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Serie
09/28/2013

Sympathisch und abstoßend: "Breaking Bad" geht zu Ende

In den USA läuft die letzte Folge einer der bemerkenswertesten Fernsehserien der vergangenen Jahre.

Es ist der Schlüpfer, der viele auf eine falsche Fährte führt. In Feinripp-Unterwäsche steht Bryan Cranston auf dem bekanntesten Szenenfoto aus "Breaking Bad". Der Blick ängstlich, in der Rechten eine Pistole.

Doch die Erwartung, Cranston - bekannt als schusseliger Familienvater Hal aus der Sitcom "Malcolm mittendrin" - werde in einer Drogencomedy spielen, wurde schnell ausgeräumt.

Mit "Breaking Bad" ist eine der kreativsten, spannendsten - und auch brutalsten - Serien der vergangenen Jahre gelungen. In den USA läuft Sonntag Abend (29. September; Ortszeit, Montag 3.00 Uhr MESZ) die letzte Folge.

Eindrücke von der finalen Staffel

Der grobe Handlungsstrang ist rasch erzählt: Ein kleiner Chemielehrer namens Walter White hat Krebs. Um die Familie abzusichern, kocht er synthetische Drogen und verstrickt sich immer tiefer ins Verbrechen. Die Langfassung ist komplizierter: Da ist sein Schwager Hank, der ausgerechnet Drogenfahnder ist. Da ist seine Frau Skyler, ebenso dominant wie liebevoll. Sein unorganisierter Komplize Jesse. Und natürlich Whites Boss und Gegenspieler Gus.

Der ist eine komplexe Persönlichkeit und genau das ist die Stärke von "Breaking Bad". Den Charakteren Vielschichtigkeit zu attestieren, wäre untertrieben. In der Serie gibt es kein schwarz-weiß und keine eindimensionalen Figuren, jeder Protagonist ist irgendwie sympathisch und abstoßend. Und selbst wenn der brave Chemielehrer zu immer größeren Verbrechen fähig ist; hätte ich es nicht auch so gemacht?

Von gut und böse

"Wir sehen diese Person und denken: 'Das könnte ich sein, oder mein Nachbar'", sagt Professor Rafael Lima, Experte für Drehbücher und Fernsehserien an der Universität Miami. Das sei das Erfolgsgeheimnis der Kultserie. "Es ist unmöglich, mit jemandem zu fühlen, der zu 100 Prozent böse ist. Aber bei diesen Figuren gibt es eine Möglichkeit, wenn auch eine kleine, dass sie wieder zu den Guten werden", sagt Lima. "Sie sind gut und böse, in einer Person".

Walter White wird immer mehr vom netten Nachbarn zum kaltblütigen Gangster, der Millionen in Stofftaschen herumträgt. "Ja, er hat tonnenweise Geld", sagt Hauptdarsteller Cranston der dpa. "Aber die Serie zeigt, dass es immer Kosten gibt. Alles hat seinen Preis, auch Geld." Im Falle von White: "Dieser Mann verliert fast seine Familie und muss in ständiger Furcht leben." Die Botschaft laute: Bleib bei Deinen Leisten, sagt Cranston. "Er hat viel gewonnen, aber noch mehr verloren. So ist das, wenn man sich an den Teufel verkauft."

Rücksichtlos

Ohne Frage ist "Breaking Bad" brutal. Dabei ist es weniger die Zahl der Toten, die ist höchstens Mittelklasse. Aber die Kaltblütigkeit, die völlige Rücksichtslosigkeit, mit der Menschen wegen einer Nichtigkeit fast achtlos ermordet werden, diese Brutalität muss man suchen. Im echten Leben findet man sie in Zeitungen, in Berichten über die Drogenkriege in Lateinamerika.

"Breaking Bad" ist ausgezeichnet. Bei der Emmy-Verleihung am vergangenen Sonntag gewann die Serie den wichtigsten der wichtigsten Fernsehpreise der Welt, den für die beste Drama-Serie. Die Reihe hat nicht nur ihrem Schauplatz Albuquerque in New Mexico zu Touristenströmen verholfen. Jetzt kommen auch noch die Requisiten unter den Hammer. Skylers Jeep geht bei 7.125 Dollar (5.300 Euro) los, einer der Schutzanzüge der Drogenköche bei 1.500 und eine Gasmaske bei 400. Schlappe 250 Dollar ist das Startgebot für etwas ganz besonderes: Der weiße Schlüpfer, mit dem alles begann.

Im deutschen Free-TV läuft "Breaking Bad" auf RTL Nitro und Arte. Die fünfte und letzte Staffel beginnt auf Arte am 6. Dezember.

Von A wie Albuquerque bis Z wie Zucker zusammengefasst.

Der Böse, den alle lieben

"Die Sopranos" ist die beste Serie der Fernsehgeschichte - zumindest wenn es nach den Drehbuchautoren der USA geht. Die Writers Guild of America hat die von 1999 bis 2007 produzierte Reihe um die Vorstadtganoven aus New Jersey auf Platz eins einer Liste der 101 besten Fernsehserien gesetzt.

Es folgen die in den USA ungemein erfolgreiche 90er-Sitcom "Seinfeld", die vor allem in den sechziger Jahren beliebte "Twilight Zone" und noch vor "MASH" kommt "All in the Family", die amerikanische Variante von "Ekel Alfred". Doch auch wenn es auf vier der fünf ersten nicht zutrifft: Die Hälfte der "besten Serien" stammt aus den vergangenen zehn Jahren.

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