Barbara Reiter im Gespräch mit Edita Malovcic für die Freizeit Kurier-Reihe "Reden wir über..."

© KURIER/jeff mangione

Tatort
02/23/2013

Edita Malovcic: Til Schweigers Tatort-Kollegin

Die Wienerin ist die Neue von Til Schweiger und wird am 10. März mit ihm im Tatort zu sehen sein.

von Barbara Reiter

Edita Malovcic ist die Neue an Til Schweigers Seite. Im Tatort "Willkommen in Hamburg" (10. März. ORF 2) spielt sie die Staatsanwältin Hannah Lennerts.

Frau Malovcic, eine Österreicherin an der Seite von Kommissar Til Schweiger im „Tatort“ gibt es nicht alle Tage. Wie haben Sie das geschafft?
Edita Malovcic: Es wäre praktisch, wenn ich das in einem Satz beantworten könnte. Einfach war es jedenfalls nicht. Man muss die ‚Krot‘ fressen können, weil es in einem Schauspieler-Leben viele Leerläufe gibt. Mittlerweile habe ich Menschen um mich, die mich fördern. Das aufzubauen, hat aber 13 Jahre gedauert.

Es ist umso genialer, als Sie nie eine Schauspielschule besucht haben und somit alle Regeln „wie Karriere zu sein hat“ außer Kraft gesetzt haben.
Meine Schauspiel-Karriere war eigentlich ein Unfall. Am Anfang war der Gedanke: ‚Probier es einfach.‘ Ich hatte schon als Kind den Drang, mich darzustellen, allerdings im Musical-Bereich. Ab einem gewissen Alter fand ich Musical nicht mehr cool und habe mich eben entschlossen, in einem Film mitzuspielen.

Gleich im ersten Film „Nordrand“ haben Sie eine Hauptrolle bekommen. Wie hat sich diese Chance ergeben?
Ich war 21, Musikerin und hatte einen Bekannten, der Filmmusik gemacht hat. Eines Tages rief er mich aufgeregt an und meinte: ‚So einen Typ wie dich sucht meine Bekannte Barbara Albert seit einem halben Jahr.‘ Exjugoslawischer Background, 2. oder 3. Generation, die der Sprache nicht mehr mächtig ist.

Woher kommen Ihre Eltern?
Mein Vater ist Bosnier, meine Mutter Serbin, die schon mit 9 Jahren nach Österreich gekommen ist. Die Großeltern kamen mit der ersten Gastarbeiter-Welle in den 1960er-Jahren nach Österreich. Mit meinem Sohn sind wir also schon die vierte Generation hier.

Und als was fühlen Sie sich?
Das Blut, das man in sich trägt, spielt eine Rolle. Aber wenn ich in Bosnien oder Serbien bin, fühle ich mich fremd. Ich hatte nie einen Nationalstolz und habe nie forciert, dass mein Kind die Sprache lernt. In Österreich bin ich ein bissl fremd. Ich sage eigentlich immer, dass ich Europäerin bin. Fast jeder von uns ist doch ein bissl Multikulti.

Zurück zu „Nordrand“. Sie waren jung und hatten keine Schauspielerfahrung. Wie ging es weiter?
Mein Vorteil war, dass ich mit viel Naivität und Unverdorbenheit an die Sache herangegangen bin. Ich wurde monatelang mit diversen Partnern gecastet, was immer gut funktioniert hat. Ich war frei und mir hat die Ehrfurcht gefehlt. Wie groß meine Rolle ist, wurde mir erst später bewusst, als ich das Drehbuch gelesen habe. Aber „Nordrand“ war auch für Barbara Albert der erste Film und sie hat mich behutsam an die Rolle herangeführt. Das war großes Glück. Wer weiß, ob ich sonst weitergemacht hätte.

Danach kam der große Medienhype. Waren Sie dem gewachsen?
Es war schon lustig, als ich plötzlich bei den Filmfestspielen in Venedig saß. Meine Karriere hat ganz steil angefangen. Mir war aber klar, dass ich nicht immer oben bleiben kann. Als Laie hatte ich überhaupt keinen Plan. Ich habe dann ein halbes Jahr überlegt, ob ich weitermachen will. Mein Vorteil war, dass ich als Musikerin ein zweites Standbein hatte. Aber durch „Nordrand“ wurden Regisseure aufmerksam und ich habe schnell weitere Rollenangebote bekommen.

