Attila Dogudan: „Die WM ist für DO&CO unbezahlbar“
Konzerngründer und CEO Attila Dogudan
DO&CO caterte in den USA erfolgreich zum zweiten Mal eine Fußball-WM.
KURIER: Wie war Ihr WM-Einsatz?
Attila Dogudan: Fangen wir zuerst damit an, was wir tun. Von den vielen Austragungsorten haben wir drei Stadien bespielt, die besonders wichtig waren.
Warum diese drei?
Das Azteken-Stadion in Mexico City ist eines der größten Stadien weltweit, dort war das Eröffnungsspiel. Miami hatte viele sehr gute Spiele und einen hohen VIP-Anteil und in New York war das Finale. In diesen drei Stadien waren wir für die Top-VIPs zuständig. Es gab unterschiedliche Pakete zu unterschiedlichen Preisen, aber wir hatten die Top-Klientel für uns. Alle Geladenen, die man im TV gesehen hat, haben wahrscheinlich wir betreut.
DO&CO servicierte die meisten Promis?
Ein österreichisches Unternehmen macht in Amerika den Top-VIP-Teil mit der größten Dichte an Promis und Sponsoren. Vergessen Sie nicht, die WM ist der weltgrößte Event und das gestrige Finale war das weltgrößte Sportereignis aller Zeiten. Die FIFA hat mit den USA eine neue Benchmark eines Superlativ-Sportevents hingestellt.
Größer als die Super-Bowl?
Ja. In den US-Medien konnte man lesen, dass ein Ticket für das Finale im Schnitt 10.000 bis 11.000 Dollar kostete. Ohne nix dazu. Der VIP-Bereich beginnt bei 25.000 Dollar, zuletzt wurden VIP-Tickets sogar für 69.000 Dollar verkauft.
Attila Dogudan mit Lebensfreund Niki Lauda. Der Einstieg in das Airline-Catering war ein wichtiger Schritt in der Unternehmensgeschichte von DO&CO.
Wie teilen sich die Einnahmen auf? Wir bekommen einen Pauschalbetrag. Die Agenturen, die die Ausschreibungen machen, liefern einen Teil an die FIFA und diese wiederum an die Fußballverbände. Wir bekommen den kleinsten Teil, aber wir tragen viel Positives bei. Wenn die Leute zufrieden sind, sind sie happy. Sind sie unzufrieden, heißt es, nicht einmal das Essen ist gut. Wir sind ein guter Partner für alle diese weltgrößten Sport-Events, um deren Profit zu maximieren. Es gibt zwei Sportereignisse, die alles in den Schatten stellen.
Das wäre neben der WM?
Die Formel 1 – beides catert DO&CO. Darauf können alle stolz sein, die hier mittun. Wir haben uns das über viele Jahre, um nicht zu sagen Jahrzehnte, aufgebaut.
Die Logistik muss herausfordernd gewesen sein.
2400 Mitarbeiter waren für den Aufbau der Infrastruktur im Einsatz, verteilt auf die drei Städte. Mit 250 großen Containern nur für das Equipment, da ist noch keine einzige Banane drin. Jeder nimmt es als selbstverständlich, dass Teller, Gläser, Besteck etc. da sind, insgesamt eine Million Stück. Aber das muss hin und wieder weg. Pro Spiel hatten wir 4000 bis 8000 Gäste, in Summe waren es 20 Spiele. Der große Unterschied in der Betreuung der Gäste ist die österreichische DO&CO-Seele, sind die Menschen vom Stephansplatz, den Formel-1-Teams, der Albertina.
Welche Mengen an Essbarem wurden vertilgt?
50 Tonnen bestes amerikanisches Rindsfilet, 15 Tonnen frischer Fisch, 70 Tonnen frisches Obst und Gemüse und 160 Tonnen Eiswürfel. Wir haben 225 Trucks zwischen den Küchen und den Stadien gebraucht.
Briten-König Charles und Camilla zu Besuch im Demel.
Hat alles reibungslos funktioniert?
Ja. Da kommt uns unsere Formel-1-Erfahrung sehr zugute. Wer nicht so wie wir beispielsweise über Jahre die Formel 1 in Mexiko gemacht hat, kennt die Dynamik dort nicht. Wenn man solche Events noch nie gemacht hat und erst üben muss, ist das Turnier schon wieder vorbei.
Konnten Sie die DO&CO-Qualität trotz der enormen Mengen halten?
Wir haben mit derselben Technik gekocht wie am Stephansplatz, nur war das Volumen 200 bis 500-mal größer. Alle Gäste kommen gleichzeitig und wollen gleichzeitig essen. Ab drei Stunden vor Spielbeginn und danach ein bis zwei Stunden lang Post-Match-Food. Das ist ein anderes Niveau als das der Stadion-Caterer. Und eine WM dauert sehr lange und ist kein Hochzeits-Wochenende nur für drei Tage.
Haben die Gäste das anerkannt?
