Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger während dem Interview auf Okto-TV.

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shitstorm
04/22/2014

Nächste Runde: Heimische Bands gegen Ö3

Eine Aussage von Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger sorgte wieder einmal für Empörung.

Eine seit Jahren bestehende Hassliebe zwischen dem öffentlich-rechtlichen Radiosender Ö3 und der österreichischen Musikszene ist erneut zum Diskussionsthema in den sozialen Netztwerken geworden. Die Aussage von Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger gegenüber dem Wiener TV-Sender Okto brachte das Fass nun zum Überlaufen.

In dem Interview berichtet sie von einer Begegnung mit der US-Band Imagine Dragons, die sie für "irgendeine österreichische, vollkommen unbekannte Band" hielt, "die halt irgendwie versuchen uns ein Lied zu verkaufen, was wir aber nicht wollen, weils wahrscheinlich ganz schlecht ist". Dass Lichtenegger die Band nicht erkannte, wirkt neben der Tatsache, wie sie über heimische Bands spricht, doch eher unprofessionell. Mehr als 50.000 Mal wurde das via Facebook verbreitete Video innerhalb von 24 Stunden angeklickt.

Offizielle Entschuldigung

Besonders die österreichische Musikszene, die sich schon lange von Ö3 vernachlässigt fühlt, zeigte sich verärgert und mokierte sich auf Facebook über die Aussage der Moderatorin. "So denkt man bei Ö3 über österreichische Musik" lautet der Titel des geteilten Videos. Ö3-Chef Georg Spatt entschuldigte sich noch in der Nacht via Facebook. Auch Lichtenegger selbst hat sich mittlerweile auf ihrer eigenen Fanseite entschuldigt und stellte klar, "nicht als Privatperson und auch nicht als Ö3-Moderatorin" so zu denken.

Reaktionen

Patricia Simpson, stellvertretende Institutsvorständin ipop (Institut für Popularmusik), Musikerin und Kabarettistin: "Österreich hat eine vielfältige, kreative und vor allem professionelle Musikszene. Diese wird leider seit Jahrzehnten gerade vom österreichischen Rundfunk, allen voran Ö3, großteils ignoriert. Ich habe in meiner Arbeit als stellvertretende Institutsvorständin des ipops tagtäglich mit jungen, talentierten und begeisterten Menschen zu tun. Es ist immer wieder frustrierend zu wissen, dass deren Können wahrscheinlich sehr vielen ÖsterreicherInnen vorenthalten bleiben wird.

Als Musikerin bin ich selbst Betroffene und habe oft genug das Desinteresse eines Großteils der österreichischen Radiolandschaft erlebt, hier vermisse ich eine positive Identifikation der Medien mit Musik 'made in Austria'. Aber zum Glück gibt das Publikum immer wieder genug Motivation weiterzuarbeiten, auch wenn es mitunter schwer ist. Ich hoffe, dass die aktuellen Ereignisse eine Entwicklung anstoßen, die über eine Diskussion hinausgeht und Taten folgen lässt, die im Sinne der österreichischen Musikszene sind. Der Austropop ist immer noch Teil der österreichischen Identität, auch über die Grenzen Österreichs hinaus. Es wäre wünschenswert, eine neue Generation an MusikerInnen zu fördern und den Austropoppern, Austro-Hip-Hoppern, Austrorappern, Austro-Indies, Austro-Electronicern und -Innen uvm. von morgen beim Durchstarten zu helfen und neues Bewusstsein für österreichisches Musikkulturgut zu schaffen."

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