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08.12.2014

Suttner und Nobel: "Eine unerfüllte Liebe"

Birgit Minichmayr und Sebastian Koch spielen Bertha von Suttner und Alfred Nobel in "Eine Liebe für den Frieden".

Vielen ist Bertha von Suttner vor allem von der 2-Euro-Münze – oder früher dem Tausend-Schilling-Schein – ein Begriff: Hochsteckfrisur, strenger Blick. Die wilde, widerspenstige Seite der Friedensaktivistin, die mit dem Dynamit-Erfinder Alfred Nobel eine Lebensfreundschaft pflegte und 1905 den Friedensnobelpreis erhielt, zeigt der neue TV-Film "Eine Liebe für den Frieden", der am Montag um 20.15 Uhr auf ORF 2 ausgestrahlt wird. Regisseur Urs Egger im Interview über die - platonische? - Liebe zwischen der "Friedensbewegten und dem Händler des Todes" und seine beiden Hauptdarsteller.

KURIER: Wie stark ist der Film an das Theaterstück "Mr. und Mrs. Nobel" von Esther Vilar angelehnt?

Urs Egger: Das Theaterstück dreht sich nur um die Beziehung der beiden. Wir haben das natürlich wieder erweitert. Unter anderem fanden wir eine Szene wichtig, die es im Leben von Bertha von Suttner so gar nicht gegeben hat: nämlich diese Sanitätsszene im russisch-türkischen Krieg. Wir brauchten eine Szene, in der sie ihre Mission findet. Wir haben das Gewicht schon mehr auf die Bertha gelegt.

Wie nahe ist der Film an der historischen Wahrheit?

Biopics sind immer schwierig. Ich finde sie immer dann gelungen, wenn sie einen Haken haben, an dem sie sich festmachen können. Hier war es die Beziehung zwischen der Friedensbewegten und dem Händler des Todes: Das war für den Film gut, um die Jahre zu verdichten. Was mir wichtig war, ist, dass alle Reden, die sie hält, authentisch sind.

Die Handlung von "Eine Liebe für den Frieden"

Bilder aus dem TV-Event "Eine Liebe für den Frieden"

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Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Birgit Minichmayr spielt «Madame Nobel»

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

AUSTRIA TELEVISION

Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un

War es eine platonische Freundschaft oder mehr?

Wir wollten das offenhalten. Fakt ist einfach, Alfred Nobel hat sie begleitet über viele Jahre und sie hat ihn vielleicht zum Friedensnobelpreis inspiriert. So genau weiß man das nicht. Aber ich glaube, das war eine platonische Beziehung, eine unerfüllte Liebe quasi. Auf einer intellektuellen Ebene waren sie sich jedenfalls sehr nah. Da war auch der Gatte, der Suttner, kein Partner für sie.

Unterstützt diese Darstellung einer Liebesbeziehung – egal, ob platonisch – nicht die Vorurteile, sie habe den Nobelpreis nur bekommen, weil sie eine abgelegte Liebschaft Nobels war?

Das ist schon deswegen ein falscher Vorwurf, weil sie ihn ja gekriegt hat, als er schon tot war. Und sie war auch nicht die erste Preisträgerin, sondern die erste Frau, die ihn bekommen hat.

Haben Sie die Konstellation Minichmayr/ Koch ausgesucht?

Wir wussten, wir müssen versuchen, die Minichmayr zu bekommen. Weil sie eine Authentizität und Ausstrahlung hat, die diese Bertha von Suttner auch hatte. Es reicht nicht, eine gute Schauspielerin zu nehmen, es braucht schon eine Persönlichkeit. Der Koch war ein tolles Gegenstück dazu.

Gedreht wurde ausschließlich in Österreich – man erkennt die französische Botschaft in Wien, im Film Alfred Nobels Pariser Wohnsitz.

Wir haben auch am Semmering gedreht, wo der Kronprinz Rudolf eine große Villa hatte. Im Film liegt sie in San Remo und hat wundersamerweise ein Meer vor der Haustür. Den Kaukasus haben wir auf einem Panzerübungsplatz außerhalb von Wien gedreht und die Berge ebenfalls via Computer dazu gegeben. Bern sieht man nur von innen, das war der alte Nationalratssaal.

Bertha von Suttner (1843-1914) wurde als Gräfin Kinsky geboren – ihr Vater starb vor ihrer Geburt 75-jährig, ihre Mutter war eine Spielerin. Als Gouvernante bei der Familie Suttner verliebte sie sich in deren neun Jahre jüngeren Sohn Arthur und brannte mit ihm nach Georgien durch. 1876 arbeitete sie kurz für Alfred Nobel (1833-’96) in Paris; sie blieben in Kontakt, er unterstützte ihr Engagement für den Frieden. Suttner erhielt 1905 den Friedennobelpreis.