Sie haben auch in Til Schweigers Blockbuster „Zweiohrküken“ gespielt. Wie konnten Sie ihn überzeugen?
Das war überhaupt verrückt. Ich war zwei Mal zum Casting in Berlin eingeladen, konnte aber an beiden Terminen wegen Schneechaos nicht aus Wien weg. Ich habe mich furchtbar geärgert, weil es eine Rolle in einem sehr erfolgreichen Film war. Das Schicksal wollte es aber, dass mich Til noch ein drittes Mal eingeladen hat. Danach hatte ich die Rolle.

Ihr Erfolgsgeheimnis?
Die Chemie zwischen Til und mir hat von Anfang an gestimmt. Es gab auch einen lustigen Zufall. Til sagte beim Casting zu mir: „Du hast ein Loch im Pulli.“ Da er in seinem Pulli auch eines hatte, sagte ich: „Du auch.“ Er meinte: „Das ist ein Zeichen.“ Wir waren auf einer Wellenlänge.

Der „Tatort“ wird am 10. März gezeigt und hatte durch Til Schweigers Kritik an der Titelmelodie sofort Aufmerksamkeit. Hat Sie das überrascht?
Die Resonanz war unglaublich. Til hat schon für Publicity gesorgt. Für mich persönlich waren es nur zwei Drehtage im Oktober. Wenn ich das mit Kinofilmen vergleiche, die ich gemacht habe, ist das eigentlich absurd. Der Aufwand war ungleich größer, aber das öffentliche Interesse vergleichsweise gering. Der „Tatort“ ist einfach ein Prestige-Projekt. Die Relation stimmt zwar nicht, ich nehme das Interesse aber dankend an.

Ihre Rolle als Staatsanwältin wurde in den Medien mit den Worten „Das ist die Frau, die den Tatort erotisch machen soll“ kommentiert. Können Sie mit dieser Schubladisierung gut leben?
Das darf man nicht verurteilen, niemand ist davor gefeit. Als ich vor Kurzem Devid Striesow als neuen „Tatort“-Kommissar gesehen habe, ist mir sofort eingefallen, dass er einmal im „Tatort“ einen Kinderschänder gespielt hat. Das ist das Problematische an prägnanten Rollen. Bei mir waren es mehrere Jahre die Ostblockschiene und die Besetzung als Prostituierte. Da habe ich gelernt, Angebote beinhart abzulehnen. Das ist schwierig, weil du die Butter aufs Brot kriegen musst. Aber das Image ist auch sehr wichtig.

Ist Ihre Rolle als Staatsanwältin wirklich erotisch angelegt?
Ich würde meine Outfits als elegant, seriös und hochgeschlossen beschreiben. Als Staatsanwältin kann man nicht so freizügig sein, aber ich spiele mit meiner Weiblichkeit. Bei mir und dem Kommissar geht es um Machtkämpfe à la wer dem Blick des anderen länger standhält. Anziehung ist sicher da, schon alleine, weil wir beide sehr viel Macht haben.

Freuen Sie sich auf die steigende Bekanntheit, die nun kommt?
Dazu muss man seinen Beitrag leisten. Ein paar Interviews geben und Filme zu drehen, reicht nicht. Ich bin nicht bei jedem Event dabei und laufe nicht über alle roten Teppiche. Beim Münchner Filmball habe ich im Bayerischen Hof gewohnt, wo auch die Veranstaltung stattgefunden und ich hätte das Hotel verlassen müssen, um über den roten Teppich zu laufen. Das bin ich nicht.

Gehört das nicht dazu?
Ich lege mehr Wert darauf, wegen meines Könnens engagiert zu werden. Durch meinen Migrationshintergrund, mein Aussehen und meine Arbeit als Model wurde ich schon als Kind oft unterschätzt. Deshalb ist mein Bestreben, Leistung zu bringen, sehr groß.

Wo werden Sie uns heuer noch zeigen, was alles in Ihnen steckt?
Am meisten freue ich mich auf die Neuverfilmung von „Im weißen Rössl“, wo ich die Wirtin spiele. Politisch ist das eine kleine Sensation. Edita Malovcic als Josepha Vogelhuber zu besetzen, die vorher Waltraut Haas gespielt hat. Es wurden Tausende Frauen gecastet, auch Opernsängerinnen. Dass die Entscheidung dann auf mich gefallen ist, fand ich mutig und cool.

Fotos: Jeff Mangione

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