Ioan Holender and Marlis Petersen

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ServusTV
03/05/2016

Metropolitan Opera: Zu Gast in der New Yorker Oase

Ioan Holender berichtet aus dem weltgrößten Opernhaus. Der KURIER war bei den Dreharbeiten dabei.

von Gert Korentschnig

Die vielleicht schönste Formulierung kommt am Ende von "kulTOUR mit Holender – die MET in New York" (heute, Samstag, 18.50 Uhr auf ServusTV): "Die New Yorker Oase der europäischen Kultur". So bezeichnet Ioan Holender, der ehemalige Wiener Staatsoperndirektor, das Opernhaus mit knapp 4000 Plätzen auf der New Yorker Upper West Side, das 1966 mit der Uraufführung von Samuel Barbers "Antonius und Cleopatra" eröffnet wurde (übrigens ein Flop). Und er hat völlig recht damit.

Zahlreiche europäische Sänger, von Enrico Caruso abwärts, haben dort brilliert und eine zweite Heimat gefunden. Große europäische Dirigenten wie Arturo Toscanini haben das Haus geprägt. Legendäre europäische Komponisten wie Giacomo Puccini komponierten für die MET (damals noch für die alte, 1883 am Broadway eröffnete). Durch die Radio-Liveübertragungen, mit denen der damalige Intendant Giulio Gatti-Casazza 1931 begann, rückte die MET schon früh ins Bewusstsein der europäischen Opernliebhaber. Und durch die Kinoübertragungen, initiiert vom amtierenden MET-Chef Peter Gelb, weiß man auch in Österreich regelmäßig, was sich an der New York Oper abspielt.

"An den Samstagen unserer Übertragungen sitzen in Wien 2500 bis 3000 im Kino – das sind mehr als gleichzeitig in der Wiener Staatsoper", sagt Gelb im ServusTV-Beitrag. In 70 Ländern werden die Aufführungen mittlerweile gezeigt. Aber es gibt auch Kritik, dass diese Übertragungen Publikum aus dem Haus abzögen.

Überdimensional groß

Zuletzt war die MET durch Berichte über nicht sonderlich hohe Auslastungszahlen (zwischen 60 und 70 Prozent) in den Medien. Ioan Holender sagt dazu zum KURIER, dass "alle amerikanischen Häuser mit überdimensionalen Publikumskapazitäten" Auslastungsprobleme haben – "seit dem 11. September, aber auch durch die überwunden geglaubte Finanzkrise". Freilich würde man in den USA "als Erstes auf die Kultur verzichten". Das sei aber "keine Schuld der Gattung oder der Führung".

Neben Peter Gelb kommt im Film auch Starbariton Thomas Hampson zu Wort: "Jeder Sänger der Welt möchte einmal auf der Bühne der MET stehen." Neo-Bariton Plácido Domingo: "Dieses Theater ist für mich wie ein Zuhause". Er hatte schon als junger Sänger Fotos von der MET in ein Album geklebt, um ständig vor Augen zu haben, wohin er wolle. Und der Chefarchivar, Robert Tuggle, führt Holender durch die Räumlichkeiten mit den Fotos aller wichtigen MET-Künstler und Intendanten wie etwa dem Wiener Rudolf Bing (1902–1997). Die Dreharbeiten fanden im November statt, Tuggle ist inzwischen verstorben.

Aber wie agiert Holender, der während seiner Zeit an der Wiener Staatsoper für konsequenten Führungsstil gefürchtet war, bei Dreharbeiten mit einem TV-Team?

Extrem journalistisch. Wenn er hört, dass Domingo gerade das Haus betreten hat, obwohl er ein Dirigat krankheitshalber abgesagt hatte, macht er sich sofort auf den Weg, um ihn zu finden. Wenn er mit Marlis Petersen, der Sängerin der "Lulu"-Premiere und Franz Grundheber, dem Schigolch, in der Neuen Galerie beim Central Park filmt, will er unbedingt vor der "Goldenen Adele" sitzen. Wenn er Peter Gelb in dessen Loge befragt, passiert das auf Augenhöhe. Und wenn er die Juilliard School im Lincoln Center besucht, macht er das mit großer Neugierde. Beachtlich, wie aus einem Sängeragenten und Opernchef ein Fernsehmacher wurde.
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