Wirtschaft
02.07.2018

Asylstreit belastet Frankfurter Börse

Durch die Konjunkturbrille betrachtet stehen die Zeichen für den Aktienmarkt noch recht gut.

Der Dax hat nach dem versöhnlichen Ausklang der vergangenen Woche am Montag wieder einen deutlichen Rückschlag erlitten. Grund ist die Zuspitzung des Asylstreits zwischen der CDU und der CSU. Zudem eskaliert der weltweite Handelsstreit wegen der Zölle von US-Präsident Donald Trump auf Importe in die Vereinigten Staaten weiter.

Im frühen Handel büßte laut Reuters der deutsche Leitindex 1,17 Prozent auf 12 161,63 Punkte ein. Noch am Freitag hatte er sich dank der Hoffnung auf ein Ende des Konflikts innerhalb der Unionspartei erholt, während für den Juni und das erste Halbjahr klare Verluste zu Buche standen.

Auch für die anderen Indizes ging es am Montagmorgen wieder bergab: Während der MDax der mittelgroßen Unternehmen 1,02 Prozent auf 25 589,97 Punkte verlor, sank der Technologiewerte-Index TecDax um 1,20 Prozent auf 2659,17 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 1,23 Prozent auf 3353,99 Punkte nach.

Trotz der aktuellen Handelsstreitigkeiten und der weiter schwelenden Inflationssorgen sehen Experten gute Chancen, dass der deutsche Leitindex 2018 noch ein Plus verzeichnet. "Gerade der Herbst des Konjunkturzyklus hat an den Aktienmärkten noch seine schönen Seiten", sagte Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Dekabank. "Man darf nicht vergessen, dass die Aktienkurse auf dem Fundament der Wirtschaftslage stehen."

Und durch die Konjunkturbrille betrachtet stehen die Zeichen für den Aktienmarkt noch recht gut. Zwar brauten sich in Deutschland derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen, hieß es vom Münchner Ifo Institut. Insofern werde sich der deutsche Konjunkturaufschwung nicht in demselben Tempo fortsetzen wie 2017. Allerdings profitiere die Wirtschaft weiter davon, dass die Menschen viel einkauften und viel gebaut werde. Die 14 von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten sehen den DAX Ende 2018 im Mittel bei rund 13 500 Punkten. Die Jahresbilanz würde damit ein Plus von rund 4,5 Prozent aufweisen.

Aktuell aber liegt der DAX seit Jahresbeginn gerechnet noch klar im Minus, und das Ende Januar erreichte Rekordhoch von knapp 13 597 Punkten ist in weite Ferne gerückt. Gründe zum Trübsal blasen gibt es genug. So könne Europa in den Abwärtsstrudel der Fahrt aufnehmende Handelskonflikte zwischen den USA und China geraten, schrieb Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba.

Noch überwiegt Windt zufolge zwar die Hoffnung, dass es nicht zum Äußersten kommt, doch die Zuversicht habe inzwischen erhebliche Risse bekommen. Die Aussichten für den Welthandel und das globale Wachstum trübten sich ein.

Auch in Deutschland kommen die Einschläge näher. So warnten unter anderem bereits der Autokonzern Daimler und der ebenfalls in dieser Branche tätige Lichttechnikspezialist OSRAM, dass die Gewinne niedriger als zunächst gedacht ausfallen dürften. Erst jüngst hatte US-Präsident Donald Trump europäischen Autoherstellern erneut mit einem Sonderzoll gedroht.

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, bleibt dennoch recht optimistisch: "Die USA haben kein Interesse an einer Eskalation." Mittelfristig dürfte eine Verhandlungslösung erzielt werden, die Trump als "grandiosen Erfolg" verkaufen werde. Seine Sprunghaftigkeit bleibe aber ein erhebliches Restrisiko, das jederzeit an den Börsen für weitere heftige Turbulenzen sorgen könnte.

Davon abgesehen steckt den Anlegern weiterhin die Anfang des Jahres aufgekommene Furcht in den Knochen, dass ein Inflationsschub die Renditen am US-Anleihenmarkt zu schnell in die Höhe schnellen lässt. In diesem Fall würden womöglich Gelder massiv aus dem Aktienmarkt in festverzinsliche Wertpapiere umgeschichtet, was die Börsen weltweit unter Druck setzen könnte.

Doch auch in dieser Hinsicht gab Burkert laut Nachrichtenagentur dpa leichte Entwarnung: Die Inflationsraten dürften zwar moderat ansteigen, allerdings nicht so stark, dass die Notenbanken mit massiven Leitzinserhöhungen gegensteuern müssten. Die Digitalisierung der Wirtschaft, die Automatisierung etwa in der Industrie sowie die Globalisierung dürften die Preise in Zaum halten. Größere Renditeanstiege seien vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten.

Vielmehr will die Europäische Zentralbank (EZB) die Nullzinspolitik bis mindestens Sommer 2019 fortsetzen, um die Konjunktur zu stützen. Die nachlassende Wirtschaft in Deutschland und in der Eurozone insgesamt könne die EZB nicht kalt lassen, sagte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Für ihn ist damit eines klar: "Die Liquiditätshausse ist noch nicht am Ende." Bereits seit Jahren treibt das billige Notenbankgeld die Märkte an. Damit bleiben Anlagealternativen am Anleihenmarkt - noch - Mangelware. Gut möglich also, dass es an der deutschen Börse tatsächlich ein Happy End gibt.