Wirtschaft 05.12.2011

AUA fürchtet Überläufer Antinori

© Bild: apa

Doch-Nicht-AUA-Chef Antinori könnte sein Wissen über Österreichs Airline beim neuen Arbeitgeber Emirates gut nutzen.

Der Wechsel des langjährigen Lufthansa-Vorstands Thierry Antinori zum Erzrivalen Emirates sorgt nicht nur beim deutschen Kranich für Unbehagen. Sondern auch bei der Tochter AUA, die mit Emirates wegen der Aufstockung der Wien-Dubai-Flüge im schweren Clinch liegt.

Antinori hatte im Frühjahr zwei Tage vor seinem Amtsantritt als neuer AUA-Chef den Job in Wien gecancelt. In den Wochen zuvor hatte sich der gebürtige Franzose allerdings sehr intensiv vorbereitet und tief in die Daten der rot-weiß-rote Airline eingearbeitet. "Antinori hat alle Informationen über die wirtschaftliche Situation der AUA, Kosten und Erträge und über die Rentabilität der einzelnen Strecken", heißt es in Branchenkreisen. Er habe viele vertrauliche Informationen und kenne die AUA "in- und auswendig", ist zu hören. Praktisch alles, was notwendig sei, um die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens beurteilen zu können. Bei der AUA hatte man damals kein Problem damit, Antinori schon vor seinem offiziellen Amtsantritt zu informieren. Gehörte der vermeintliche neue Chef doch zum Mutterkonzern Lufthansa.

In der Luftfahrt werden schon Vergleiche mit der Affäre um den ehemaligen Automanager Jose Ignacio Lopez gezogen. Der war in den 90er-Jahren von General Motors/Opel zu VW gewechselt, Opel und GM zeigten Lopez wegen Geheimnisverrats an. Ein langer, erbitterter Rechtsstreit samt Strafanzeigen war die Folge, der mit einer Abschlagszahlung von VW über 100 Millionen Dollar endete.

Landerechte

Emirates bereiten der AUA Sorgen, nicht nur wegen der strittigen Landerechte. Der neue Manager Antinori weiß viel über den Konkurrenten AUA.
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Auch an der Front um zusätzliche Landerechte in Wien sorgt Emirates weiter für Unruhe. Der Carrier aus Dubai hebt seit Ende März 13 Mal in der Woche aus Wien ab. Ab Dezember sind es laut Buchungssystem 14 Flüge. "Dann haben wir das nötige Flugzeug dafür", bestätigt Österreich-Chef Martin Gross. Noch Anfang August hat Emirates-Präsident Tim Clark bei einem Besuch in Wien betont, man habe für eine weitere Aufstockung keine Flieger parat.

Ein weiterer Stich im Streit mit der AUA um Landerechte? Dass Emirates Tickets für den täglichen Abendflug auch bereits für den Winterflugplan verkauft, obwohl dieser noch Gegenstand von Verhandlungen zwischen dem heimischen Verkehrsministerium und Dubai ist, ist an sich kein Problem. Jedoch fehlt bei den Tickets der nötige Zusatz "Durchführung abhängig von behördlicher Zulassung". Dies soll Kunden darüber informieren, dass der Flug mangels rechtlicher Basis ausfallen könnte. "Wir haben keine Veranlassung, das hineinzuschreiben", sagt Gross. Denn der zweite tägliche Flug "ist unser absolutes Recht".

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Erstellt am 05.12.2011