne im Hamburger Hafen

Das Jahr 2025 war von Donald Trumps Handelspolitik und den hohen US-Importzöllen geprägt. In diesem Jahr steht die Nahost-Krise im Mittelpunkt und mit ihr ein regelrechter Energiepreisschock, der sogar noch teurer werden könnte, je länger die Straße von Hormus blockiert bleibt. Freilich befeuert dieser Umstand schon jetzt die Inflation. Und das könnte über mögliche Zweitrundeneffekte – wie steigende Lohnabschlüsse – Österreichs Wettbewerbsfähigkeit neuerlich stark unter Druck bringen.

Das neue Jahresgutachten der Forschungskooperation FIW von WIFO, IHS, wiiw und den Universitäten Wien, Linz sowie WU Wien spricht diese und andere Probleme ganz offen an. Ein zentraler Punkt lautet: Österreichs Exporte waren 2025 wegen der schwachen Nachfrage aus wichtigen Absatzmärkten wie Deutschland nominell (0,5 Prozent) und real (1,1 Prozent) rückläufig. Die Importe entwickelten sich im Gegensatz dazu deutlich dynamischer – vor allem aus der Schweiz und China – und stiegen real um 4,8 Prozent.

Das hat zur Folge, dass sich Österreichs Handelsbilanz in nur einem Jahr um mehr als acht Milliarden verschlechterte und nun ein Defizit von 6,6 Milliarden Euro aufweist.

Und die Situation dürfte so bald nicht wesentlich besser werden, folgt man den Erkenntnissen der Studienautoren. Insbesondere rücken heuer die „europäischen und österreichischen Verwundbarkeiten“ im Energie-und Rohstoffbereich in den Fokus, sagt WIFO-Experte Harald Oberhofer.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sagt zu dem Gutachten, das sein Haus finanziert hat: „Die neue Weltwirtschaft zwingt Europa zum Kurswechsel.“ Schließlich zeige die Studie den Handlungsbedarf bei Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreisen und neuen Handelsabkommen. Denn: „Die Weltwirtschaft wird geopolitischer, härter und strategischer. Während andere Wirtschaftsräume ihre Industrie absichern, Energiepreise senken und gezielt Zukunftstechnologien aufbauen, verliert Europa zu oft Zeit mit Regulierung und Bürokratie. Genau deshalb braucht es jetzt einen europäischen Wettbewerbsfähigkeitskurs: weniger Klein-Klein, mehr industrielle Stärke, schnellere Verfahren, wettbewerbsfähige Energiepreise und moderne Handelsabkommen mit Wachstumsmärkten wie Indien, Mercosur oder Südostasien“, so Hattmannsdorfer. Europa müsse wieder strategisch handeln, „sonst verlieren wir Wohlstand, Industrie und technologische Souveränität“, befürchtet der Minister.

In einem Basisszenario erwarten die Experten eine „nur schrittweise Erholung“ der Außenwirtschaft für die Jahre 2026 und 2027 (+1,5 bzw. +2,2 Prozent). Ein stärkerer und länger anhaltender Anstieg etwa der Rohölpreise auf 120 Dollar je Fass könnte den Außenhandel „erheblich bremsen“. An Zuwächsen wären dann nur 0,3 bzw. 1,1 Prozent in 2026 und 2027 zu erwarten. Gleichzeitig würde sich die Handelsbilanz unter dem Druck höherer Energiepreise deutlich stärker verschlechtern.

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