Die Schmeisers: Der frühere Ausländerfeind Fritzl als geläuterter Familienvater heute

© ATV

Tausche Familie
03/25/2014

Rehabilitation am Fernsehschirm

ATV zeigt einen geläuterten früheren Ausländerfeind nach zehn Jahren wieder.

von Philipp Wilhelmer

Im Herbst 2003 lief auf ATV etwas, das auch hartgesottene Zuschauer forderte: In der damaligen "Tausche Familie"-Staffel trafen die Schmeisers auf eine türkischstämmige Familie. Der Skandal war vorprogrammiert und wenig erfreulich:

Die Sendung war dominiert von den Vorurteilen der ausländerfeindlich eingestellten Österreicher. Mittendrin sah man einen jungen Mann mit kahl geschorenem Kopf: "Fritzl" Schmeiser, Sohn des gleichnamigen Familienoberhaupts.

Fritzl hat 2014 erneut seinen großen Auftritt bei dem ATV-Format: Der heute 33-jährige Familienvater hat nach eigener Auskunft inzwischen seinen Frieden mit ausländischen Mitmenschen gemacht und aus der damaligen Aufregung gelernt.

Auch seine Schwester sagt, dass sie inzwischen ein weltoffener Mensch sei, dem der Skandal damals die Augen geöffnet hat.

Auf den Hof

Die Sendungsmacher testen die Flexibilität des Wieners auf neue Art und Weise: Sie schicken seine Frau Natascha auf einen Bauernhof und die Landwirtin Hedwig Kromer in die Stadtwohnung der Schmeisers. Diesmal ist es nicht der Konflikt zwischen den engstirnigen Alteingesessenen und kulturell verschiedenen Neo-Österreichern, sondern zwischen leistungsbereiten und eher laxen Charakteren: Fritzl Schmeiser und seine 35-jährigen Frau haben nämlich trotz dreier Kinder noch nicht wahnsinnig tiefe Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen.

Ihr Alltag ist geprägt von Fernsehen, Zigaretten und Fußball. Sie leben von Sozialhilfe und versuchen Stress so gut wie möglich zu vermeiden. Als Gegenstück kommt die 51-jährige Hedwig ins Spiel: Die fleißige Biobäuerin aus dem Weinviertel betreibt mit ihrem Mann nicht nur einen Bauernhof, sondern auch einen Bio-Laden.

Der Arbeitstag beginnt spätestens um sechs Uhr früh, wenn die Tiere versorgt werden müssen und allerlei am Hof zu erledigen ist. Danach geht es weiter in ein Biogeschäft, wo normalerweise kaufmännische Tätigkeiten auf Hedwig warten. Wie die arbeitslose Natascha diese Aufgaben meistert, birgt bereits am Papier Konfliktpotenzial.

So geläutert übrigens der 33-jährige Fritz Schmeiser auch auftritt: Seine Eltern haben sich seit der Skandalfolge 2003 in ihren Einstellungen nicht wesentlich verändert.

Womit sich in der Staffel zumindest eines zeigt: Bei Intoleranz gegenüber unterschiedlichen Lebensentwürfen muss es nicht immer gegen Zuwanderer oder Randgruppen gehen. Es reicht auch einfach, wenn zwei österreichische Ureinwohner aus verschiedenen Bundesländern aufeinander losgelassen werden. Insofern verspricht die neue "Tausche Familie"-Staffel einigermaßen lehrreiche Unterhaltung.

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