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Airline-Catering
06/14/2019

Attila Dogudan rittert um Mega-Deal

Lufthansa will nicht mehr selbst kochen und bietet milliardenschwere Catering-Tochter zum Verkauf an.

von Andrea Hodoschek

Es geht um die größte Akquisition seit Bestehen des börsenotierten Gourmetkonzerns. Bis Jahresende entscheidet sich, ob DO&CO das Rennen um das Europa-Geschäft des Catering-Riesen LSG gewinnt. Die Lufthansa will nicht mehr selbst kochen  und hat ihre Tochter LSG Sky Chefs mit weltweit rund 35.000 Mitarbeitern offiziell zum Verkauf angeboten.

Der Deal ist in zwei Verfahren aufgesplittet. In einer ersten Tranche sucht die Lufthansa einen strategischen Partner für das Europa-Geschäft, in einem zweiten Schritt wird das restliche, weltweite Geschäft verkauft. Der Europa-Teil umfasst einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und 9000 Mitarbeiter.
Der vom Selfmade-Unternehmer Attila Dogudan gegründete Konzern arbeitet bereits seit etlichen Jahren mit der Lufthansa zusammen. Do&CO serviert die Bordmenus für die Lufthansa-Tochter AUA und betreibt  die First-Class-Lounges der Lufthansa auf den Flughäfen Frankfurt und München.

„Nur in einer Partnerschaft, wir wollen, dass die Lufthansa weiter als Kunde an Bord bleibt und würden uns über eine Zusammenarbeit sehr freuen“, sagt Dogudan zum Verkaufsverfahren. Die LSG ist mit 3,5 Umsatzmilliarden hinter der Schweizer Gategroup (4,5 Milliarden) weltweit die Nummer zwei, Do&CO rangiert derzeit auf Platz vier.

Auch die Gategroup rittert um die Lufthansa-Bordverpflegung, ebenso die Konkurrenz vom Golf, die Dubai National Air Transport Association (DNATA). Die LSG befindet sich derzeit in einem aufwendigen Sanierungsverfahren, servierte aber trotzdem im Vorjahr  mit 115 Millionen Euro eines ihrer besten Ergebnisse.

"Wollen die Arbeitsplätze in Deutschland halten"

Die deutsche Gewerkschaft Verdi ist gegen den Verkauf. LSG hat in Deutschland rund 7000 Mitarbeiter. „Wir wollen alle Arbeitsplätze halten“, betonte Dogudan am Freitag bei der Präsentation  des Geschäftsjahres 2018/19. DO&CO sei breit aufgestellt, neben dem Airline-Bereich der größte Caterer von Sport-Events und betreibe Restaurants sowie Hotels. Man habe den LSG-Mitarbeitern mehr zu bieten als nur Airline-Catering, sagte Dogudan.

In den nächsten drei Jahren will Dogudan den Umsatz  nur durch organisches Wachstum (ohne Zukäufe) von derzeit 848 auf 1,5 Milliarden Euro fast verdoppeln und die Zahl der Mitarbeiter von 10.000 auf 14.000 Beschäftigte steigern. Derzeit kocht Do&CO für 60 Airlines an 31 Standorten auf.

 „250 Millionen Menschen essen im Jahr DO&CO-Menus“, rechnet Dogudan vor. Neben dem Airline-Business ist die Gruppe stark im Fußball-Geschäft und hat den Zuschlag  für große Teile des VIP-Caterings für die auf etliche Länder verteilte UEFA Euro 2020 gewonnen. Do&CO wird auch für die Champions League Finale der Jahre 2019 bis 2021 aufkochen. 

Aus dem gemeinsamen Hotelprojekt mit dem Partner Turkish Airlines in Istanbul ist Dogudan jetzt zum Buchwert ausgestiegen. Die Aktionäre erhalten wieder eine Dividende von 0,85 Euro je Aktie. Der Kurs, der durch die politischen Turbulenzen in der Türkei stark eingebrochen war, hat sich wieder erholt. Die starke Türkei-Lastigkeit konnte Dogudan durch internationale Großaufträge verringern.