Ein Journalist fotografiert am Montag (22.06.2009) in der Druckerei Prinovis in Nürnberg (Mittelfranken) die mit hoher Geschwindigkeit durch die Trocknung laufenden ungeschnittenen Seiten des neuen Quelle-Kataloges. Dank in Aussicht gestellter Staatsbürgschaften waren die Druckmaschinen in der Nürnberger Druckerei Prinovis am späten Freitagabend angelaufen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++

© APA/Karl-Josef Hildenbrand

Presseförderung
02/25/2013

Bestehendes System ist "nicht effektiv"

Ein Studie von Kommunikationswissenschafter Hannes Haas ergab, dass die bestehende Presseförderung "nicht effektiv" ist.

Die Presseförderung in ihrer derzeitigen Form will die Pressevielfalt in Österreich sichern, ist beim Erreichen dieses Ziels aber "nicht effektiv". Nicht Titel oder Medienunternehmen, sondern journalistische Inhalte sollten deswegen künftig in den Mittelpunkt der Finanzierung durch die öffentliche Hand gestellt werden - nach dem Motto: Journalismusförderung statt Presseförderung. Zu diesem Fazit gelangt der Kommunikationswissenschafter Hannes Haas, der im Auftrag des Bundeskanzleramts das derzeitige System evaluierte und Wege für eine Reform aufzeigte. Staatssekretär Josef Ostermayer (S) machte am Montag die seit Ende letzten Jahres intern vorliegende Studie publik. Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) sah sich in einer ersten Reaktion "vollinhaltlich" bestätigt.

Der Wiener Uni-Professor Haas stellt durchaus nicht in Abrede, dass die Fördermittel grundsätzlich Wirkung zeigen: "Jene Medien, die sich selbst als Qualitätszeitungen titulieren und auch relativ hohe Fördersummen erhalten, stehen auch nachweislich für eine qualitativ höherwertige Berichterstattung" als etwa Zeitungen mit Boulevard-Anspruch oder Gratis-Titel.

Auf Titelvielfalt setzen

Doch genau dieser Befund führe auch vor Augen, dass es nicht ausreicht, vor allem auf Titelvielfalt zu setzen, hält Haas fest. Eine Perspektive, "die inhaltliche Vielfalt dann unterstellt, wenn entsprechend viele Titel vorhanden sind, wird den Förderzielen nicht gerecht". Es gebe keine "Garantie dafür, dass die Vielzahl unabhängiger Wettbewerber zwingend Vielfalt nach sich zieht".

Gefördert werden sollten deshalb vor allem journalistische Inhalte bzw. die journalistische Arbeit, so der Rat des Experten. Zugleich müsse man sich von der Fixierung aufs Zeitungspapier abwenden, sprich, auch Online-Medien berücksichtigen: Schließlich könne "journalistisch hochwertige Berichterstattung im Onlinebereich ebenso realisiert werden, wie dies in klassischen Printmedien der Fall ist".

Einführung von Qualitätsmerkmalen

Über Qualität lässt sich indes bekanntlich streiten. Zu einem solchen Ansatz gehöre "die Einführung von Qualitätsmerkmalen ähnlich den Public-Value-Auflagen des ORF", schließt Haas auch aus einer aktuellen Umfrage zum Reformbedarf des Systems. Internationale Beispiele zeigen, dass sich in vielen Ländern ein "Konsens" über "gesellschaftlich wünschenswerte" Inhalte herausgebildet habe: "Informations-, Kultur- und Bildungsinhalten werden solche Eigenschaften zugeschrieben."

Staatssekretär Ostermayer sieht in der Studie "wichtige Anhaltspunkte, über die man diskutieren" werde, hieß es am Montag in seinem Büro auf APA-Anfrage. Die Expertise "spricht viele Punkte an, die in der Diskussion im Vordergrund stehen". VÖZ-Präsident Thomas Kralinger fand in der Studie auch die Schlussfolgerung, dass ein Förder-Volumen von 50 Millionen Euro "realistisch und sinnvoll" sei. So gesehen stehe auch die entsprechende Forderung der Zeitungsverleger "auf einem tragfähigen wissenschaftlichen Fundament".

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