nzz.at startet am 21. Jänner

nzz.at startet am 21. Jänner
Für NZZ-CEO Veit Dengler ist Relevanz wichtigstes Kriterium für den Österreich-Ableger.

Der österreichische Online-Ableger der Neuen Zürcher Zeitung, nzz.at, geht am 21. Jänner "live". Das kündigte CEO Veit Dengler am Montag bei einem Clubabend in Wien an. Der gebürtige Österreicher vermied es dabei aber, konrete Planvorgaben zu nennen. Zwar wolle man "viele Abos" erreichen, "das Wichtigste ist aber, wir wollen relevant sein", erklärte er.

Seit einigen Monaten arbeitet ein Team von nun knapp 20 Leuten - davon 14 journalistische Mitarbeiter - unter der Führung von Ex-Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker an nzz.at. Das Online-Produkt werde "jeden Tag besser", meinte Dengler. Derzeit befindet es sich in der Beta-Phase, in der es von 500 ausgesuchten Abonnenten genutzt werden kann. Dieser Test sei aber keine "Nullnummer in Vollbetrieb"; bis zum Start sollen noch neue Features dazu kommen.

Inhaltlich setzte man bei nzz.at auf "original content". Einfach eine APA-Meldung mit einem anderen Titel zu versehen und damit die Webseite zu bespielen, wie es 80 Prozent tun würden, werde man sicher nicht machen. Es gehe um "wirklichen Mehrwert für die Leser", betonte er.

Wochenzeitung

Dass bei einem entsprechenden Erfolg eine Print-Wochenzeitung folgen könnte, wollte Dengler nicht ausschließen. Als einen "durchschlagenden Erfolg" würde er jedenfalls werten, "wenn wir in sechs jahren mehr Abonnenten als der Standard oder die Presse haben." Der ebenfalls schon kolportierte Schritt nach Deutschland mit einem nzz.de sei aber „eine ganz andere Größenordnung“.

Auch wenn der Medienmanager davon überzeugt ist, dass es "Zeit für digitale Bezahlprodukte" sei, setzt er trotzdem weiterhin auch auf Print. nzz.at sei nur eines von derzeit vier bis fünf Produkten, die man in Arbeit hat. Darunter seien auch Printprodukte, erläuterte Dengler. Denn grundsätzlich gelte es ohnehin, ständig neue Dinge zu entwickeln. 10 Millionen gibt man bei der NZZ jährlich für Forschung und Innovation aus.

Was die gedruckte Tageszeitung angeht, so ist der NZZ-CEO erstaunlich optimistisch. "Ich bin der Meinung, dass es Print noch relativ lange geben wird." Möglicherweise bleibe am Ende Print als "Luxus-Produkt".

Expertise

Dengler machte auch klar, dass sich die Zürcher keinen Bauchladen umhängen wollen. "Wir glauben, dass man in der Publikzistik und mit der Publizistik Geld verdienen kann." Immer wichtiger werde auf allen Kanälen, den Lesern Einordnung und Expertise zu bieten. "Dafür gibt es einen Markt." Für verschiedene Zielgruppen werde man durchaus verschiedene Produkte anbieten müssen. Der Transformationsprozess bei der NZZ werde noch dauern. "Man darf nicht glauben, dass das in zwölf oder 24 Monaten vorbei ist", betonte Dengler.

Zurückhaltend äußerte sich Dengler zu den Spannungen im Zürcher Hauptquartier. Es gebe viele Gerüchte und Unwahrheiten. Bei der Suche nach einem neuen Chefredakteur ist eine rasche Entscheidung nicht das wichtigste Ziel. Man brauche dort einfach "die besten Leute", zudem gebe es mit den drei stellvertretenden Chefredakteuren auch eine funktionierende Chefredaktion. "Wir werden sicherstellen, dass wir ein sehr gutes Produkt herausgeben und die angestoßenen Projekte weitertreiben", erklärte Dengler.

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