Im Streit Google gegen Verleger geht es um mehr als nur Kleingeld

© REUTERS/MICHAEL DALDER

Leistungsschutzrecht
10/23/2014

Verlage knicken vor Google-Macht ein

In Deutschland haben Zeitungen Google wegen dessen Marktmacht die Gratis-Nutzung von Inhalten erlaubt. Aber ihre Forderungen bleiben.

von Christoph Silber

In den lang laufenden Auseinandersetzungen zwischen Google und den in der deutschen Verwertungsgesellschaft VG Media organisierten Verlagen haben letztere zum Rückzug geblasen. Mit widerrufbaren "Gratiseinwilligungen" haben die Verleger dem Suchmaschinen-Riesen die Gratis-Nutzung kurzer Texte und von Bildern erlaubt. Zuvor hatten sie dafür Zahlungen gefordert.

Damit reagierten sie auf die Google-Ankündigung, Zeitungen, die keine Einwilligung ausstellten, ab Donnerstag nur noch eingeschränkt und deren Bilder gar nicht mehr auf Google-Oberflächen – etwa Google-News – darzustellen. Die Folgen wären eine schlechtere Auffindbarkeit im Internet gewesen – mit wirtschaftlichen Folgen durch sinkende Besucherzahlen und, dadurch, weniger Werbeeinnahmen.

Kartell-Frage

Man sehe sich "angesichts der überwältigenden Marktmacht von Google zu diesem außergewöhnlichen Schritt gezwungen", teilte VG Media mit, zu der Branchengrößen wie Burda und Springer gehören. Erklärt wurde auch, dass laufende Verfahren weitergehen und man "das Vorgehen Googles für kartellrechtswidrig" halte. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, hatte aber zuvor bei den Münchener Medientagen zu Zahlungen Googles erklärt: "Es lässt sich nur schwer aus dem Leistungsschutzgesetz ableiten, dass Google die Verlagsinhalte mehr zu nutzen hat und dafür Geld zahlen muss."

Trotzdem bereitet sich etwa Springer auf Auseinandersetzungen beim Kartellamt vor. Google darf zwar kurze Texte aus der Bild kostenlos nutzen. Bei Titeln wie Welt oder Sport Bild pocht Springer auf Vergütung. "Wir wollen damit nicht nur ein Zeichen setzen, dass wir unsere Position nicht aufgeben, auch wenn wir unter Druck gesetzt werden", so eine Springer-Sprecherin. Der Konzern nehme bewusst Umsatzeinbußen in Kauf.

Bei Google ist hingegen alles paletti. "Wir sind zwar davon überzeugt, dass das Leistungsschutzrecht Snippets nicht umfasst, möchten aber dennoch die Wünsche der Verlage bei der Anzeige von Auszügen ihrer Inhalte respektieren. Wir freuen uns daher, dass sich nun auch die meisten Mitglieder der VG Media der großen Mehrheit der deutschen Verlage angeschlossen haben", heißt es bei Google-Deutschland. All diese Verlage seien damit einverstanden, "dass wir auch in Zukunft Snippets ihrer Inhalte anzeigen und ihnen Millionen von Klicks auf ihre Seiten lenken. Google arbeitet auch in Zukunft gerne mit Verlagen an neuen Modellen, um deren Webseiten und Apps besser zu promoten, den Traffic zu erhöhen und das digitale Publishing anderweitig zu unterstützen."

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