Martin Gastinger, Geschäftsführer von ATV.

© gilbert novy

Knalleffekt
09/08/2014

ATV tritt aus Privatsenderverband VÖP aus

Der Sender sieht sich im VÖP nicht mehr vertreten, Verband sei nur für die Interessen von ProSiebenSat.1Puls4 da.

von Philipp Wilhelmer

Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) muss künftig ohne ATV auskommen. Österreichs ältester bundesweiter Privater hat sich in einem offenen Brief mit sofortiger Wirkung aus dem Verein zurückgezogen. Der Grund: Der VÖP mache Politik für ProSiebenSat.1Puls4, und entspreche nicht mehr seinen Statuten. "Seit geraumer Zeit wird dieser Vereinszweck in wesentlichen Punkten nicht mehr erfüllt, da der VÖP offenkundig ausschließlich die Interessen der Sendergruppe Pro7 Austria / Puls 4 / Sat1 Österreich wahrnimmt", heißt es in dem offenen Brief, der dem KURIER vorliegt und der am Montag per Aussendung verschickt wurde.

ATV-Chef Martin Gastinger erklärte: „Wir beenden unsere Mitgliedschaft, weil sich der Verband immer mehr von seinem Zweck entfernt, Privatfernsehen aus Österreich zu unterstützen.“

"Diskriminierendes beharrliches Verhalten"

Formaljuristischer Grund für den Austritt: "Diskriminierendes beharrliches Verhalten eines Vereins, seiner Organwalter oder Vereinsvorstände, die es einem Mitglied unzumutbar machen, dem Verein länger anzugehören, stellen einen wichtigen Austrittsgrund dar. Gleiches gilt für eine allgemeine Entwicklung des Vereins, die es einem Mitglied unzumutbar macht, weiterhin Mitglied zu bleiben."

VÖP: Austritt bedauerlich

Als „bedauerlich“ bezeichnete Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP), den Ausstieg von ATV aus dem Verband. „Es ist immer schade, wenn ein Mitglied nicht mehr dabei sein möchte“, erklärte sie am Montag. „Wir werden uns in unserer nächsten Vorstandssitzung ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen.“ Auf die konkreten Vorwürfe wollte sie nicht eingehen.

„Wir werden ATV natürlich antworten, aber nicht in einer öffentlichen Form via Aussendung“, hielt Drumm in einem Statement gegenüber der APA fest. „Wie in unserem Verband üblich, machen wir das in direktem Kontakt.“ Schließlich mache es „wenig Sinn“, die offenbar „unterschiedlichen Sichtweisen“ über Presseaussendungen oder Stellungnahmen in Medien ausdiskutieren zu wollen. „Das ist nicht zielführend und es lässt sich dadurch keinerlei Differenz beseitigen.“

Wrabetz: "Reine Lobbyingorganisation großer deutscher Kommerzsender-Gruppen"

Wenig überrascht über den Austritt von ATV aus dem heimischen Privatsenderverband VÖP zeigte sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. „Dieser Schritt von ATV hatte sich ja bereits abgezeichnet und er entlarvt den VÖP endgültig als das, was er ist: eine reine Lobbying-Organisation der großen deutschen Kommerzsender-Gruppen und deren Werbefenster in Österreich.“

Gleichzeitig stellte er ATV eine Zusammenarbeit in Aussicht. „Der ORF ist sehr daran interessiert, mit ATV, aber auch anderen österreichischen privaten Medien- und Content-Anbietern, zusammenzuarbeiten und auch gemeinsame Interessen gemeinsam zu vertreten. Und diese Interessen sind definitiv andere als jene der deutschen Werbefenster in Österreich“, so Wrabetz in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

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