Wirtschaft
31.03.2017

Anti-Dumpingverfahren: USA drohen auch der Voestalpine

Der Vorstandschef der Voestalpine zeigt sich verwundert, an den Börsen zeigen die Drohungen aus den USA bereits Wirkung.

Die US-Regierung hat nach eigenen Angaben eine Reihe ausländischer Stahlproduzenten des Preis-Dumpings überführt. Handelsminister Wilbur Ross drohte am Donnerstag in Washington mit Konsequenzen. So ist unter anderem die Voestalpine betroffen, aus Deutschland die Salzgitter AG und Dillinger Hütte.

„Eine gesunde Stahlindustrie ist entscheidend für unsere Wirtschaft und Produktionsbasis, doch unsere Stahlindustrie steht unter Beschuss durch ausländische Produzenten, die ihre Exporte verschleudern und subventionieren lassen“, sagte Ross.

„Wir werden sicherstellen, dass US-Unternehmen und -Arbeiter fair behandelt werden“, so der Minister weiter. Die USA würden die Handelsgesetze energisch durchsetzen und wenn nötig auch rückwirkend Zölle eintreiben. Die Regierung geht von Dumping aus, wenn Produkte unter ihrem „fairen Wert“ verkauft werden. Eine gründliche Untersuchung habe ergeben, dass dies in der Vergangenheit bei Stahlproduzenten aus Österreich, Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, Japan, Südkorea und Taiwan der Fall gewesen sei.

Zu diesem Thema will US-Präsident Donald Trump am Freitag nach Angaben des Weißen Hauses auch ein weiteres Dekret unterzeichnen.

Wolfgang Eder verwundert

Wolfgang Eder, Vorstandschef der Voestalpine, erklärte in einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung: "Es gibt ein Verfahren, das einige wenige 1000 Tonnen Spezialstahl betrifft", sagte der Manager dem Blatt zufolge. "Es geht dabei um Stahlqualitäten, die man ansonsten in den USA nicht bekommt. Insofern sind wir über das Verfahren doch einigermaßen verwundert", sagte Eder.

"Es ist aber nicht so, dass die US-Administration gegen uns im großen Stil vorgeht." Auch die deutschen Stahlhersteller Salzgitter und Dillinger Hütte sehen sich mit Anti-Dumping-Verfahren in den USA konfrontiert. Eder sagte zudem, das Problem durch Dumping-Stahl, der nach Europa gelange, bleibe "generell weiter ungelöst".

"Wir stellen fest, dass die Stahlimporte aus China in Europa zwar laut offizieller Statistik zurückgegangen sind. Aber chinesische Hersteller versuchen nun offenbar, Stahl über Drittländer nach Europa zu exportieren. Das ist ein Thema, mit dem sich die Politik befassen sollte", sagte Eder.

Die Ergebnisse der Untersuchung erlaubten es, Abgaben zwischen 3,62 und 148,02 Prozent des Importwerts zu verhängen. Insgesamt gehe es im Untersuchungszeitraum 2015 um Einfuhren über 732 Millionen Dollar, davon entfiele mit 196,2 Millionen der größte Anteil auf deutsche Importe.

Salzgitter AG und Dillinger werden „Dumping-Raten“ von 5,38 und 22,9 Prozent unterstellt. Gemeint ist damit der Prozentsatz, um den der Preis nach Auffassung der US-Regierung unter die Herstellungskosten oder den Einkaufspreis gedrückt worden ist.

Barsicherheiten

Das Handelsministerium will den Zoll- und Grenzschutz anweisen, auf Basis dieser Zahlen Barsicherheiten von den Unternehmen einzutreiben. Diese Mittel sollen einbehalten werden, bis die Bundesbehörde International Trade Commission am 15. Mai abschließend über den Fall entscheidet. Sollte das Verfahren dann eingestellt werden, würde das Geld zurückgezahlt. Mit dem Vorgehen riskieren die USA einen internationalen Handelsstreit.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel etwa hatte die EU bereits in der vergangenen Woche aufgefordert, die heimische Stahlindustrie zu schützen. Gabriel hatte sich schon als Wirtschaftsminister für die Branche eingesetzt. Die Salzgitter AG sitzt in seinem Wahlkreis.

Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller wies die Dumpingvorwürfe indes zurück. Bei dem Anti-Dumping-Verfahren gehe es um Grobblech, mit dem ein eigenes Rohrwerk in den USA versorgt werde, erklärte ein Konzernsprecher am Freitag voriger Woche. Der Vorwurf, Waren unterhalb der Herstellungskosten verkauft zu haben, sei haltlos.

Börsen

Die Drohungen aus den USA haben an den Börsen schon Auswirkungen geziegt: In Wien fielen die Aktien des oberösterreichischen Stahlproduzenten um 2,26 Prozent auf 37,25 Euro, in Frankfurt fielen die Aktien von Voestalpine und Salzgitter um bis zu 2,7 Prozent.