Wirtschaft
06.01.2012

Arbeitsmarkt: Entspannung währt nur kurz

Die Zahl der Arbeitslosen ist zu Jahresende gesunken. Frauen konnten davon nicht profitieren. Der Ausblick ist negativ.

Zum Jahresbeginn gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute zuerst: Die Zahl der Arbeitslosen (inklusive Schulungsteilnehmern) in Österreich ist nach monatelangem Anstieg im Dezember 2011 leicht gesunken. Die Arbeitslosenrate betrug 8,2 Prozent. Das bedeutet einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Dezember 2010 um 0,8 Prozent. Konkret sind 360.583 Menschen ohne Arbeit. Zwar sind mehr Menschen als vor einem Jahr als arbeitslos gemeldet, allerdings ist die Zahl der Schulungsteilnehmer um neun Prozent gesunken. „Mithilfe der heimischen Betriebe bleibt Österreich damit im Arbeitslosenranking weiterhin Nummer 1 in Europa“, so Martin Gleitsmann, Leiter Sozialpolitik der Wirtschaftskammer.

Bau

Der Hauptgrund für die relativ gute Entwicklung liegt am warmen Winter, der Arbeiten am Bau ermöglicht. Die Arbeitslosigkeit in der Baubranche ist im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 7,3 Prozent gesunken. Fast jeder vierte Arbeitslose aus Bau- und Tourismusbranche hatte außerdem schon eine Einstellungszusage in einem Betrieb. Für einen positiven Trend sorgte auch die Industrie. In der Sachgütererzeugung waren um 3,5 Prozent weniger Arbeitslose gemeldet als vor einem Jahr. Damit das so bleibt, fordert Industriellen-Vizegeneralsekretär Peter Koren „2012 einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung des Fachkräftemangels“. Positiv bewertet Koren, dass es +5,8 Prozent Beschäftigte der Altersklasse 50+ gibt. „Wir können es uns aus budgetären, aber auch aus ökonomischen Gründen nicht leisten, der ‚Frühpensionsweltmeister‘ zu sein.“

Leiharbeiter

Sozialminister Rudolf Hundstorfer freut sich darüber, dass zwischen Weihnachten und Silvester diesmal keine höhere Arbeitslosigkeit zu beobachten war. „Kurzfristiges Hire und Fire zulasten der Beschäftigten und der Arbeitslosenversicherung ist heuer nicht so stark ausgeprägt wie in den letzten Jahren.“ Davon profitieren vor allem Leiharbeiter. In allen Bundesländern bis auf Wien sind die Arbeitslosenzahlen gesunken.

Wermutstropfen

Die schlechte Nachricht zum Schluss: Der positive Trend währt nicht an. In den nächsten Monaten ist mit schwächeren Arbeitsmarktdaten zu rechnen. Zudem ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen um 7,5 Prozent gesunken. „In diesen schwierigen Zeiten gilt es, die richtigen arbeitsmarktpolitischen Initiativen zu setzen“, fordert ÖGB-Arbeitsmarktsprecher Rudolf Kaske. Auf EU-Ebene sollen Fonds zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit umgesetzt werden. Während die Arbeitslosigkeit bei Männern im Dezember um ein Prozent gesunken ist, stieg sie bei Frauen um deutliche 4,1 Prozent. Kaske: „Der Wiedereinstieg von Frauen darf kein beruflicher Abstieg sein.“

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