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Wirtschaft atmedia
03/27/2012

Ein Medienmacher über die digitale Zukunft

Innovationsfreudig, nie selbstgefällig: Christian Röpke, Geschäftsführer von Zeit Online, über den Weg des deutschen Traditionsblatts.

von Anna Gasteiger

Die Definition von Nachrichten hat sich verändert", sagt der renommierte Zeitungsdesigner Mario Garcia. Es reiche nicht mehr, Geschehenes nachzuerzählen. Heute hätten Zeitungen die Aufgabe, "zu bestätigen und neue Dinge zu entdecken": "Man braucht dafür sehr gute, sehr kreative Journalisten. Für faule und inkompetente Mitarbeiter wird kein Platz sein." Eine von vielen Stimmen, die am Montag im Rahmen der vom Zeitungsverband (VÖZ) veranstalteten Konferenz "Publishing For The 2020’s" zu hören war.

Eine andere gehört Christian Röpke: Der Zeit Online-Geschäftsführer erklärt im KURIER-Interview, warum der Zeit-Verlag derzeit so erfolgreich ist.

KURIER: Was machen Sie besser als andere?

Christian Röpke: Ich kann nicht für andere sprechen. Aber was wir besonders gut machen, ist, dass wir besonders innovationsfreudig sind beim Zeit-Verlag. Wir haben sehr kurze Entscheidungswege und ein sehr engagiertes Team, das für die Produkte brennt. Wir sind sehr schnell. Wir probieren gerne NEUE Dinge aus. Und wir sind nie selbstgefällig.

Wir würden Sie das Verhältnis der "Zeit" zu "Zeit Online" beschreiben? Ist das e i n Produkt, das auf zwei Plattformen erscheint oder sind es zwei verschiedene Produkte?
Zeit Online ist ein eigenständiges Produkt mit einer eigenständigen Redaktion und einem eigenständigen Verlagsbereich. Allein schon wegen der sehr unterschiedlichen Erscheinungsform: Die Zeit ist ein Wochentitel, Zeit Online ist minutenaktuell. 

Das Image muss aber trotzdem zusammenpassen, oder?
Zeit Online
hat sich den gleichen Qualitätskriterien verschrieben, die auch die Zeit postuliert. Vielleicht ist das auch Teil unseres Erfolges in den letzten zwei Jahren. Dass wir zwei Produkte haben, aber bei den Kriterien für den Erfolg doch sehr stark beieinander geblieben sind. Es gibt ja Medien, die in ihren Onlineauftritten viel boulevardesker sind als ihre Muttertitel. Das ist bei Zeit Online nicht der Fall. Unser Anspruch ist es, besten Qualitätsjournalismus zu machen. 

Welches Verhältnis haben die verschiedenen Endgeräte - Handy, Computer, Tablet und Print - zueinander?
Die Zeit
hat bis vor etwa fünf Jahren versucht, einen Wochentitel im Internet abzubilden. Aber das entspricht überhaupt nicht den Bedürfnissen der Nutzer. Man braucht also zwei eigenständige Produkte. Und die wollen wir jeweils ideal auf den verschiedenen Endgeräten darstellen. Zeit Online funktioniert neben der Darstellung auf Desktops und Tablets besonders gut auf dem Handy, die Zeit auf dem Tablet. 

Eine der großen Fragen ist nach wie vor: Wie macht man im Internet bzw. mit digitalen Plattformen Geld?
Zeit Online
ist für uns ein wirklich stark reichweitengetriebenes Modell, bei dem wir auf Erlöse aus der Reichweite zielen. Dazu kommen noch digitale Vertriebserlöse. Obwohl wir eine unglaublich dynamische Entwicklung hinter uns haben, sind wir noch nicht in den schwarzen Zahlen - wir werden in den nächsten ein, zwei Jahren den Breakeven erreichen. Ich glaube aber, dass es ein Missverständnis ist, zu glauben, dass man wegbrechende Printerlöse komplett online kompensieren kann. 

Wie sonst?
Man muss vielleicht gewisse Strukturen verschlanken, man muss sich überlegen, wie man Portfolios ergänzt oder umstellt. Zeitungen werden zukünftig vielleicht nur einmal in der Woche erscheinen und durch eine aktuelle Website ergänzt. 

Ist es schon zu spät, sich online zu positionieren?
Ich bin da wahrscheinlich optimistischer als andere, weil Zeit Online auch erst vor 3 Jahren so richtig durchgestartet ist. Von daher glaube ich, es ist nie zu spät. Aber wenn man es bisher versäumt hat, dann muss man es auch wirklich konsequent tun.

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