Integration durch Arbeit: Das läuft in Österreich schief
Der Arbeitsmarkt gilt als zentraler Hebel für die Integration von Migranten. Das stimmt nicht ganz, zeigt nun eine Studie des Forschungsinstituts Foresight im Auftrag der Arbeiterkammer. Demnach wirkt der heimische Arbeitsmarkt nur wenig bzw. eingeschränkt integrativ.
Genauer unter die Lupe genommen wurden die für eine erfolgreiche Integration erforderlichen Faktoren finanzielle Absicherung, Arbeitszeit, Sozialkontakte in der Arbeit, kollektive Zielverfolgung, Status und Identität sowie Kompetenznutzung. Das Ergebnis: In allen Faktoren machen ausländische Beschäftigte schlechtere Erfahrungen als inländische Beschäftigte.
So kommen etwa nur 44 Prozent der Migranten mit ihrem Einkommen aus, während es bei den Österreichern 52 Prozent sind. 77 Prozent geben an, regelmäßige Arbeitszeiten zu haben, bei den Inländern sind es 83 Prozent. Und was besonders auffällt: Bei nur 55 Prozent der Beschäftigten entspricht die Qualifikation auch den Anforderungen im Job, bei den österreichischen Beschäftigten sind es 71 Prozent. „Die Qualifikationen werden nicht so genutzt, wie sie da sind“, interpretiert Studienautor Christoph Hofinger von Foresight.
In wenigen Branchen überrepräsentiert
Erklärbar sind die Unterschiede dadurch, dass Migranten in Branchen mit schlechterer Bezahlung, geringerem Status und weniger Sozialkontakten überrepräsentiert sind. Genannt werden vor allem Land- und Forstwirtschaft, Baubranche, Reinigungsbranche oder Tourismus. Im Tourismus beträgt der Ausländer-Anteil an der Beschäftigung 60 Prozent. Die schlechteste Bewertung gab es in der Reinigung, während es Menschen, die im Geld- und Versicherungswesen, der IT oder als technische Experten arbeiten, ihre Arbeit deutlich positiver bewerten.
Auch arbeiten ausländische Beschäftigte laut Studie häufiger in befristeten Stellen oder in Leiharbeit, sind öfter arbeitslos, was zu einem beruflichen Abstieg führen kann. „Fakt ist: Der österreichische Arbeitsmarkt wirkt für ausländische Beschäftigte nur bedingt integrativ“, so Hofinger.
Für Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl sind die Ergebnisse ein Weckruf. Liberalisierung, Flexibilisierung und prekäre Arbeit würden zunehmen und die Arbeitsbedingungen für Migranten verschlechtern. „Für Österreich als Einwanderungsland ist Integration zugewanderter Menschen essenziell. Damit das aber funktioniert, müssen wir die Bedingungen am Arbeitsmarkt grundsätzlich verbessern. Denn so wie der Arbeitsmarkt derzeit ist, wird Integration erschwert“, so Anderl.
Betriebe „integrationsunwillig“
Anderl sieht die Unternehmen gefordert. Betriebe, die Migranten unter ihrer Qualifikation beschäftigen oder nur prekäre Beschäftigung anbieten, seien „integrationsunwillig“, meint sie. Integration dürfe keine Einbahnstraße sein.
Die AK fordert unter anderen mehr Maßnahmen zur Unterstützung von nach Österreich zugewanderten und geflüchteten Menschen, insbesondere im Jugendbereich. Hier nennt Anderl das Jugendcollege Wien als positives Beispiel. Weiters sollten die im Ausland erworbenen Kompetenzen besser anerkannt werden. „Es ist ein Unsinn, wenn das Potenzial der Migranten nicht besser genutzt wird.“
Jeder vierte Beschäftigte ausländischer Staatsbürger
Insgesamt haben mehr als eine Million Arbeitnehmer/innen am heimischen Arbeitsmarkt nicht die österreichische Staatsbürgerschaft – das sind immerhin ein Viertel aller Beschäftigten. Die größten Gruppen sind Deutsche und Ungarn mit jeweils mehr als 100.000 Beschäftigten, gefolgt von Menschen aus Ex-Jugoslawien, Rumänien und der Türkei.
Die Studie von Foresight basiert auf Sonderauswertungen des Arbeitsklima Index (2021 bis 2024) sowie der Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria (2024), wobei die Arbeitssituation und Arbeitszufriedenheit von unselbständig Beschäftigten von 15 bis 64 Jahren analysiert wurden. Zusätzlich wurden 10 Einzelinterviews mit ausländischen Beschäftigten in atypischen, oft prekären Beschäftigungsverhältnissen geführt.
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