Die 1956 in Maine geborene Schriftstellerin Elizabeth Strout berichtet von den Dramen, die sich hinter den Türen der geschniegelten Provinzhaushalte abspielen

© /Heike Steinweg

Elizabeth Strout
02/03/2015

Die Hölle hinter der Provinzidylle

"Olive Kitteridge", die Verfilmung des Erzählbandes "Mit Blick aufs Meer" von Elizabeth Strout

von Barbara Mader

Die Mathematiklehrerin Olive Kitteridge ist keine Frau, die unbeschwert den Weg in die Herzen ihrer Mitmenschen findet. Grau ist sie, missmutig, oft lieblos Mann und Sohn gegenüber. Der tatsächlich weiche Kern dieser in der Liebe so unbeholfenen Frau ist sehr tief vergraben. Die bärbeißige Olive Kitteridge ist Hauptdarstellerin des pulitzerpreisgekrönten Erzählbandes "Mit Blick aufs Meer" von Elizabeth Strout – im amerikanischen Original heißt das Buch schlicht: "Olive Kitteridge".

Lisa Cholodenko ("The Kids are alright") hat das Buch als vierteilige Miniserie mit Frances McDormand in der Titelrolle verfilmt. Ab heute ist die Serie jeden Dienstag um 21.00 Uhr auf Sky Atlantic HD zu sehen. Parallel ist "Olive Kitteridge" im Web auf Sky Go abrufbar.Als Olives sanfter, leicht verzweifelter Mann ist Richard Jenkins ("Six Feet Under") zu sehen und in einer Nebenrolle taucht Bill Murray auf.

Die lebenskluge Geschichte der scharfzüngigen Mathematiklehrerin beschreibt meisterhaft die Vorhölle Kleinstadt, wo sich hinter den gepflegten Vorgärten Selbstmord, Verrat und Tablettensucht verstecken.

Auch im Vorgängerroman von "Olive Kitteridge" berichtet die 1956 in Maine geborene Schriftstellerin von den Dramen, die sich hinter den Türen der geschniegelten Provinzhaushalte abspielen. Leise, fast unbemerkt kündigen sie sich an und wachsen sich zu Katastrophen aus.

"Bleib bei mir", vor Kurzem auf Deutsch erschienen (wie alle Strout-Romane bei Luchterhand, 20,60 €), heißt im Original "Abide with me", ein Zitat aus dem Lukas-Evangelium. Tyler, ein junger Pastor und alleinerziehender Vater zweier Töchter, gerät in eine Lebens- und Glaubenskrise und wird zum Opfer der Dorfgemeinschaft, die schließlich infrage stellt, ob er denn als Vater und Seelsorger überhaupt geeignet sei.

Behutsam, aus scheinbar unwichtigen Vorfällen, baut Strout die Katastrophe auf. Denn der Pastor unterschätzt, wie wichtig dem Frauenbund die neuen Leinentischgedecke für den Kirchenkaffee sind; wie sehr Kirchenorganistin Doris auf eine neue Orgel drängt und wie gekränkt die Volksschullehrerin Mary ist, als er ihre Erziehungsratschläge nicht annimmt. Sie wird ihren Freundinnen davon berichten, dabei nur ein bisschen übertreiben und das Beckmessern der Dorfgemeinschaft des ach so idyllischen Städtchens wird ausufern – und den armen Pastor möglicherweise um seine Existenz bringen.

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