Wirtschaft
16.12.2011

Appell an Griechen: Bringt Euer Geld zurück

Rund 62 Milliarden Euro wurden in den letzten zwei Jahren ins Ausland überwiesen. Finanzminister Venizelos ruft zum Patriotismus auf.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hat am Mittwoch alle Griechen aufgerufen, Geld aus dem Ausland wieder ins Land zu bringen. "Es ist unsere patriotische Pflicht", sagte Venizelos im Fernsehen. Zudem rief er die jungen Menschen auf, nicht auszuwandern. "Niemand wird ohne Hilfe als Opfer dieser Krise bleiben", fügte Venizelos hinzu.

Aus Angst vor einer Rückkehr zur Drachme hatten in den vergangenen Monaten viele Griechen große Summen von heimischen Konten abgezogen: Nach Zentralbank-Statistiken waren es in den vergangenen zwei Jahren knapp 62 Milliarden Euro. Zudem gibt es eine Welle von gebildeten Griechen, die auswandern wollen. Zum Beispiel haben nach Angaben des Ärtzteverbandes 627 Ärzte in den ersten zehn Monaten des Jahres Arbeit im Ausland gesucht und gefunden.

Ifo-Institut: Land nicht wettbewerbsfähig

Das Münchner Ifo-Institut konnte die düstere Stimmung in Griechenland am Mittwoch auch nicht aufheitern. "Die Krise der südeuropäischen Länder ist ungelöst", warnte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Für Griechenland sei kaum Besserung in Sicht. Das Land sei nicht wettbewerbsfähig und deshalb sei es undenkbar, dass es aus dem riesigen Außenhandelsdefizit herauswachse.

"Ich weiß nicht, welchen Ausweg es wirklich gibt", sagte Sinn, der selten um eine wirtschaftspolitische Empfehlung verlegen ist. Griechenland müsse bei den Löhnen und Preisen 30 Prozent billiger werden, um bestehen zu können. "Das Land würde daran aber zerbrechen." Im Euro-Raum gebe es keine Möglichkeit der Abwertung, ein Austritt aus der Gemeinschaftswährung sei daher empfehlenswert.

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