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Hohe Abgaben
03/27/2014

Arbeitskosten in Österreich explodieren

Nirgendwo in der Eurozone stiegen Löhne plus Steuern so stark wie hierzulande.

von Christine Klafl

31,40 Euro – so viel kostet eine Arbeitsstunde in Österreich. Löhne bzw. Gehälter samt Steuern und Nebenkosten kamen im Vorjahr auf diesen statistischen Durchschnittswert pro Stunde, gab das EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag bekannt. Das waren um 18,9 Prozent oder fast ein Fünftel mehr als im Jahr 2008. Kein anderes Euroland hatte in diesem Zeitraum eine derart eklatante Steigerung bei den Arbeitskosten. Zum Vergleich: Beim großen Nachbarn Deutschland gab es ein Plus von 12,2 Prozent auf 31,30 Euro je Stunde.

Fein, dann haben die Arbeitnehmer wenigstens mehr in der Tasche, könnte man hoffnungsvoll meinen. Das war aber leider nicht der Fall. Für die Beschäftigten ist „heuer bereits das fünfte Jahr in Folge, in dem die Einkommen real zurückgehen“, sagt Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO). Er findet es „ärgerlich, dass sich die höheren Lohnkosten für die Arbeitnehmer real als Minus erweisen“. Die heimischen Teuerungsraten sowie die Steuerprogression (sprich das Hineinwachsen in höhere Steuerklassen) raffen selbst vorzeigbare KV-Erhöhungen dahin.

Kein Wunder, dass die Wirtschaft schon seit Jahren die hohen Lohnnebenkosten anprangert. Teure Arbeit ist schließlich Gift für Standort und Beschäftigung und kann Abwanderung von Betrieben ins günstigere Ausland forcieren. Am Donnerstag wurde im Parlament eine Erleichterung beschlossen, wenn auch eine winzige. Mit 1. Juli wird der Unfallversicherungsbeitrag von 1,4 auf 1,3 Prozent (der Lohnsumme) gesenkt. Anfang 2015 wird dann der Arbeitgeber-Beitrag zum Insolvenz-Fonds abgesenkt – ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte.

Steuerreform

Arbeitnehmer werden davon nichts spüren. Für sie müsste eine Steuerreform her, die zumindest die unteren Einkommen entlastet. Trotz Budgetkonsolidierung wäre es strategisch wichtig, den Faktor Arbeit zu entlasten und mit einer Steuerreform für höhere Realeinkommen zu sorgen, meint WIFO-Chef Aiginger. „Beschäftigung muss sich auch rentieren, neue Jobs müssen schließlich finanziert werden“, fordert Christian Keuschnigg, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), weitere Entlastungen der Wirtschaft. Dass die Arbeitnehmer trotz Lohnerhöhungen netto (nach Steuern) und real (nach Abzug der Inflation) nicht mehr verdient haben, ist auch an einem anderen Wert abzulesen: Im Vorjahr gingen die privaten Konsumausgaben um 0,2 Prozent zurück. Das klingt nicht furchterregend, ist aber doch der erste Rückgang seit dem Jahr 1984. Heuer soll der Konsum wieder vorsichtig steigen (siehe Grafik).

Großartige Kauflaune wird es allerdings keine geben: „Die Steuerprogression und eine etwas höhere Sparquote werden bremsen“, meint IHS-Mann Keuschnigg. Karl Aiginger vom WIFO dazu: „Solange der Faktor Arbeit nicht entlastet wird, wird die Arbeitslosigkeit nicht sinken.“ Im internationalen Vergleich ist die Arbeitslosenrate zwar sehr niedrig, für österreichische Verhältnisse aber sehr hoch. Die Forscher im WIFO gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote heuer acht Prozent erreichen und nächstes Jahr noch eine Spur höher liegen wird. Im IHS ist man etwas optimistischer.

Fakten

Keine guten Nachrichten gibt es weiterhin vom Arbeitsmarkt: Das Wirtschaftsforschungsinstitut schätzt die nationale Arbeitslosenquote für heuer auf 8,0 Prozent, das IHS auf 7,8 Prozent und auf 8,1 Prozent bzw. 7,7 Prozent für 2015. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 unmittelbar vor der Wirtschaftskrise lag die Arbeitslosenquote nur bei 6,2 Prozent, voriges Jahr bei 7,6 Prozent.

Die Teuerung wird für heuer und im kommenden Jahr etwas geringer erwartet. Der Verbraucherpreisindex soll 2014 um 1,8 oder 1,9 Prozent und im kommenden Jahr um 1,9 Prozent steigen. Im vergangenen Jahr lag die Inflationsrate bei 2,0 Prozent.

Das gesamtstaatliche Defizit laut Maastricht sehen Wifo und IHS durch die Abwicklung der Hypo Alpe Adria Bank heuer auf 3,0 oder 3,1 Prozent des BIP nach oben schnellen. 2015 soll das Defizit wieder deutlich auf 1,2 oder 1,4 Prozent der Wirtschaftsleistung zurückgehen.

Italiener hieven Kärntner in Wirtschaftsranking nach oben

Bei Wirtschaftsrankings ist Kärnten meist unverdächtig, diesmal steht das Bundesland aber auf einer der Spitzenpositionen. Laut der Betriebsansiedelungsagentur ABA haben sich im Vorjahr 39 Betriebe aus dem Ausland in Kärnten angesiedelt. Nur Wien hätte noch mehr ausländische Unternehmen angezogen (104).

Kärnten profitierte vor allem davon, dass italienische Unternehmer sich jenseits ihrer Landesgrenzen ein zweites Standbein aufbauen wollen. So errichtet das italienische Großunternehmen Bifrangi bis 2015 um rund 24 Millionen Euro ein Werk in Kärnten, in dem Komponenten für die Automobilzulieferindustrie bearbeitet werden sollen. Die Bestriebsansiedelungsagentur ABA-Invest hat im Vorjahr 228 Betriebsansiedelungen betreut. Das ist mehr als im bisherigen ABA-Rekordjahr 2008 und ein Plus von 27 Betrieben gegenüber 2012. Zu den Firmen, die ihre Niederlassungen in Österreich aufgelassen haben, gibt es allerdings keine Zahlen.

„Wir glauben aber, dass sich diese im Rahmen halten“, meint Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Er ist für 2014 optimistisch. Einerseits weil derzeit 758 Projekte von der ABA bearbeitet werden (+11 Prozent). Andererseits aufgrund der positiven Wirtschaftstendenzen in Europa und weil es in den vergangenen Jahren einen Investitionsstau und damit jetzt einen Nachholbedarf gäbe.

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