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Wirtschaft
09/06/2021

Aufsicht: „Krypto-Assets sind Tummelplatz für Betrüger“

FMA-Chefs warnen vor hohem Risiko, erst 2024 teilweise Regulierung

von Andrea Hodoschek

Die Goldgräberstimmung bei Bitcoin & Co. lässt die Anleger jegliche Vernunft vergessen. „80 Prozent aller angebotenen Krypto-Assets haben einen betrügerischen Hintergrund“, schätzen die beiden Chefs der Finanzmarktaufsicht (FMA), Helmut Ettl und Eduard Müller.

Unvorsichtige Anleger werden oft hochgradig abkassiert. „Die Schäden sind enorm, 40.000 Euro im Durchschnitt, der bisher höchste Schaden lag bei 650.000 Euro“, warnt das FMA-Duo eindringlich. Von den 100 Verdachtsmeldungen auf Anlagebetrug, die bei der FMA im Vorjahr eingingen, betrafen zwei Drittel Krypto-Assets. Tendenz steigend.

Die Masterminds der Betrügereien seien für die Konsumenten nicht sichtbar und nicht in Österreich. Im Schadensfall seien geprellte Anleger völlig auf sich alleine gestellt. Die Produkte seien hoch spekulativ, es gebe keinen Schutz, keine Beschwerdestelle und keine Einlagensicherung.

Die bestehenden Aufsichtsgesetze seien für Krypto-Währungen nicht geeignet, sagten Ettl und Müller im Klub der Wirtschaftspublizisten. Den Käufern, vor allem junge Menschen, werde der Zugang, verglichen mit anderen Finanzprodukten, zu leicht gemacht. Das Digital-Finance- Paket der EU wurde zwar 2020 verabschiedet, doch die ersten Regulierungen in Richtung Anlegerschutz treten voraussichtlich erst 2024 in Kraft.

Die Dynamik im Krypto-Business ist schwindelerregend, „die Volumina wachsen exponentiell“, beobachtet Müller. Die FMA schätzt den Markt derzeit in Österreich auf 10 bis 15 Milliarden Euro und weltweit auf zwei Billionen Dollar. Bis 2024 wird mit „zumindest einer Verdreifachung“ gerechnet. Umfragen, dass es in Österreich bereits mehr Krypto-Anleger als Aktionäre gebe, halten die FMA-Chefs übrigens für nicht seriös.

Bei diesen Dimensionen könnten Krypto-Assets in den nächsten Jahren sogar die Stabilität der Finanzmärkte gefährden. Wollen die Krypto-Anleger ihre Coins in echtes Geld eintauschen wollen, könne es zu einem „Krypto-Bankrun“ kommen. Um das Krypto-Business beaufsichtigen zu können, benötige die FMA mehr hoch spezialisierte Mitarbeiter wie Data-Analysten. Da diese am Markt nicht verfügbar seien, müsse die FMA selbst ausbilden.

Tipps für Anleger

Konsumenten raten die FMA-Chefs, einen Blick auf die Homepage der FMA zu werfen, ob es über den betreffenden Anbieter eine Investorenwarnung gibt und ob der Anbieter bei der FMA registriert ist. Müller empfiehlt, "in die Tiefe gehen, ob das Geschäftsmodell nachvollziehbar und die Versprechen realistisch sind. Checken Sie, wer der Anbieter ist oder ob es sich nur um eine anponyme Homepage ist.

 

Wohnbaukredite

Immer mehr Sorgen bereiten der FMA die Wohnfinanzierungen, einer der am stärksten wachsenden Bereich der Banken. Ettl monierte, dass der Eigenmittel-Anteil oft zu niedrig und der Zinsendienst im Verhältnis zum Familieneinkommen zu hoch sei. Variabel verzinste Kredite seien angesichts der Zinsenlage „nicht adäquat, Private eignen sich nicht für die Übernahme des Zinsänderungsrisikos. Wenn das so weitergeht, werden wir mit etwas kommen“, sagte Ettl in Richtung Banken. jDie Aufsicht werde nicht länger Zuschauen.

Nach wie vor gelte die Empfehlung von mindestens 20 Prozent Eigenfinanzierung sowie maximal 30 bis 40 Prozent Schuldendienst aus dem laufenden Einkommen und eine Kreditlaufzeit von 35 Jahren.

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