Mona Chalabi ist beim Guardian für Daten zuständig.

© Patrick Dax

Neue Medien
12/08/2013

"Die ganze Welt besteht aus Daten"

Der Datablog des "Guardian" zeigt, dass sich Geschichten mit Zahlen erzählen lassen. Datablog-Redakteurin Mona Chalabi im KURIER-Interview.

von Patrick Dax

Die ganze Welt besteht aus Daten“, sagt Mona Chalabi. Selbst Politikerreden könnten statistisch aufgegliedert und in tabellarische Form gebracht werden, erläutert die Datenjournalistin, die als Redakteurin beim Datablog der britischen Tageszeitung The Guardian arbeitet. Der 2009 gegründete Online-Kanal ist wohl das beste Argument dafür, dass das Geschichtenerzählen mit Zahlen spannend sein kann.

Geboten werden interaktive Grafiken, Videoanimationen und Erläuterungen zu Statistiken zum Tagesgeschehen oder aus dem Alltag. Wie sich Rothaarige auf europäische Ländern verteilen ist dabei ebenso Thema wie der Koffeingehalt von Getränken und Speisen und die Internet-Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA. Der KURIER hat mit Chalabi, die auf Einladung der Fachhochschule Joanneum in Graz und Wien zu Gast war, über Datenjournalismus und die Schönheit von Zahlen gesprochen.

KURIER: Sie arbeiten beim Guardian Datablog. Was machen Sie dort genau?

Mona Chalabi: Wir sehen uns Statistiken an, schreiben Geschichten darüber und visualisieren die Daten. Oft kommen andere Redaktionen zu uns und wollen Zahlen zu ihren Storys. Wenn es etwa eine Naturkatastrophe gibt, dann liefern wir Zahlen und stellen das Ereignis in einen größeren Zusammenhang.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Datenjournalismus und traditionellen Formen von Journalismus?

Unsere Art des Journalismus ist offener. Jeder kann auf unsere Quellen zugreifen, wir stellen sie zum Download bereit. Der „normale“ Journalismus versucht menschliche Aspekte eines Themas zu veranschaulichen, wir interessieren uns mehr für die großen Zusammenhänge.

Wie wichtig ist der Austausch mit den Lesern?

Sehr wichtig, weil er uns ermöglicht, unsere Arbeit besser zu machen. Wir erfahren so auch was die Leute wirklich interessiert.

Können Sie ein Beispiel nennen, das den Wert von Datenjournalismus veranschaulicht?

Wir haben in Großbritannien einen rechtsgerichteten Politiker, Nigel Farage. Auf einer Konferenz seiner Partei UKIP sagte er, dass es im vergangenen Jahr so viele Immigranten wie nie zuvor gab.

Wir konnten seine Aussage schnell widerlegen und haben einen Artikel mit den tatsächlichen Zahlen zur Immigration veröffentlicht. Politiker können nicht mehr so einfach Dinge behaupten, die faktisch falsch sind.

Wie verändert der Datenjournalismus eigentlich die Nachrichtenwelt?

Er macht sie schöner und visuell ansprechender. Er macht sie demokratischer, weil die Leute sich damit auseinandersetzen und artikulieren können, wie sie zu den Dingen stehen. Datenjournalismus macht die Nachrichten auch vorausblickender. Nachrichten sind auf Vergangenheit oder Gegenwart fixiert. Mit Daten lassen sich auch Trends voraussagen.
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