Es hat sogar geheißen, unsere Qualität sei zu hoch. Viele Menschen hatten Tickets in unterschiedlichen Stadien gekauft und festgestellt, dass DO&CO ein anderes Niveau bietet. Genau das wollten wir aber. In den US-Stadien dominieren Burger, Hotdogs und Nachos. Unsere Qualität und Auswahl haben die Gäste noch nie gesehen. Wir gelten hier als die Österreicher, die beim weltweit größten Event ein Statement gesetzt haben.
Bleibt von der WM ein Gewinn? Selbstverständlich machen wir einen Gewinn. Aber viel wichtiger ist der Zugang zum Markt mit 350 Millionen Einwohnern. Der Bekanntheitswert, den wir durch die WM gewonnen haben, ist unbezahlbar. Die Leute wissen, DO&CO kann etwas, was die anderen nicht können.
Söhne Attila (links) und Marius Dogudan.
Sind die VIP-Gäste gute Multiplikatoren?
Wenn sie zufrieden sind, sind Entscheidungsträger die besten Multiplikatoren. Unser Geschäft ist schwer zu bewerben, das geht nur über die persönliche Experience, die man mit uns hat. Die beste Werbung ist immer noch die Mundpropaganda, nur ist der Mund heute Instagram und Social Media. Für unsere Zukunft, für unser Wachstum in den USA wird uns das sehr helfen.
Sie haben in den USA Expansionspläne?
Wir haben sechs Standorte, 500 Millionen Dollar Umsatz und wollen die Zahl unserer Mitarbeiter in drei bis fünf Jahren auf 10.000 verdoppeln. Wir haben hier gute Chancen zu wachsen, was in Europa derzeit in diesem Ausmaß schwieriger ist. Die USA sind ein unglaublich toller Markt, an den wir sehr glauben und stark wachsen werden.
Die geopolitische Lage ist derzeit schwierig.
Das ist die Realität, deswegen geben wir nicht alle Eier in einen Korb. Wir sind in Europa, Amerika, dem Mittleren Osten und in Asien präsent. Durch diesen Mix können wir die geopolitische Problematik abfangen.
Wie nachhaltig ist der Konzern aufgestellt?
Sehr gut. Wir haben keinen Cent Schulden und Geld am Konto. Ich halte mich an die alte Regel meines Vaters: Gib nie mehr aus, als du einnimmst, und zur Bank geht man dann, wenn man Geld hat. Wir könnten noch schneller wachsen, aber das wollen wir nicht. Wir wollen weder Qualität noch Margen reduzieren.
Eine persönliche Frage noch: Wie hoch war diesmal Ihr Adrenalin-Spiegel während der WM?
Genauso hoch wie am ersten Tag. Die Angst, es nicht hinzukriegen, ist größer als alles andere. Ich frage mich dauernd, was wir besser machen können. Dazu fällt mir immer viel ein. Man muss sich permanent kritisch hinterfragen.
Die Erfolgsstory von Attila Dogudan begann 1981 mit einem winzigen Delikatessen-Geschäft in der Wiener Innenstadt, neben der „Kervansaray“ seiner Eltern, die aus politischen Gründen von Istanbul nach Wien gekommen waren. Attila Dogudan, demnächst 67, betrieb auch einen kleinen Partyservice. Die zufällige Begegnung mit Niki Lauda, der damals mit seiner Lauda Air gegen die AUA anflog, ermöglichte 1987 den Einstieg ins Airline-Catering. Bordmenus in bester Qualität auf designtem Porzellan-Geschirr begeisterten die Passagiere.
Der ehrgeizige Vielarbeiter Dogudan belieferte bald etliche Airlines und startete, unterstützt von Laudas Kontakt Bernie Ecclestone, das VIP-Catering für die Formel 1. Weitere Sport-Großveranstaltungen folgten, weltweit wurden Gourmetküchen eröffnet. Drittes Standbein des Gourmet-Konzerns wurden Lounges, Hotels und Restaurants. Starker Partner wurde Turkish Airlines.
Rekordergebnis
1998 ging DO&CO an die Börse. Dogudans Privatstiftung ist mit 30 Prozent der größte Einzelaktionär, der Rest ist Streubesitz. Unterstützt wird CEO Dogudan von den Söhnen Attila (auch im Vorstand) und Marius. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 fuhr DO&CO mit weltweit knapp 16.500 Mitarbeitern in allen Divisionen Rekordergebnisse ein. Der Umsatz legte um 7 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro zu, der Konzerngewinn stieg um 14 Prozent auf knapp 106 Millionen Euro.
DO&CO caterte bereits die Fußball-WM 2022 in Katar, sechs Mal in Folge die Fußball-EM, 20 Champions-League-Finale und seit 34 Jahren die Formel 1. Ende 2027 soll in Istanbul die weltweit größte Gourmet-Frischküche mit 150.000 Quadratmetern eröffnet werden.
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