Wirtschaft 10.01.2012

AUA: Durchstarten zur letzten Chance

Die Lage der AUA ist so ernst wie noch nie. Gegen den verschärften Sparkurs formiert sich jedoch bereits Widerstand.

Agressiv und konzentriert“ will der ehemalige Pilot und Star-Alliance-Manager Jaan Albrecht, seit 70 Tagen neuer AUA-Chef, den Strukturwandel angehen. Die ehemalige rot-weiß-rote Staats-Airline, die seit 2000 weit mehr als eine Milliarde Euro Verlust angesammelt hat, kommt nicht aus der Verlustzone. 2011 wurde, ebenso wie 2010, wieder ein operatives Minus von knapp 65 Millionen Euro eingeflogen. „Die Airlinebranche verändert sich, daher muss sich auch die AUA verändern“, leitete Albrecht am Dienstag die Präsentation seines Programms ein.

Noch heuer soll das Ergebnis um 200 bis 220 Millionen Euro verbessert werden, 2014 sollen es dann 260 Millionen Euro werden. Zwei Drittel sollen über Einsparungen bei den Kosten lukriert werden, ein Drittel durch höhere Erlöse.

Kollektivverträge

"Wenn wir nicht gegensteuern, liegen die Personalkosten heuer auf dem Niveau von 2009, obwohl wir 1500 Mitarbeiter weniger haben", argumentiert Albrecht. Er schließt einen weiteren Abbau von Beschäftigten (derzeit rund 5800 auf Vollzeitbasis) aus, will aber "die Automatismen in den Kollektivverträgen nicht akzeptieren". Albrecht spricht von "Modernisierung", und dass die "Altlasten" vom Tisch müssten. Konkret geht es um die Abgeltung der Inflationsrate, Gehaltssprünge und längere Arbeitszeiten für die Piloten. In Summe sollen die Personalkosten um 40 bis 45 Millionen Euro gedrückt werden. Erzrivale Air Berlin/NIKI liege mit den Stückkosten um 25 Prozent niedriger.

"Nicht viel Neues, wenig Konkretes", kommentiert der Betriebsrat Bord das Programm. "Die Sanierung eines Dienstleistungsunternehmens über die Personalkosten ist zum Scheitern verurteilt", der Betriebsrat werde dem nicht zustimmen, so Obmann Karl Minhard. Er verweist darauf, dass die AUA innerhalb des Lufthansa-Konzerns die niedrigsten Kosten pro Pilotenstunde habe. Für die kaufmännisch-technische Belegschaft gibt es mit 20. Jänner schon eine Betriebsversammlung.

Gewerkschafter Karl Proyer ist erbost: "Anordnen kann man uns gar nichts". Viele Angestellte verdienten 1500 oder 1800 Euro, da gebe es "überhaupt nichts mehr zu holen".

Flotte

Wie berichtet werden elf alte Mittelstrecken-Boeing verkauft und durch sieben Airbus A319 bzw. 320 ersetzt. Die Mittelstrecken-Flotte der AUA sei zu groß, die Langstrecke zu klein, sagt Albrecht. In Europa werden rund acht Prozent der Kapazitäten gekürzt, gestrichen werden Nischen-Destinationen in Osteuropa.

Albrecht fordert von den 100 AUA-Lieferanten ebenso wie von der Politik Mithilfe bei der Sanierung. Das hat die Lufthansa auch schon erfolglos versucht. Die AUA müsse bereits 27 Prozent ihrer Gesamterlöse für Gebühren (Flughafen, Flugsicherung, Sicherheitsgebühr, Ticketsteuer, Emissionshandel) berappen, in Summe sind das heuer 338 Millionen Euro, klagt Albrecht. Zum Vergleich: Emirates liegt bei elf Prozent, British Airways bei 20 Prozent.

Von Synergie-Effekten mit der Lufthansa war nicht die Rede. Albrecht macht aber Hoffnung auf den Ausbau der derzeit profitablen Langstrecke und spricht ab 2013 von zwei zusätzlichen Langstreckenflugzeugen im Jahr. Doch die Mutter in Frankfurt sei erst dazu bereit, "wenn alle ihre Hausaufgaben gemacht haben".

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( Kurier ) Erstellt am 10.01.2012