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Wirtschaft
08/10/2019

Angst und Krisen: Darum sollte der Goldpreis weiter steigen

Die Krisenwährung Gold hat Hochsaison. Das werde bis auf Weiteres so bleiben, sagen Experten voraus.

von Christine Klafl

Auf seinem Höhenflug hat der Goldpreis ein atemberaubendes Tempo vorgelegt. Um von 1.300 auf 1.500 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) anzuziehen, reichten gut zwei Monate. Vor acht Jahren, als die Eurokrise die Finanzwelt in Atem hielt, brauchte der Goldpreis für diese Wegstrecke rund sieben Monate.

Von seinem Rekordhoch von 1.921 Dollar ist das Edelmetall zwar noch weit entfernt. Auf lange Sicht hält Goldexperte Ronald-Peter Stöferle vom Liechtensteiner Vermögensverwalter Incrementum aber Preise rund um 2.300 Dollar für realistisch. Auf Jahressicht hält er 1.600 Dollar für möglich. Argumente für steigende Kurse gibt es etliche.

Börsenturbulenzen

Gold gilt wie auch Anleihen von Staaten mit guter Bonität als Fluchtwährung, wenn es an den Aktienmärkten „rumpelt“. Neue Kapitel in Sachen Zollkrieg zwischen den USA und China werden auch künftig immer wieder für Fluchtbewegungen Richtung Gold sorgen.

Währungskrieg

„Der Handelskrieg entwickelt sich immer mehr zu einem Währungskrieg“, sagt Stöferle. Auch wenn China immer wieder betont, nicht an einer schwächeren Währung interessiert zu sein: Am Freitag fiel der chinesische Yuan in seinem Verhältnis zum US-Dollar jedenfalls auf den tiefsten Stand seit März 2008.

Politische Krisen

Nicht nur Handelskonflikte lassen Anleger sichere Häfen ansteuern. Zu den Problemfällen zählt etwa der Brexit, der in einem Chaos enden könnte – zumindest für die Briten. Im zweiten Quartal ist die britische Wirtschaft unerwartet geschrumpft – erstmals seit 2012. Die aktuelle Regierungskrise in Italien macht die Finanzwelt auch nicht gemütlicher.

Notenbanken kaufen

Schon im Vorjahr sorgten die Notenbanken für Rekorde. Sie kauften 650 Tonnen Gold, so viel wie schon seit 1971 nicht mehr. Heuer griffen die Notenbanker noch eifriger zu. Ihre Käufe werden sich 2019 auf knapp 750 Tonnen summieren. Vor allem China und Russland könnten ihre Währungsreserven noch viel stärker auf Gold ausrichten, meinen Experten. So machen sich die Staaten unabhängiger vom US-Dollar.

Zuflüsse in ETF

Während Zentralbanken tonnenweise Gold in ihren Kellern lagern, greifen Anleger immer mehr zu ETFs. Das sind Wertpapiere, hinter denen reales Gold steckt, der Anleger muss das Edelmetall aber nicht lagern (und dafür Spesen zahlen). Allein am Dienstag, dem Tag nach den heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten, gab es Zuflüsse in Gold-ETFs von 3,5 Tonnen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Sinkende Zinsen

Bei hohen Zinsen, etwa bei Sparprodukten oder sicheren Anleihen, haftet Gold der Makel an, dass es keine stetigen Renditen abwirft. Von hohen Zinsen ist allerdings weit und breit keine Spur. Im Gegenteil: Große Notenbanken wie jene der USA oder Indien haben ihre Leitzinssätze erst kürzlich gesenkt. Weitere Zinssenkungen sind absehbar. Und sichere Anleihen stellen immer neue Rekorde auf. So tief im Minusbereich (0,6 Prozent) wie am Freitag war etwa die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen noch nie.