ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: "Am Ende muss es einen geben, der alle Aspekte zusammenführt und eine Entscheidung trifft."

© KURIER/Gilbert Novy

Interview
08/25/2014

"Uns ist allen klar, dass wir ORFeins weiterentwickeln müssen"

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz über ORFeins, neue Führungsstrukturen und den Song Contest.

von Christoph Silber

ORF-Chef Alexander Wrabetz verteidigt seine Song-Contest-Entscheidung. Sein Unternehmen will er organisatorisch offenbar auf neue Beine stellen.

KURIER: Herr Generaldirektor, wollen Sie Bürgermeister werden? Ihre Begründung dafür, dass in Wien der Song Contest stattfinden soll, klang mit "Stadt der Musik" nicht nach einem Geschäftsführer, der vor Millionen-Ausgaben steht.

Alexander Wrabetz: Ich habe mehrere Dinge gesagt: Wien hat uns die Halle, die am besten geeignet ist, mit einem guten Angebot zur Verfügung gestellt. Damit hängt zusammen, dass die Stadt, die die größten Möglichkeiten hat, die Host-City ist. Es ist das eine finanzielle, eine technische, eine programmliche und eine Marketing-Entscheidung. Wien hat letztendlich ein sehr attraktives Angebot vorgelegt.

Warum gibt’s dann ein Veto vom Finanzdirektor im Protokoll?

Was wer wo hineinschreiben lässt, kommentiere ich nicht. Das sind Interna. Klar ist, dass der Finanzdirektor sich auf Finanzielles fokussiert, der Technik-Chef auf die Technik und die Programm-Direktorin auf programmliche Aspekte und am Ende muss es einen geben, der das zusammenführt und eine Entscheidung trifft. Das habe ich gemacht. Das ist ein ganz normales Vorgehen.

Diese große Entscheidung ging schnell, eine kleine, über den Ö 1-Koordinator, dauert. Wieso?

Für diese Entscheidung nehme ich mir bewusst mehr Zeit. Denn damit muss auch die Frage beantwortet werden, wie die strukturelle Weiterentwicklung des Erfolgssenders Ö 1 aussieht.

Soll Ö 1, den anderen Radios entsprechend, also einen echten Sender-Chef erhalten?

Ja, Ö1 soll wie Ö3 und FM4 nach dem Prinzip des Channel-Managements organisiert werden mit einem starken Sender-Verantwortlichen an der Spitze. Jetzt ist die Frage, in welchen Schritten kommt es zu dieser neuen Struktur.

Sie wollten doch auch beim Fernsehen Channel-Manager?

Die Spartenkanäle sind ganz gut aufgestellt, das gilt vor allem für ORF III. Dort haben wir das Channel-Manager-Prinzip mit Peter Schöber an der Spitze schon erfolgreich verwirklicht. ORF 2 ist das große Flaggschiff. Wo wir nach wie vor viele Fragestellungen haben, ist ORFeins. Das hängt mit vielem zusammen. Die Struktur betreffend heißt das, dass wir das, was wir bereits als richtig erkannt haben, umsetzen und das sind Channel-Manager für ORFeins und ORF 2. Zudem wird der ORF in dieser Matrix medienübergreifend in Content-Cluster organisiert: Information, Kultur, Bildung, Sport und Unterhaltung.

Das erfordert eine neue Aufgaben-Verteilung an der ORF-Spitze. Wann kommt die?

Das werde ich nicht über die Zeitung ausrichten.

Zu ORFeins: Die ÖVP will den öffentlich-rechtlichen Auftrag wegen der vielen US-Serien präzisieren. Was aber ist Ihr Befund?

ORFeins steht unter größtem Konkurrenzdruck, es geht aber auch um junge Seher, die sich im ORF wiederfinden müssen und um Werbeeinnahmen. Uns ist allen klar, dass wir ORFeins weiterentwickeln müssen. Der Nachschub an hochwertigen US-Serien und Filmen ist nicht immer groß. Wiederholungen werden immer unattraktiver, weil dieser Content auf vielen Plattformen ausgespielt wird. Deshalb – ja, es muss ORFeins österreichischer werden.

Wie soll das passieren?

Zu allererst geht es um österreichische (TV-)Filme und Serien. Das ist aber das aufwendigste. Deshalb müssen wir uns trauen zu experimentieren. Das haben wir schon gemacht, etwa bei Doku und Information mit den "Wahlfahrten", aber auch in der Unterhaltung mit dem seit vielen Jahren erfolgreichen "Was gibt es Neues?". Mit der Refundierung könnten wir rascher diese Schritte setzen, aber die haben wir nicht. Wir müssen also kleinere machen. Im Grunde wollen wir aber alle das Gleiche, und dann brauchen wir auch keine Diskussion über ORFeins.

Das Interview im Original finden Sie auf atmedia.at.

Wrabetz:16 Jahre ORF

Alexander Wrabetz wurde 1960 in Wien geboren. Er studierte Rechtswissenschaften. Der ehemalige Bundesvorsitzende des VSStÖ begann seine Karriere in der Girozentrale. Danach folgte die ÖIAG, deren Generalsekretär er 1990 wurde. 1992 wechselte er zur Intertrading. Von 1995 bis 1998 war er VAMED-Vorstand und ORF-Kurator. 1998 holte ihn Gerhard Weis als Finanz-Direktor in den ORF. Seit 2007 ist Wrabetz ORF-Generaldirektor, 2011 wurde er wiedergewählt. Wrabetz ist auch Mitglied des Executive Board der European Broadcasting Union (EBU).

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